Wildtier-Lexikon: Rothirsch | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Rothirsch

Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Rothirsch © animals-digital.de
Steckbrief
  • Körperlänge: Weibchen: 130 - 180 cm, Männchen: 200 - 230 cm
  • Gewicht: Weibchen: 90 - 150 kg, Männchen: 100 - 250 kg
  • Lebenserwartung: 20 Jahre
  • Verbreitung: Europa, Asien, Nordafrika
  • Lebensraum: Wälder, baumlose Ebenen
  • Artbestand: nicht gefährdet
Systematik
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Paarhufer
  • Familie: Hirsche
  • Gattung: Cervus
  • Art: Rothirsch (Cervus elavus)
Aussehen

Zwischen den zahlreichen Unterarten kann es zu erheblichen Größenunterschieden kommen. Das Aussehen ist jedoch bei allen Rothirschen sehr ähnlich: Sie haben einen kräftigen Körper mit einer breiten Brust. Der Hals ist schlank, der Kopf lang und schmal. Die Augen sind dunkel, die Ohren sind lang und laufen spitz zu. Der Rothirsch steht auf langen, kräftigen Beinen und hat einen etwa 25 Zentimeter langen Schwanz. Das Fell kann je nach Jahreszeit, Geschlecht und Alter unterschiedlich sein. Im Sommer hat es einen haselnussbraunen Farbton, im Winter ist es graubraun. Männlichen Rothirschen wächst mit dem Eintreten der Geschlechtsreife ein Geweih. Es kann beachtliche Maße erreichen und bis zu 15 Kilogramm wiegen. Die Männchen werfen ihr Geweih jedes Jahr nach der Paarungszeit ab. Die Bildung des neuen Geweihs dauert rund 100 Tage.

Fortpflanzung und Entwicklung

Im August verlassen die männlichen Rothirsche ihr Rudel und begeben sich auf die Suche nach den Weibchen (Hirschkühe). Dabei legen sie bis zu 120 Kilometer zurück. Hat der Hirsch ein Rudel mit Weibchen gefunden, bleibt er im Territorium dieses Rudels. Er wird in seinem Brunftterritorium jetzt als Platzhirsch bezeichnet. Der Hirsch verteidigt seine Weibchen aggressiv gegenüber Rivalen und markiert sein Revier. Nach der Paarung ist das Weibchen fast acht Monate trächtig. Zur Geburt trennt es sich von seinem Rudel. Es bringt in der Regel ein Junges (Kalb) zur Welt. Zwillingsgeburten sind möglich, aber sehr selten. Das Kalb wiegt etwa zehn Kilogramm und hat ein rotbraunes Fell mit weißen Flecken. Rothirsche sind Nestflüchter. Bereits wenige Stunden nach der Geburt kann das Kalb stehen. Die ersten Tage bleibt es jedoch zusammengerollt am Boden zurück, wenn das Weibchen auf Nahrungssuche geht. Erst dann beginnt es, der Mutter zu folgen. Das Kalb wird mindestens ein halbes Jahr von der Mutter gesäugt. Sobald die Hirschkuh erneut trächtig wird, vertreibt sie ihren Nachwuchs. Weibchen sind mit fünf Jahren ausgewachsen, Männchen erst etwa zwei Jahre später.

Lebensweise und Verhalten

Rothirsche sind sehr soziale Tiere und leben in Rudeln zusammen. Die Größe der Rudel variiert je nach Nahrungsangebot. Ein Rudel kann mehr als 100 Tiere umfassen. Die Rudel sind außerhalb der Paarungszeit nach Geschlechtern getrennt. Hirschkühe bilden mit ihrem Nachwuchs sogenannte Kahlwildrudel, die Männchen bilden Hirschrudel. Lediglich alte Hirsche leben manchmal als Einzelgänger. Rothirsche durchwandern ihr Gebiet meist im Schutz der Dunkelheit. Fühlen sie sich sicher, sind sie auch am Tag aktiv. Rothirsche sind sehr bewegungsfreudig. Jungtiere spielen viel, erwachsene Hirsche und Kühe sind ausdauernde Läufer. Sie legen viel Wert auf Körperpflege; besonders das Suhlen in Sand oder Schlamm ist wichtig für die Tiere.

Ernährung

Der Rothirsch ist ein reiner Pflanzenfresser. Er ernährt sich hauptsächlich von Gräsern, Kräutern, Blättern und Ästen. In Mangelzeiten gibt er sich auch mit Moosen oder Flechten zufrieden. Außerhalb der Paarungszeit beschäftigen sich die Tiere fast ausschließlich mit der Nahrungsaufnahme. Sie fressen sieben bis neun Stunden am Tag. Rothirsche sind Wiederkäuer. Diese Tätigkeit nimmt noch einmal bis zu fünf Stunden am Tag ein. Rothirsche nehmen mehr als zehn Kilogramm Nahrung und etwa neun Liter Wasser am Tag auf. Im Winter ist das Nahrungsangebot für den Hirsch in Mitteleuropa nicht mehr ausreichend. Es muss vom Jäger zugefüttert werden, damit die Tiere überleben können.

Hätten Sie's gewusst?

Wenn Jäger vom Rothirsch reden, haben sie ihre ganz eigene Sprache. Statt von Ohren, Augen und Maul sprechen sie von Lauscher, Seher und Äser. Der Schwanz bekommt die Bezeichnung Wedel. Das Fell des Tieres wird mit Decke betitelt. Das Blut heißt nicht Blut, sondern Schweiß. Wenn der Jäger vom Weibchen spricht, nennt er es einfach Tier – das Männchen bleibt aber ein Hirsch.




Junge Rothirsche © Manfred Becher, User mbhsug/YouTube


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