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Wildtier-Lexikon: Igel

Erwachsene Igel besitzen bis zu 8.000 Stacheln. Um sich außerhalb ihres Nestes vor Feinden zu schützen, können sie sich blitzschnell einrollen und ihre Stacheln starr nach oben richten. Erfahren sie mehr über Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Igel © animals-digital.de
Das Sehvermögen ist weniger gut ausgeprägt, das Gehör reicht im Gegensatz dazu bis in den Ultraschallbereich hinein.

Steckbrief

  • Körperlänge: 24 - 28 cm
  • Gewicht: 800 - 1500 g
  • Lebenserwartung: 2- 4 Jahre
  • Verbreitung: West- und Mitteleuropa, Teile Osteuropas
  • Lebensraum: Wälder, Gärten, Parks
  • Artbestand: nicht gefährdet
     

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Insektenfresser
  • Familie: Igel (Erinaceidae)
  • Gattung: Kleinohrigel (Erinaceus)
  • Art: Braunbrustigel oder Europäischer Igel (Erinaceus europaeus)
     

Aussehen

Das charakteristische Aussehen von Igeln wird durch ihr Stachelkleid geprägt. Erwachsene Tiere besitzen bis zu 8.000 Stacheln. Während die Stacheln bei Jungtieren noch weiß sind, bekommen sie später eine bräunliche Färbung. Die Stachelspitzen bleiben aber hell. Im Übergang zum Bauch werden die Stacheln immer feiner und schließlich zu braungrauen Haaren. Insgesamt ist der Körperbau eines Igels eher rundlich. Sie haben kurze, mit Krallen versehene Gliedmaßen und einen kaum sichtbaren Schwanz. Auch ihre Ohren sind teilweise unter den Stacheln und Haaren versteckt. Ihre kleinen Augen sind dunkel und die Schnauze läuft nach vorne spitz zu.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Paarungszeit liegt, abhängig von der Witterung, zwischen Mai und August. Die normale Tragzeit eines Igelweibchens liegt bei etwa 35 Tage. Igel werfen nur einmal im Jahr. Mit einem Wurf bringen sie durchschnittlich vier Junge zur Welt. Nach der Geburt sind die Kleinen zwölf bis 25 Gramm schwer, ihre Augen und Ohren sind noch verschlossen, aber sie besitzen bereits zirka 100 weiße Stacheln. Anfangs werden die Jungen noch gesäugt. Nach 25 Tagen verlassen sie zum ersten Mal das mütterliche Nest und erkunden die Umgebung. Schon nach sechs Wochen sind sie selbstständig und verlassen endgültig die Nähe der Igelmutter. Nach rund neun bis elf Monaten ist der Nachwuchs geschlechtsreif. Das Männchen beteiligt sich nicht an der Brutpflege, sondern sucht kurz nach der Begattung neue Weibchen auf.

Lebensweise und Verhalten

Igel sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere. Sobald es dunkel wird, begeben sie sich auf Nahrungssuche. Um sich außerhalb ihres Nestes vor Feinden zu schützen, können sich Igel blitzschnell einrollen und ihre Stacheln starr nach oben richten. Diese Fähigkeit verdanken sie einem speziellen Ringmuskel und tausenden von weiteren kleinen Muskeln, mit denen jeder Stachel versehen ist. In dieser Stachelkugel-Position können Igel sehr lange verharren – bis der Feind müde wird und weggeht. Gewöhnlich leben Igel als Einzelgänger und finden sich nur in der Paarungszeit zusammen. Sie sind nicht revierbezogen, aber dennoch an einen festen Ort gebunden. Ihr fester Bewegungsumkreis umfasst etwa 100 Hektar. Hier legen sie auch mehrere Bauten an. Ihre Nester sind meist Unterschlüpfe aus Laub oder Gras, wo sie auch ihren fünf bis sechs Monate langen Winterschlaf (von Oktober oder November an) verbringen.

Sinnesleistungen

Das Sehvermögen ist weniger gut ausgeprägt, das Gehör reicht im Gegensatz dazu bis in den Ultraschallbereich hinein. Hauptsächlich orientiert sich der Igel mit Tasthaaren an seiner Schnauze und mit seinem guten Geruchssinn. Als zusätzliches Sinnesorgan besitzt der Igel das Jacobsonsche Organ - ein speizielles Geruchsorgan im Gaumendach. Sobald ein Igel ein für ihn unbekanntes Objekt wittert oder ankaut, beginnt er schäumenden Speichel zu produzieren, der zu den Sinneszellen im Jacobsonschen Organ befördert wird. Nachdem das unbekannte Material geprüft wurde, reinigt der Igel dieses spiezialisierte Organ. Meist schmiert des Igel den Schaum seitlich in seine Stacheln oder auf den Bauch.

Ernährung

Wenn sich Igel auf ihre abendliche Nahrungssuche begeben, legen sie oft mehrere Kilometer zurück. Sie gehören zwar zu den Insektenfressern, aber ihr Speiseplan umfasst weit mehr als nur Käfer, Insektenlarven, Würmern, Spinnen, Schnecken und andere Kleintiere. Oft zählen auch Jungtiere von Mäusen, Maulwürfen oder Vogeleier und -küken zu seiner Nahrung. Selbst Aas verschmäht er nicht. Dagegen sind Früchte und Gemüse weniger beliebt. Auch Milch ist für Igel nicht geeignet, wie viele irrtümlicher Weise glauben. Zwar trinken die Tiere sie, aber das hat meist Durchfall zur Folge. 

Hätten Sie's gewusst?

Der bei uns einheimische Braunbrustigel ist zwar nicht vom Aussterben bedroht, jedoch fallen in Deutschland jährlich 500.000 Tiere dem Straßenverkehr zum Opfer. Diese Bedrohung gefährdet den europäischen Igelbestand enorm.

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Erfahren Sie noch mehr über den Igel und seine Lebensweise:

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