Wildtier-Lexikon: Trampeltier | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Trampeltier

Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Trampeltier © animals-digital.de
Steckbrief
  • Körperlänge: Weibchen: 230 - 300 cm, Männchen: 300 - 350 cm
  • Gewicht: Weibchen: 450 - 500 kg, Männchen: 500 - 650 kg
  • Lebenserwartung: 35 Jahre
  • Verbreitung: Zentralasien
  • Lebensraum: Steppe, Halbwüste
  • Artbestand: vom Aussterben bedroht
Systematik
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Paarhufer
  • Familie: Kamele
  • Gattung: Altweltkamele
  • Art: Trampeltier (Camelus bactrianus)
Aussehen

Das Trampeltier wird auch Zweihöckriges oder Baktrisches Kamel genannt. Trampeltiere gehören zu den größten Paarhufern der Welt. Auf dem Rücken besitzen sie zwei Höcker, die etwa 50 Prozent der Körperhöhe ausmachen. Das Trampeltier hat einen langen, nach unten durchgebogenen Hals und einen langen Kopf. Die Oberlippe ist gespalten, und die Augen sind mit großen Lidern und langen Wimpern versehen. Die schlitzförmigen Nasenlöcher sind verschließbar.

So kann sich das Trampeltier bei einem Sandsturm gut schützen. Der dünne Schwanz wird bis zu 70 Zentimeter lang. Die Beine sind lang und kräftig. Die breiten Füße spalten sich in zwei Zehen und sind mit schwieligen Polstern versehen. Das Fell des Trampeltiers ist sandfarben bis dunkelbraun. Am Nacken und an der Kehle wachsen die längsten Haare. Im Winter bekommen die Tiere ein dichtes Winterfell, das sie bei steigenden Temperaturen sehr schnell abstoßen können.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Paarungszeit der Trampeltiere liegt zwischen Februar und März. Die Männchen (Hengste) werden zu dieser Zeit sehr aggressiv und kämpfen erbittert um die paarungswilligen Stuten. Hengste produzieren während dieser Zeit schaumigen Speichel, der rund um das Maul verteilt wird. Die Paarung selbst findet im Liegen statt. Zwölf bis 14 Monate später bringt die Stute in der Regel ein Junges (Fohlen) zur Welt. Zwillingsgeburten sind möglich, aber selten. Der Nachwuchs wird im Stehen geboren.

Trampeltiere sind Nestflüchter: Schon wenige Stunden nach der Geburt kann das Fohlen der Mutter folgen. Bei der Geburt wiegt das Fohlen 50 bis 70 Kilogramm. Die Mutter säugt ihren Nachwuchs etwa eineinhalb Jahre. Nebenbei nimmt das Fohlen aber auch schon feste Nahrung zu sich. Nach der Entwöhnung vertreibt die Stute ihren Nachwuchs. Im Jahr darauf kann sie wieder trächtig werden. Trampeltiere werden im Alter von drei bis vier Jahren geschlechtsreif. Erst mit fünf Jahren sind sie vollständig ausgewachsen.

Lebensweise und Verhalten

Trampeltiere sind gesellige Tiere, die meist in Haremsgruppen zusammenleben. Die Gruppen setzen sich aus einem Hengst und mehreren Stuten mit ihrem Nachwuchs zusammen. In der Regel bestehen diese Gruppen aus höchstens zehn Tieren. Manche Trampeltiere leben auch als Einzelgänger. Trampeltiere sind tagaktiv. Sie sind optimal an das Leben in trockenen Steppen und Wüsten angepasst: Sie können Temperaturschwankungen von –30° C bis +40° C aushalten und ihren Wasserhaushalt sehr gut regulieren. Trampeltiere laufen im Passgang, das heißt, sie bewegen immer zuerst gleichzeitig das rechte Beinpaar und dann das linke Beinpaar vorwärts.

Ernährung

Bei der Nahrungssuche ist das Trampeltier wenig anspruchsvoll. Es ernährt sich ausschließlich vegetarisch, nimmt aber fast alle Pflanzen zu sich, die es kriegen kann. Neben Blättern, Kräutern, Zweigen und Gräsern fressen sie auch dornige oder salzige Pflanzen. Die Nahrung gelangt zuerst wenig zerkaut in den Vormagen. Erst nach erneutem Kauen wird sie vollständig verdaut. Obwohl dieser Vorgang dem Wiederkäuen ähnelt, werden die Trampeltiere nicht zu den Wiederkäuern gezählt. Das Trampeltier kann mehrere Tage oder sogar Wochen ohne Wasser auskommen. Findet es dann Wasser, nimmt es bis zu 100 Liter auf einmal zu sich.

Hätten Sie's gewusst?

Die Höcker des Trampeltiers dienen nicht als Wasser-, sondern als Fettspeicher. Dank ihnen kann sich das Trampeltier große Reserven anfressen, von denen es in Dürrezeiten lebt. Nach einer ausgedehnten Nahrungsaufnahme stehen die Höcker prall gefüllt nach oben. Musste das Trampeltier lange auf Nahrung verzichten, hängen die Höcker schlaff herunter. Die Höcker sind sehr wichtig für das Trampeltier, denn würden sich die Fettreserven über den ganzen Körper verteilen, hätten sie große Probleme mit der Hitze in ihrem Lebensraum.
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