Wildtier-Lexikon: Großes Flusspferd | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Großes Flusspferd

Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Großes Flusspferd © animals-digital.de
Ein afrikanisches Nilpferd kann sein Maul bis zu 120 cm aufreißen. Das sind quasi 5 Fußbälle übereinander!

Steckbrief

  • Körperlänge: 4 - 4,5 m
  • Gewicht: 1,3 - 3,2 t
  • Lebenserwartung: 30 - 50 Jahre
  • Verbreitung: Afrika südlich der Sahara
  • Lebensraum: See, Sumpf und langsam fließendes Gewässer
  • Artbestand: gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Paarhufer
  • Familie: Flusspferde
  • Gattung: Flusspferd
  • Art: Großes Flusspferd (Hippopotamus amphibius)

Aussehen

Flusspferde sind sehr schwerfällig. Sie haben stämmige, kurze Beine, um ihr enormes Gewicht zu tragen, und einen eckigen Kopf mit gigantischen Schneide- und Eckzähnen im Maul. Diese wachsen ein Leben lang nach. Der größte Hauer, den man je gefunden hat, war 64,5 Zentimeter lang. Ihre dicke, graue bis bräunliche Haut ist übersät mit Drüsen, die eine salzhaltige rote Flüssigkeit absondern. Dieses Sekret hält nicht nur die Haut der Schwergewichte feucht, sondern schützt sie auch vor der sengenden Sonne Afrikas und wirkt außerdem entzündungshemmend. Früher dachte man wegen der roten Farbe, die Tiere würden Blut schwitzen.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Paarung der Nilpferde spielt sich im Wasser ab. Nach einer Tragzeit von rund acht Monaten wird ein einzelnes, etwa 50 Kilogramm schweres Junges im Wasser geboren, dessen Haut noch grau-rosa gefärbt ist. Die Flusspferd-Babys kommen fast immer während der Regenzeit im Oktober und April zur Welt, denn zu dieser Zeit findet die Mutter viel saftiges Gras und kann dadurch auch genug Milch geben. Direkt nach der Geburt abseits der anderen Flusspferde hebt die Mutter den Nachwuchs mit der Schnauze an die Luft, damit er atmen kann. Da die Kleinen schon bald bis zu 20 Sekunden die Luft anhalten können, findet das Säugen unter Wasser statt. Wenn sie einige Wochen alt sind, kehren die Kinder mit der Mutter zurück zur Herde. Es gibt regelrechte "Mutter-Kind-Gruppen", in denen die Weibchen abwechselnd auf ihre Sprösslinge achten, die mit ihren jungen Artgenossen spielen.

Lebensweise und Verhalten

Die grauen Riesen verbringen als einzige Paarhufer einen Großteil ihres Lebens im Wasser. Sie sind recht gesellig und leben in Herden. Tagsüber sonnen sie sich gemeinsam in Seen oder langsam fließenden Gewässern, und lassen sich dabei nur zu gern von einem kleinen Vogel, dem Madenhacker, besuchen. Der ist ihnen, wie vielen anderen Tieren Afrikas auch, bei der Körperpflege behilflich: Er pickt lästiges Ungeziefer von der Haut seiner "Kunden". Flusspferde sind auch hervorragende Taucher: Sie können nicht nur bis zu sechs Minuten lang unter Wasser bleiben, sondern außerdem ihre Nasenlöcher verschließen. Erst in der Nacht gehen sie an Land und weiden dort. 

Kommunikation

Oft sind Flusspferde auf Bildern mit weit geöffnetem Maul zu sehen. Was aussieht wie ein herzhaftes Gähnen, ist aber oft alles andere ein Zeichen von Müdigkeit: Die Bullen versuchen durch das Herzeigen ihrer mächtigen Eckzähne, Rivalen einzuschüchtern. Eine weitere Drohgebärde ist es, dem Gegenüber in die Augen zu starren. Wenn alle Einschüchterungsversuche nicht wirken, kommt es zum Kampf, der bis zu zwei Stunden dauern kann. Die wütenden Flusspferdmännchen versuchen dann durch Kopfschlagen, dem Gegner die Zähne in den Körper zu rammen. Meist geht es bei solchen Auseinandersetzungen um die besten Plätze in der Nähe der Weibchen. Es kann durchaus vorkommen, dass sie für einen der Kontrahenten tödlich enden.

Ernährung

Ähnlich wie Rinder haben Flusspferde einen Magen mit mehreren Kammern. Sie fressen ausschließlich nach Sonnenuntergang; dann vertilgen sie aber schiere Unmengen: bis zu 45 Kilogramm Gras pro Nacht, wobei die Weibchen noch mehr als die Männchen fressen können. Sie besuchen dazu Weideplätze nahe ihrer heimischen Gewässer. Um dorthin zugelangen, halten sie sich an ihre Trampelpfade, die so genannten "Hippo-Trails". Diese breitgetretenen Wanderspuren kann man aus der Luft gut sehen. 

Hätten Sie's gewusst?

Die nächsten Verwandten der Flusspferde sind nicht, wie der Name vorgibt, die Pferde, sondern die Schweine. Diese gehören auch zur Ordnung der Paarhufer. Die "Hippos" (vom wissenschaftlichen Namen "Hippopotamus") wurden lediglich im Altertum falsch beschrieben und daher zu den Pferden gezählt. Auch die gängige Bezeichnung "Nilpferd" ist irreführend: Am Nil wurden die Kolosse schon Anfang des 19. Jahrhunderts ausgerottet.
 

Hier ein Nilpferd-Video:

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