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Wildtier-Lexikon: Seekühe

Seekuh-Babys können von Geburt an schwimmen, reiten in der ersten Zeit aber oft auf dem Rücken der Mutter.  Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Wildtier-Lexikon: Seekühe © Valamar / Fotolia
Obwohl Seekühe den Walen ähneln, sind sie nicht mit ihnen verwandt.

Steckbrief

  • Körperlänge: 2,3 - 4,5 m
  • Gewicht: 200 - 900 kg
  • Lebenserwartung: 30 Jahre (Trichechus), 60 Jahre (Dugong)
  • Verbreitung: Afrika, Asien, Amerika, Australien
  • Lebensraum: tropische Gewässer
  • Artbestand: 4.000 - 6.000, gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Seekühe
  • Familie: Gabelschwanzseekühe / Rundschwanzseekühe
  • Gattung: Dugong / Trichechus
  • Art: Dugong / Amazonas-Manati, Karibik-Manati, Afrikanischer Manati 

Aussehen

Die Seekuh hat einen zylinderförmigen Körper, der je nach Art bis zu vier Meter lang werden kann. Die Vorderbeine sind zu Flossen geworden, die Hinterbeine haben sich gänzlich zurückgebildet. Die Form der Schwanzflosse ist das deutlichste Unterscheidungsmerkmal der beiden Familien. Gabelschwanzseekühe haben eine halbmondförmige Fluke (Schwanzflosse), Rundschwanzseekühe eine kreisförmige.

Seekühe haben einen großen Kopf mit einer abgesetzten Schnauze und harten Tasthaaren. Die Augen sind klein und die Ohren äußerlich nicht sichtbar. Die Haut der Seekühe ist dick und das Fell bis auf einzelne Haare nicht mehr vorhanden. Junge Seekühe sind fast weiß, mit zunehmendem Alter werden sie braun und später grau.

Fortpflanzung und Entwicklung

Seekühe sind das ganze Jahr über in regelmäßigen Abständen paarungsbereit. Obwohl oft mehrere Bullen um ein Weibchen buhlen, kommt es nie zu Kämpfen unter den Rivalen. Die Paarung erfolgt Bauch an Bauch. Das Weibchen lässt sich von mehreren Bullen decken. Nach elf bis 13 Monaten Trächtigkeit bringt die Seekuh ein Junges zur Welt. Gleich nach der Geburt drückt die Mutter ihr Kind zum Atmen an die Wasseroberfläche.

Seekuh-Babys können von Geburt an schwimmen, reiten in der ersten Zeit aber oft auf dem Rücken der Mutter. Die ersten vier Monate ernährt sich das Junge ausschließlich von Muttermilch. Dann nimmt es auch feste Nahrung zu sich, wird aber noch mindestens ein Jahr gesäugt. Nach etwa zwei Jahren trennt sich das Kalb von der Mutter. Weibchen werden mit fünf bis sechs Jahren geschlechtsreif, Männchen erst etwas später. Ein Weibchen kann nur etwa alle vier Jahre ein Junges gebären.

Lebensweise und Verhalten

Rundschwanzseekühe leben vorwiegend in Süßwasser, Gabelschwanzseekühe hingegen in Salzwasser. Alle Seekühe durchstreifen ihr Revier sehr bedächtig. Dieses Revier kann über 40 km² groß sein. Tiere, die in kalten Gewässern leben, ziehen im Winter in wärmere Gebiete. Seekühe leben einzelgängerisch, nur selten schließen sie sich zu lockeren Gruppen zusammen. Soziale Bindungen gehen sie dabei jedoch nicht ein.

Ist das Nahrungsangebot sehr üppig, versammeln sich manchmal viele Seekühe an der Nahrungsquelle. Seekühe sind sowohl tag- als auch nachtaktiv. In der Regel kommen sie alle fünf Minuten an die Wasseroberfläche, um Luft zu holen. Sie können aber auch bis zu 20 Minuten lang tauchen. Die Seekuh hat kaum natürliche Feinde. Lediglich Haie oder Schwertwale können ihr gefährlich werden.

Sinnesleistung

Obwohl die Ohren nicht sichtbar sind, haben Seekühe ein sehr gut ausgeprägtes Gehör. Sie nehmen damit sogar Ultraschallwellen wahr. Der Sehsinn hingegen ist wenig ausgebildet. Seekühe haben einen guten Geschmacksinn; ihre Zunge ist mit vielen Geschmacksknospen ausgestattet. Wichtig ist auch der Tastsinn: Mit ihren Lippen und ihren Tasthaaren erkundet die Seekuh ihre nähere Umgebung.

Ernährung

Die Nahrung der Seekühe unterscheidet sich je nach Art und Lebensraum. Alle Seekühe sind jedoch Vegetarier. Amazonas-Manatis fressen unter anderem Froschgebissgewächse, Meersalat und Hornkraut. Afrikanische Manatis ernähren sich von Vogelknöterich und Rhizophoragewächsen. Karibik-Manatis nehmen Seegräser und Blaualgen zu sich.

Dugongs ernähren sich von Laichkrautgewächsen oder maritimen Blütenpflanzen. Um an ihre Nahrung zu gelangen, tauchen Seekühe in der Regel drei bis sechs Meter. Sie können aber auch in eine Tiefe von bis zu 23 Metern gelangen. Meist haben die Seekühe ihre Nahrungsquellen für sich. Die einzigen Konkurrenten sind hin und wieder Seeschildkröten.

Hätten Sie's gewusst:

Obwohl Seekühe den Walen ähneln, sind sie nicht mit ihnen verwandt. Sie stammen von denselben Vorfahren ab wie die Rüsseltiere. Ihre nächsten Verwandten leben also nicht einmal im Wasser, sondern sind Landsäugertiere: die Elefanten.
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