Wildtier-Lexikon: Rohrkatze | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Rohrkatze

Die Rohrkatze ist im Vergleich zu vielen ihrer Verwandten kein ausschließlich nachtaktives Tier. Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Wildtier-Lexikon: Rohrkatze © Image courtesy of AKARAKINGDOMS at FreeDigitalPhotos.net
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Steckbrief

  • Körperlänge: 50 - 75 cm
  • Gewicht: 5 - 13 kg
  • Lebenserwartung: bis zu 14 Jahren
  • Verbreitung: Nordafrika, Vorder- und Südasien
  • Lebensraum: Schilfdickichte, sumpfige Ufergehölze, Hochgrasflächen (in der Nähe von Flüssen und Seen)
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere
  • Familie: Katzen
  • Gattung: Felis
  • Art: Rohrkatze (Felis chaus)

Aussehen

Die Rohrkatze hat ein dichtes beigefarbenes Fell, das kaum Fellzeichnungen aufweist. Nur der Schwanz und die Beine der Rohrkatze sind schwarz-beige geringelt. Die Ohren der Rohrkatze ähneln denen des Karakals, sie sind groß und mit auffälligen, ungefähr ein bis zwei Zentimeter langen Haarpinseln versehen. Dank dieser Ohren erhielt die Rohrkatze den Namen Sumpfluchs. Die Rohrkatze ist hochbeinig und wirkt sehr schlank. Insgesamt sind beim Sumpfluchs, wie bei fast allen Wildkatzenarten, die Männchen um einiges größer als die Weibchen.

Fortpflanzung und Entwicklung

Während der Fortpflanzungszeit stoßen die Männchen laute Balzrufe auf der Suche nach einem Weibchen aus. Dieses Rufen ähnelt dem Bellen eines Hundes. Hat die Paarung stattgefunden, dauert es noch ungefähr 65 Tage bis das Weibchen ihre Welpen in einem sicheren Versteck zur Welt bringt - zum Beispiel in der verlassenen Erdhöhle eines Stachelschweins oder eines Fuchses. Manchmal baut sich das Weibchen selbst ein sicheres Nest im dichten Hochgras. Der Wurf kann sehr klein sein, mit nur einem Kätzchen, oder recht groß mit bis zu sechs Welpen. Bei der Geburt wiegen die Jungen bereits 140 Gramm; dieses Körpergewicht verdoppeln sie schon nach einer Woche. Ihre Mutter säugt sie zunächst noch, versucht sie aber nach etwa zwei Monaten zu entwöhnen und an feste Nahrung zu gewöhnen. Die Mutter setzt den Jungen immer wieder kleinere Nagetiere vor und weckt so ihr Interesse. Ab einem Alter von sechs Monaten beginnen die Rohrkatzen, sich selbstständig zu machen und sich von der Mutter zu entfernen. Mit ungefähr 20 Monaten erreichen die jungen Rohrkatzen die Geschlechtsreife.

Lebensweise und Verhalten

Es gibt zwar nur spärliche Beobachtungen der Rohrkatze in freier Wildbahn, aber sowohl die wenigen Beobachtungen in freier Wildbahn, als auch die Beobachtungen in Gefangenschaft haben Überraschendes gezeigt: In freier Wildbahn wurden wiederholt Familiengruppen, bestehend aus Männchen, Weibchen und Jungen, gesichtet, was für Wildkatzen sehr untypisch ist. Auch in Menschenobhut wurden männliche Rohrkatzen beobachtet, die ihre Jungen aufmerksam beobachteten und sie im Notfall selbstlos beschützten. Die Männchen der Rohrkatze könnten also eine weit wichtigere Rolle spielen als die Männchen aller anderen Wildkatzenarten.

Außerdem ist die Rohrkatze im Vergleich zu vielen ihrer Verwandten kein ausschließlich nachtaktives Tier. Sie streift auch häufig am Tag umher und begibt sich hauptsächlich zur Morgen- und Abenddämmerung auf die Jagd. Wie alle Kleinkatzen könnte die Rohrkatze mühelos auf Bäume klettern, doch sie bewegt sich meistens am Boden. Falls nötig, kann sie sehr schnell rennen (bis zu 30 km/h auf kurzen Distanzen), doch sie nutzt diese Fähigkeit nur selten. Dieses Tempo legt sie nur an den Tag, wenn sie vor ihren natürlichen Feinden, wie zum Beispiel Leoparden, Wölfen oder Hyänen flüchten muss.

Die Rohrkatze hat aber noch weitere geniale Fähigkeiten. So kann sie, wie viele ihrer Verwandten, hohe Luftsprünge absolvieren. Dank dieser Fähigkeit kann sie vorüberfliegende Vögel aus der Luft "angeln". Generell ist sie aber eine Pirschjägerin, das heißt, sie streift auf der Suche nach Beute durch ihr Jagdgebiet, schleicht sich lautlos so nahe wie möglich an ihr Opfer heran und überfällt es mit einem Überraschungsangriff. Das Opfer wird, wie bei Wildkatzen üblich, mit einem Biss in den Nacken getötet.

Ernährung

Rohrkatzen leben hauptsächlich von Nagetieren, Reptilien, Vögeln und Amphibien. Da die Rohrkatze eine äußerst gute Schwimmerin ist, sind Fische und andere Wassertiere nicht sicher vor ihr. Insekten und Käfer werden von ihr ebenfalls gerne verzehrt. Manchmal erbeutet sie auch erfolgreich ein Jungtier eines mittelgroßen Säugetieres, wie zum Beispiel ein junges Reh oder ein kleines Wildschwein. Wegen ihrer ausgezeichneten Fähigkeiten als Vogelfängerin gibt es öfters Konflikte mit Menschen. Denn in menschennahen Gebieten beschränkt sie ihre Jagdversuche natürlich nicht nur auf wildlebende Fasane, Rebhühner und Pfaue, sondern dringt auch mal in ein Hühnergehege ein.

Hätten Sie's gewusst?

Die alten Ägypter schätzten die Rohrkatze aufgrund ihrer ausgezeichneten Jagdfähigkeiten sehr. Oft wurde sie gezähmt und abgerichtet, um etwa bei der Vogeljagd zu helfen. Ihre Aufgabe war es, abgeschossene, im Dickicht abgestürzte Vögel aufzuspüren und herbeizuschaffen.
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