Wildtier-Lexikon: Karakal | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Karakal

Der Karakal wird wegen der Ähnlichkeit seiner Ohrenpinsel zum Luchs auch Wüstenluchs genannt. Lesen Sie hier Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Karakal © Graeme Purdy / iStockphoto
Im Iran wurden früher Karakale abgerichtet, um Menschen auf der Jagd zu begleiten.

Steckbrief

  • Körperlänge: 60 - 80 cm
  • Gewicht: 8 - 18 kg
  • Lebenserwartung: bis zu 19 Jahre
  • Verbreitung: Afrika, Vorderasien, Arabische Halbinsel, Iran, Irak, Kuwait, Afghanistan, Israel, Türkei, Indien, Pakistan, Turkmenistan, Jordanien, Syrien
  • Lebensraum: Halbwüsten, Steppen, Trockensavannen
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere
  • Familie: Katzen
  • Gattung: Caracal
  • Art: Karakal (Caracal caracal)

Aussehen

Die Farbe des Karakalfelles variiert je nach Lebensraum sehr stark. In trockenen Gebieten ist es meist rotbraun bis sandbraun, in niederschlagsreicheren Gebieten sogar ziegelrot. Die Bauchseite des Karakals ist heller gefärbt als der Rest des Körpers und leicht gefleckt. Die Gesichtszeichnung um Maul und Augen ist schwarz-weiß. Die Ohren sind an der Hinterseite schwarz gefärbt; die schwarzen Pinsel daran sind sehr lang und auffällig. Ihnen verdankt er auch seinen Namen: Karakal leitet sich vom türkischen "Garah Gulak" ab, was so viel wie Schwarzohr bedeutet. Die Pinsel des Karakals sind mit etwa fünf Zentimetern die längsten innerhalb der Katzenfamilie.

Der Schwanz des Karakals ist im Verhältnis zu seinem Körper sehr lang, ähnlich dem eines Pumas. Typisch für den Karakal ist, dass seine Hinterbeine deutlich länger sind als seine Vorderbeine. Diese anatomische Besonderheit macht ihn zu einem ausgezeichneten Hochspringer.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Fortpflanzungszeit richtet sich nach der Gegebenheit des Klimas und des Untergrundes und variiert im Verbreitungsgebiet. Die Geburten finden jedoch immer in einer Jahreszeit statt, in der besonders viele Beutetiere vorhanden sind, das Weibchen also verhältnismäßig leicht Futter für ihre Jungen heranschaffen kann. Die Tragezeit dauert in etwa 80 Tage, dann werden für gewöhnlich ein bis drei Jungen geboren. Zur Geburt zieht sich das Karakal-Weibchen an einen sicheren Ort, zum Beispiel in eine Felsnische oder einen hohlen Baumstamm, zurück. Die Jungen sind anfangs völlig hilflos, wiegen nur 250 Gramm und haben die Augen noch bis zum zehnten Lebenstag geschlossen. Nach etwa einem Monat bekommen sie ihre Milchzähne und beginnen, feste Nahrung zu sich zu nehmen die ihnen die Mutter zuträgt. Mit etwa sechs bis sieben Monaten unternehmen sie dann ihre ersten eigenen Jagdversuche – zwar noch recht erfolglos, aber sie haben noch ein paar Monate Zeit, ihre Fähigkeiten zu verbessern, denn erst mit etwa einem Jahr verlassen sie die Mutter, um sich ein eigenes Jagdgebiet zu suchen. Mit zwei Jahren sind die Wildkatzen dann vollständig ausgewachsen.

Lebensweise und Verhalten

Freilandstudien in Südafrika, Israel und Turkmenistan haben gezeigt, dass der Karakal zwar außerhalb der Paarungszeit ein einzelgängerisches Leben führt, im Vergleich zu vielen anderen Raubtieren sein Wohn- und Jagdgebiet aber nicht zur alleinigen Nutzung beansprucht. An allen Grenzen seines Territoriums kann es Überlappungen mit Gebieten benachbarter Individuen beiderlei Geschlechts geben.

Um unliebsame Begegnungen zwischen Nachbarn zu verhindern, setzen die Wildkatzen auf ihren Streifzügen Harn- und Sekretduftmarken. Diese Duftmarken dienen gleichzeitig als Informationsquelle; so sind Karakale, auch wenn sie sich nur äußerst selten begegnen, immer gut informiert, zum Beispiel über die Fitness der Männchen oder die Paarungsbereitschaft der Weibchen. Die Größe der Karakal-Territorien variiert stark. Sie können eine Fläche von fünf bis zu 200 Quadratkilometern umfassen.

Ernährung

Der Karakal, wegen der Ähnlichkeit seiner Ohrenpinsel zum Luchs auch Wüstenluchs genannt, jagt vor allem nachts. Trotz seiner extremen Schnelligkeit ist er - wie die meisten Wildkatzen - ein Pirschjäger. Das heißt, er schleicht sich äußerst vorsichtig und leise an seine Beute heran und überrascht sie dann mit seinem blitzschnellen Angriff. Auf diese Weise erbeutet er vor allem Hasen, Nagetiere und manchmal auch Zwergantilopen. Durch seine mächtigen Hinterbeine, die länger sind als seine Vorderbeine, hat der Karakal ein ausgezeichnetes Sprungvermögen. Aus dem Stand kann er bis zu drei Meter hoch springen und so fliegende Vögel im Flug fangen. Seinen Flüssigkeitsbedarf kann der Karakal fast ausschließlich durch die Nahrung decken, er muss also nicht zusätzlich trinken.

Hätten Sie's gewusst?

Im Iran wurden früher Karakale abgerichtet, um Menschen auf der Jagd zu begleiten.
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren