Wildtier-Lexikon: Moschusochse | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Moschusochse

Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Moschusochse © Naturablichter / Fotolia
Steckbrief
  • Körperlänge: Weibchen: 210 - 230 cm, Männchen: 230 - 250 cm
  • Gewicht: Weibchen: 200 - 300 kg, Männchen: 300 - 400 kg
  • Lebenserwartung: 15 - 20 Jahre
  • Verbreitung: Kanada, Grönland, Sibirien, Alaska
  • Lebensraum: Tundra
  • Artbestand: 25.000 bis 30.000
Systematik
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Paarhufer
  • Familie: Hornträger
  • Gattung: Ovibos
  • Art: Moschusochse (Ovibos moschatus)
Aussehen

Der Moschusochse hat einen stämmigen, wuchtigen Körper. Über den Schultern befindet sich ein mächtiger Buckel. Der Kopf ist sehr groß und lang. Die Schnauze ist breit, die Augen sind klein. Beide Geschlechter tragen Hörner, deren Spitzen nach oben gebogen sind. Die Beine des Moschusochsen sind im Vergleich zum Körper kurz. Sie enden in breiten, runden Hufen, wobei die Vorderhufe etwas größer sind als die Hinterhufe. Das Fell ist lang, dicht und zottelig und reicht fast bis zum Boden. Von den Hörnern bis zum Widerrist hat der Moschusochse eine lange, ausgeprägte Mähne. Im Winter hat das Fell eine dunkel- bis schwarzbraune Farbe, im Sommer ist es gelbbraun. Die dichte Unterwolle ist hell. Am Rücken hat der Moschusochse einen sogenannten Sattelfleck. An dieser Stelle ist das dunkle, lange Haar nicht vorhanden, und die helle Unterwolle wird sichtbar.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Fortpflanzungszeit der Moschusochsen beginnt im Juni und reicht bis in den August. Zwischen den Männchen (Bullen) einer Herde kommt es zu erbitterten Rangkämpfen, die manchmal tödlich enden. Verlierer ordnen sich dem Sieger unter oder müssen die Gruppe verlassen. Nur der Leitbulle deckt die Weibchen (Kühe) seiner Herde. Die Kuh ist etwa sieben bis neun Monate trächtig. Dann gebärt sie ein Junges (Kalb). Zwillingsgeburten sind möglich, aber selten. Das Kalb wiegt bei der Geburt zirka zwölf Kilogramm. Es ist bereits wenige Stunden nach der Geburt in der Lage, der Mutter zu folgen. Die Mutter säugt ihren Nachwuchs bis zu 15 Monate lang. Dennoch beginnt das Kalb bereits im Alter von einer Woche, Gras zu fressen. Sobald die Kuh wieder trächtig wird, vertreibt sie ihr Kalb. Es bleibt jedoch meist in der Herde, in der es aufgewachsen ist. Weibchen werden mit etwa vier Jahren geschlechtsreif, Bullen erst zwei Jahre später.

Lebensweise und Verhalten

Moschusochsen sind Herdentiere. Im Sommer leben sie in kleinen Gruppen von bis zu 20 Tieren. Im Winter schließen sich große Herden von über 100 Tieren zusammen. Die Herden bestehen aus Weibchen und Männchen. Manchmal gibt es auch reine Männchengruppen. Bei Gefahr bildet die Herde einen Kreis mit den Köpfen nach außen. Hilflose Jungtiere werden dabei in die Mitte genommen. Bei Schneestürmen wandert die Gruppe mit dem Rücken zum Wind in einer kegelförmigen Formation. Die Herde wird dann von einem Weibchen an der Spitze angeführt, die Jungtiere werden wieder in die Mitte genommen. Moschusochsen sind tagaktiv. Im Sommer lieben sie es, sich in Schlammlöchern zu suhlen. Sie leben in einem festen Revier und legen nur wenige Kilometer pro Tag zurück.

Ernährung

Moschusochsen sind reine Pflanzenfresser. Sie sind sehr genügsam und kommen gut mit dem kargen Nahrungsangebot in ihrer Heimat zurecht. Sie fressen hauptsächlich Gräser, Blätter, Kräuter und Blüten. Auch Samen, Knollen, Wurzeln und Rinde gehören zur Nahrung dieser Tiere, ebenso wie Moose und Flechten. Wenn sie sie finden können, stehen auch Pilze, Früchte und Nüsse auf dem Speiseplan der Moschusochsen. Sie sind Wiederkäuer. Ihr Tag teilt sich in Fress- und Ruhephasen. Sie fressen erst etwa zwei Stunden und ruhen dann genauso lange, um wiederzukäuen. Im Winter scharren Moschusochsen mit ihren kräftigen Hufen unter der Schneedecke nach Nahrung.

Hätten Sie's gewusst?

Fossilienfunde haben gezeigt, dass der Moschusochse die letzte überlebende Art einer ganzen Gruppe von Hornträger-Arten ist. Sie konnten vor allem deshalb überleben, weil sie so gut an das Leben in kalten Gegenden angepasst sind. Ihren Namen verdanken sie übrigens eine Substanz im Urin, den die Bullen zur Paarungszeit abgeben. Diese hat einen süßlichen – "moschusartigen" – Geruch. Der Moschusochse wird auch als Schafsochse bezeichnet. Wahrscheinlich ist er näher mit Ziegen und Schafen verwandt als mit Rindern. 

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