Wildtier-Lexikon: Seehund | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Seehund

Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Seehund © animals-digital.de
Steckbrief
  • Körperlänge: Weibchen: 140 - 150 cm, Männchen: 160 - 180 cm
  • Gewicht: Weibchen: 90 - 110 kg, Männchen: 140 - 160 kg
  • Lebenserwartung: 30 - 35 Jahre
  • Verbreitung: Pazifik, Atlantik
  • Lebensraum: Meer
  • Artbestand: 500.000
Systematik
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere
  • Familie: Hundsrobben
  • Gattung: Phoca
  • Art: Seehund (Phoca vitulina)
Aussehen

Der Körper des Seehundes hat eine torpedoartige Form. Der Seehund hat keinen sichtbaren Hals; Körper und Kopf gehen fließend ineinander über. Der Kopf ist klein, rund und mit einer breiten Schnauze versehen. Die Augen sind groß und dunkel, die Ohren nicht sichtbar. Der Seehund kann seine Ohren und Nasenlöcher verschließen. Die Gliedmaßen sind stark verkürzt. Finger und Zehen sind behaart, mit Krallen versehen und durch Schwimmhäute verbunden. Seehunde haben eine sehr bewegliche Wirbelsäule. Der hintere Teil dieser Wirbelsäule ist zusammen mit den Hintergliedmaßen hauptsächlich für die Bewegung zuständig. Das kurze, dichte Fell des Seehundes ist dunkelgrau und mit dunklen Flecken versehen. Die Färbung kann jedoch je nach Region variieren.

Fortpflanzung und Entwicklung

Seehunde paaren sich im Hochsommer. Die Männchen balzen im Wasser um die Weibchen, und auch die Paarung selbst findet im Wasser statt. Nach der Befruchtung befindet sich das Ei drei Monate in Keimruhe, bevor das Weibchen tatsächlich trächtig ist. Nach acht Monaten Trächtigkeit bringt das Weibchen ein Junges zur Welt. Die Geburt findet an Land, jedoch abseits des Rudels, statt. Das Jungtier wiegt etwa zehn Kilogramm, ist 80 bis 90 Zentimeter lang und kann bereits kurz nach der Geburt schwimmen. Die Muttermilch ist so nahrhaft, dass das Junge bereits nach einem Monat das Doppelte wiegt. Die ersten sechs Wochen kümmert sich die Mutter intensiv um ihren Nachwuchs. Der kleine Seehund trinkt häufig bei seiner Mutter und schwimmt im Meer dicht hinter ihr. Ist er sehr erschöpft, nimmt das Muttertier ihn auf den Rücken. Im Alter von sechs Wochen beginnen die Jungtiere, feste Nahrung zu sich zu nehmen, und werden bald darauf entwöhnt. Seehunde werden erst mit sechs Jahren geschlechtsreif. Die Sterblichkeitsrate der Jungtiere ist jedoch sehr hoch: Nur etwa ein Drittel erreicht die Geschlechtsreife.

Lebensweise und Verhalten

Seehunde sind sehr gesellige Tiere. An Land leben sie in großen Rudeln zusammen. Sie sind jedoch keine Kontakttiere und vermeiden direkten Körperkontakt zu Artgenossen. Zwischen zwei Tieren ist immer ein Abstand von mehr als einem Meter. Zum Ausruhen suchen sie sich große Sandbänke. Der Großteil ihres Lebens spielt sich jedoch im Wasser ab. Seehunde können sogar unter Wasser schlafen und nur ab und zu zum Atmen an die Oberfläche kommen. Im Wasser sind Seehunde Einzelgänger. Sie sind sehr gute Schwimmer und können bis zu 200 Meter tief und 30 Minuten lang tauchen.

Ernährung

Seehunde sind bei der Nahrung nicht sehr wählerisch. Sie fressen vor allem Fische, aber auch Muscheln, Tintenfische und Krabben stehen auf ihrem Speiseplan. Nach der Flut jagen sie zudem Flundern und Schollen. Junge Seehunde fressen am liebsten kleine Fische und Krabben. Ein Seehund nimmt täglich etwa fünf bis neun Kilogramm Nahrung zu sich. Die Tiere sind sehr geschickt und können auch Fische aus den Netzen der Fischer ziehen. Im Herbst fressen sie besonders viel, um sich eine Fettreserve für den Winter anzulegen. Sie können jedoch auch tagelang ohne Nahrung auskommen.

Hätten Sie's gewusst?

Bekommt ein Weibchen zwei Junge, lässt es in der Regel eines davon zurück, da es sich nicht um beide kümmern kann. Auch Touristen, die die Mutter verscheuchen und das Jungtier berühren, können eine dauerhafte Trennung von Mutter und Kind verschulden. Ein verlassenes Jungtier ruft heulend nach der Mutter. Deshalb wird es Heuler genannt. Seit den 1970er-Jahren werden viele gesunde Heuler in Aufzuchtstationen aufgezogen und später wieder ausgewildert. Diese Vorgehensweise ist jedoch umstritten, da sie ein Eingreifen in die Natur bedeutet.
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