Wildtier-Lexikon: Großer Ameisenbär | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Großer Ameisenbär

Große Ameisenbären sind sehr friedfertige Tiere, die ausschließlich am Boden leben. Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Großer Ameisenbär © Xaver Klaußner / Fotolia
Der Große Ameisenbär ist ebenso wenig verwandt mit Grizzly und Co. wie die anderen zwei Vertreter der Familie der Ameisenbären.

Steckbrief

  • Körperlänge: 100 - 120 cm
  • Gewicht: 20 - 35 kg
  • Lebenserwartung: bis 25 Jahre
  • Verbreitung: Mittelamerika bis Nordargentinien
  • Lebensraum: Savanne, Buschland, offener Wald
  • Artbestand: gering gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Zahnarme
  • Familie: Ameisenbären
  • Gattung: Myrmecophaga
  • Art: Großer Ameisenbär (Myrmecophaga tridactyla)

Aussehen

Die urtümlich aussehenden Vierbeiner haben keine Zähne. Aus ihrem langen, röhrenförmigen Gesicht schnellt immer wieder eine wurmartige, dünne Zunge hervor. Das harte Fell dieser Ameisenbären-Art ist nur an der Rückenmähne und am Schwanz buschig und lang. Letzterer kann fast die Länge des Tiers selbst erreichen. Außergewöhnlich sind auch die Pfoten: Zwar sitzen an jeden Fuß fünf Krallen, aber nur an den Vorderpfoten sind drei davon besonders stark ausgebildet, von denen die größte bis zu zehn Zentimeter lang werden kann.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Tragezeit der großen Ameisenbären dauert rund sechs Monate. Die Jungen klettern unmittelbar nach der Geburt schon selbständig auf den Rücken ihrer Mutter, und auch wenn sie schon bald laufen können, lassen sie sich noch lange auf diese bequeme Weise herumtragen. Junge Männchen stoßen oft noch ein helles Trillern aus, ganz im Gegensatz zu ihren erwachsenen Artgenossen: Diese verhalten sich recht schweigsam. Mit zwei Jahren sind die Nachkommen dann ausgewachsen und ernähren sich selbst.

Lebensweise und Verhalten

Große Ameisenbären sind sehr friedfertige Tiere, die ausschließlich am Boden leben. Wenn sie nicht gerade auf Partnersuche sind, reagieren sie wenig erfreut auf ihre Artgenossen und gehen sich aus dem Weg. Sie haben Reviere, die bis zu 9.000 Hektar groß sein können. Wenn der Mensch in diese Lebensräume vordringt, verhalten sie sich nachtaktiv, wahrscheinlich um den Eindringlingen aus dem Weg zu gehen, denn normalerweise sind sie tagsüber auf der Jagd.

Außerdem faulenzen sie gerne: Sie ruhen sich oft in einer Mulde aus oder dösen an einem Baumstamm getarnt vor sich hin – dabei bedecken sie das Gesicht mit dem Schwanz, und sind so tatsächlich nur noch schwer zu entdecken.
Sobald sich die sonst recht ruhigen Zeitgenossen in die Enge getrieben fühlen, können sie ihren Feinden wie etwa Puma und Jaguar mit einem Tatzenhieb tiefe Wunden zufügen. Eine weitere Verteidigungsstrategie ist das "Umklammern": Dabei drücken sie den Angreifer mit einer Umarmung fest an sich und stechen ihm so die langen Krallen in den Rücken.

Sinnesleistungen

Der "Yurumi", wie der große Ameisenbär in der Sprache der Einheimischen Südamerikas auch genannt wird, kann recht gut riechen. Die empfindliche Nase lässt ihn Feinde schon wittern bevor er sie sieht. Auch bei der Nahrungssuche kommt ihm dieser Sinn natürlich sehr gelegen, schließlich läuft er Tag ein, Tag aus immer mit der Nase dicht über der Erde herum, um Ameisenhügel oder andere Insekten aufzuspüren. Auch das Gehör ist besser als das vieler anderer Tiere.

Ernährung

Dank ihrer muskulösen Vorderbeine und der kräftigen Krallen können die Vierbeiner mit einem einzigen Schlag ein Loch in die massiven Behausungen seiner Lieblingsbeute, der Termiten, schlagen. Dann wühlen sie sich tief ins Innere, bis sie mit  ihrer klebrigen Zunge die "Bewohner" herauslecken können. Dieses dünne und extrem bewegliche "Werkzeug" wird bis zu 60 Zentimeter lang und schnellt pro Minute manchmal 160 mal heraus. Das ist auch nötig, denn der leise Jäger hat einen sehr kleinen zahnlosen Mund, in den kaum andere Nahrung als Ameisen, Termiten, Würmer, Maden und kleine Beeren passt. Davon frisst er aber dafür reichlich: Am Tag verschlingt ein Ameisenbär ungefähr 30.000 Insekten.

Hätten Sie's gewusst?

Der Große Ameisenbär ist ebenso wenig verwandt mit Grizzly und Co. wie die anderen zwei Vertreter der Familie der Ameisenbären: Der Zwergameisenbär und der Tamandua sehen zwar einigen Kleinbären recht ähnlich, haben aber auch nichts mit den eigentlichen Bären zu tun. Diese verwirrende Bezeichnung findet sich übrigens nicht nur in der deutschen Sprache, sondern zum Beispiel auch im Spanischen, wo er "papa-formiga" heißt, was soviel wie "Bär des Ameisenhaufens" bedeutet.

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