Orang-Utan füttert Tigerbabys | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin
Video sorgt für Aufsehen

Orang-Utan füttert Tigerbabys

Ein Video, das einen Orang-Utan zeigt, der Tigerbabys füttert, hat für viel Aufsehen im Internet gesorgt. Einerseits ist es niedlich anzusehen, andererseits steht die Einrichtung, indem es entstanden ist, bei Tierschützern in keinem guten Licht da. Erfahren Sie hier mehr.
 
© Screenshot/YouTube
Harmlos oder nicht?

Haben Sie dieses Video schon gesehen? Es zeigt einen Orang-Utan, der Tigerbabys füttert. "Wie niedlich!" denken Sie sich? Das war auch unsere erste Reaktion. Daher haben wir es, da es zum Titelthema unserer Juni-Ausgabe passt, das von verblüffenden Tierfreundschaften handelt, auf unserer Videoseite geposted. Wie viele andere Webseiten auf der ganzen Welt auch. Das Video hat sich in kürzester Zeit Tausendfach vermehrt durch "Gefällt mir"-Angaben und das Teilen auf Social-Media-Kanälen. Und wenn Sie es ansehen, ist es tatsächlich schlichtweg süß. Der männliche Orang-Utan schmust mit den vier Tigerbabys und gibt ihnen das Fläschchen, es ist richtig putzig. Angeblich habe der Orang-Utan den Tierpflegern beim Füttern beobachtet und wollte es dann selbst ausprobieren. Tiere sind eben wunderbare Wesen.
 
Trügt der Schein?

Allerdings gibt es offenbar eine Geschichte hinter dem Video, die Tierschützer auf den Plan ruft. Die Einrichtung, in der das Video entstanden ist, steht in keinem guten Licht da. Es handelt sich um die Einrichtung Myrtle Beach Safari im US-Bundesstaat South Carolina. "The Institute of Greatly Endangered and Rare Species" (T.I.G.E.R.S.) zu Deutsch "Institut für stark gefährdete und seltene Tierarten". Auf der Homepage der Einrichtung können Sie sich die unterschiedlichen Tiere ansehen und finden zudem die Preise für die angebotenen Touren. Das Institut bietet nämlich Safari-Touren an, in denen die Touristen auf Tuchfühlung mit den wilden Tieren gehen können. Tiger streicheln, Orang-Utans umarmen und Elefanten berühren, ein Traum für viele Menschen. Wildtiere hautnah erleben, davon träumen viele. Im Zoo trennen Gitterstäbe die Tiere ab, in solchen offenen Wildparks, wie dem Myrtle Beach Safari, ist dies erlaubt, durchaus erschwinglicher als ein Trip nach Afrika. Zudem begleiten professionelle Fotografen die Gruppen und schießen Fotos von den außergewöhnlichen Begegnungen.

Es klingt harmlos. Immerhin versichert das Institut auf seiner Homepage, dass es ein sicherer Hafen für wilde Tiere ist, vor allem für Tiger, eine Spezies, die bekanntlich vom Aussterben bedroht ist. Die Touristen verbringen einige Stunden in Myrtle Beach, spenden etwas Geld und vertrauen darauf, dass es den Tieren dort besser geht. Tierschützer bemängeln jedoch, dass die Tiere dort zu Unterhaltungszwecken gehalten werden und das Institut keineswegs Versuche unternimmt, die Tiere auszuwildern (siehe z.B.  The Independent  oder The Dodo ). Die Fotos, die dort mit Tierbabys gemacht werden, kosten viel Geld und die Einnahmen gehen angeblich in den Tierschutz über, doch Tierschützer kritisieren öffentlich, dass dieses Geld niemals an den richtigen Stellen ankäme.

Eine lange Liste an Verstößen

Der Eigentümer der Einrichtung, Dr. Bhagavan Antle, musste sich bereits wegen etlicher Verstöße gegen die Auflagen des USDA (U.S. Department of Agriculture, Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten) verantworten. Die Tierschutzorganisation PETA klagt zudem an, dass Dr. Antle es versäumt habe, minimale Bundestandards in Bezug auf die Pflege von Tieren zu erfüllen. Die Liste ist lang und reicht zurück bis Ende der 80er-Jahre. Dennoch existiert seine Einrichtung noch. Antle selbst empfindet die Vorwürfe als ungerechtfertigt und wehrt sich vehement dagegen, er nutze die Tiere zu seinen Gunsten. Gegenüber " The Independent " sagte er, er habe das Gefühl viele Kritiker seien schlichtweg eifersüchtig auf seinen Erfolg. Er habe bereits eine Million Dollar (ca. 900.000 Euro) für Tiere auf der ganzen Welt gespendet. Sein Konzept funktioniere vor allem aufgrund seiner "tierischen Botschafter", die sich so prächtig mit den Besuchern verstehen würden. Sein Institut sei schlichtweg einzigartig.
 
 

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