Wildtier-Lexikon: Schnabeltier | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Schnabeltier

Das Schnabeltier ist ein sogenanntes lebendes Fossil. Als lebende Fossilien werden Tiere und Pflanzen bezeichnet, die sich über Millionen von Jahren nicht verändert haben, also der Evolution scheinbar entgangen sind. Lesen Sie im Steckbrief alles zu Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Wildtier-Lexikon: Schnabeltier © Johan Larson / iStockphoto
Das Schnabeltier ist ein sogenanntes lebendes Fossil.

Steckbrief

  • Körperlänge: Weibchen: 35 - 55 cm, Männchen: 40 - 60 cm
  • Gewicht: 15 kg
  • Lebenserwartung: 5 - 10 Jahre
  • Verbreitung: Australien
  • Lebensraum: stehende oder fließende Gewässer mit bewaldeten Ufern
  • Artbestand: gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Kloakentiere
  • Familie: Schnabeltiere
  • Gattung: Ornithorhynchus
  • Art: Schnabeltier (Ornithorhynchus anatinus)

Aussehen

Das Schnabeltier hat einen langen, stromlinienförmigen Körper. Die Männchen sind etwas größer als die Weibchen. Die kurzen Gliedmaßen sind mit Krallen versehen und durch Schwimmhäute verbunden. An den Hinterbeinen hat das Schnabeltier einen giftigen Hornstachel. Der Kopf ist klein und flach. Die Schnauze ist ein breiter Hornschnabel, der mit Hornplatten statt Zähnen versehen ist. Der Schnabel ist schwarz und hat an der Unterseite ein gelbes Muster. Die Nasenlöcher befinden sich an der Schnabelspitze. Die Augen sind klein und die Ohren nicht sichtbar. Der Schwanz ist breit und kann bis zu 15 Zentimeter lang werden. Er ist dicht behaart und dient als Fettspeicher. Das Fell des Schnabeltiers ist dicht und glatt. Es hat eine dunkelbraune Farbe. Am Bauch ist es heller als am Rücken.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Paarungszeit der Schnabeltiere liegt im August. Paarungswillige Weibchen nähern sich in dieser Zeit den Männchen an und streifen sie immer wieder im Vorbeischwimmen. Das Männchen packt das Weibchen dann am Schwanz, und die Partner schwimmen eine Zeitlang im Kreis. Der Paarungsakt selbst findet ebenfalls im Wasser statt. Gleich nach der Paarung trennt sich das Weibchen wieder vom Männchen. In der folgenden Zeit baut es seinen Bau weiter aus und polstert die Brutkammer mit Blättern und Gras. Nach 20 bis 30 Tagen legt das Weibchen ein bis drei Eier. Diese brütet es etwa zehn Tage aus. In dieser Zeit nimmt das Weibchen keine Nahrung auf und verlässt das Nest nur, um Kot abzulassen. Die Jungen sind beim Schlüpfen 2,5 Zentimeter groß, nackt und blind. Das Weibchen hat keine Zitzen, sondern Milchdrüsen. Die Jungen lecken die Milch vom Bauch ihrer Mutter. Erst nach über zwei Monaten öffnen sie die Augen, und im Alter von vier Monaten haben sie ein Fell und sind fast ausgewachsen. Erst jetzt verlassen sie mit der Mutter den Bau und beginnen, selbstständig nach Nahrung zu suchen. Mit etwa einem Jahr werden die Jungtiere selbst geschlechtsreif.

Lebensweise und Verhalten

Schnabeltiere sind in der Regel Einzelgänger. Manchmal leben sie jedoch paarweise zusammen. Sie sind hervorragend an das Leben im Wasser angepasst und halten sich dort am liebsten auf. Sie sind geschickte Schwimmer. Schnabeltiere sind vor allem dämmerungsaktiv. In den frühen Morgen- und den späten Abendstunden begeben sie sich im Wasser auf Nahrungssuche. Zum Ausruhen ziehen sie sich in ihre Baue zurück. Schnabeltiere graben sehr weitläufige Baue, die sie in verschiedene Räume, wie Brutraum und Wohnraum, gliedern. Ein Schnabeltier legt oft mehrere solcher Baue an. Obwohl sie sich lieber im Wasser aufhalten, können sich Schnabeltiere auch an Land schnell und sicher fortbewegen.

Ernährung

Das Schnabeltier ernährt sich ausschließlich von Fleisch und sucht sein Futter im Wasser. Es frisst Würmer, Insektenlarven, Krabben, Muscheln und Kaulquappen. Um an ihr Futter zu gelangen, tauchen Schnabeltiere etwa ein bis zwei Minuten unter. Sie nehmen schwimmende Nahrung auf oder wühlen mit dem Schnabel im Schlamm. Da Schnabeltiere ihre Augen im Wasser geschlossen haben, finden sie ihre Nahrung mithilfe vieler kleiner Sensoren an der Oberfläche des Schnabels. Schnabeltiere verstauen ihre Nahrung erst in den Backentaschen. Nach dem Auftauchen zermalmen sie ihre Beute mit den Hornplatten.

Hätten Sie's gewusst?

Das Schnabeltier ist ein sogenanntes lebendes Fossil. Als lebende Fossilien werden Tiere und Pflanzen bezeichnet, die sich über Millionen von Jahren nicht verändert haben, also der Evolution scheinbar entgangen sind. Dazu zählen neben dem Schnabeltier auch das Beuteltier, der Nautilus und der Ginko. Für Charles Darwin bezeugt das Schnabeltier den Übergang von den Reptilien zu den Säugetieren: Es legt Eier wie Reptilien, gibt aber Milch an die Jungen ab. Es bewegt sich an Land wie ein Reptil vorwärts, hat aber ein Fell, wie es bei den meisten Säugetieren der Fall ist.
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