Wildtier-Lexikon: Waldkauz | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Waldkauz

Ein Männchen, das um ein auserwähltes Weibchen balzt, bringt diesem oft eine Maus als Geschenk. Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung des Waldkauz. Hätten Sie's gewusst?
 
Wildtier-Lexikon: Waldkauz © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Der Waldkauz muss täglich etwa 100 Gramm Nahrung zu sich nehmen.

Steckbrief

  • Körperlänge: Weibchen: 40 - 42 cm, Männchen: 39 - 40 cm
  • Gewicht: Weibchen: 560 g, Männchen: 440 g
  • Lebenserwartung: 3 - 5 Jahre, max. 18
  • Verbreitung: Mitteleuropa, Nordafrika, Asien
  • Lebensraum: Wälder
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Eulen
  • Familie: Eigentliche Eulen
  • Gattung: Käuze
  • Art: Waldkauz (Strix aluco)

Aussehen

Der Waldkauz ist eine große, kräftige Eule. Männchen und Weibchen sehen gleich aus, obwohl das Weibchen etwas größer und schwerer ist. Der Waldkauz hat einen runden, mächtigen Kopf mit dunklen Augen und einem kurzen Schnabel. Die Ohren sind nicht sichtbar. Er kann seinen Kopf bis zu 270 Grad drehen.

Das Gesicht ist von der charakteristischen Schleierzeichnung umgeben. Sie sieht wie eine große Brille um die Augen aus. Seine kurzen Flügel sind breit und abgerundet. Das Gefieder des Kauzes ist entweder rotbraun, dunkelbraun oder grau gemustert. Die Musterung ähnelt der von Rinden und dient zur Tarnung. An der Brust ist das Muster längsgestreift, an den Flügeln quer.

Fortpflanzung und Entwicklung

Hat der Waldkauz einmal einen Partner gefunden bleibt er ihm ein Leben lang treu. Waldkäuze sind Höhlenbrüter. Sie verwenden hohle Baumstämme aber auch Dachböden oder Kirchtürme als Nistplätze. Im Februar paaren sich Männchen und Weibchen. Etwa einen Monat später legt das Weibchen drei bis sechs Eier. Diese werden bis zu 30 Tage ausgebrütet bevor die Küken schlüpfen. Vier bis fünf Wochen bleiben die kleinen Vögel im Nest. In dieser Zeit wärmt die Mutter ihren Nachwuchs und hält den Nistplatz sauber, während der Vater auf die Jagd geht. Nicht alle jungen Waldkäuze überleben die ersten Wochen. Tote Küken werden an die Geschwister verfüttert. Im Alter von fünf Wochen unternehmen die jungen Vögel ihre ersten Flugversuche. Sie werden noch weitere zwei Monate von ihren Eltern betreut. Im Sommer verlassen sie ihren Nistplatz und werden selbstständig. Mit einem Jahr sind die jungen Waldkäuze dann selbst geschlechtsreif.

Lebensweise und Verhalten

Waldkäuze leben als Einzelgänger. Haben sie einmal einen Partner gefunden schließen sie eine monogame Dauerehe. Waldkäuze sind reviertreu. Sie richten sich in ihrem Revier ein oder mehrere Nistplätze ein und verteidigen es gegen Artgenossen. Das Revier ist streng in ein Brut- und ein Jagdgebiet unterteilt.  Besonders im Brutgebiet sind die Waldkäuze sehr aggressiv gegenüber anderen Greifvögeln. Der Waldkauz ist nachtaktiv. Tagsüber verbirgt er sich im Wald und kommt nur bei extremer Kälte oder bei Störung ans Sonnenlicht. Im Sommer hält er sich vor allem in Baumkronen auf, im Winter bevorzugt er Höhlen und Nischen. Nachts geht der Waldkauz auf Jagd. 

Sinnesleistungen

Der Walkauz hat einen sehr gut ausgeprägten Sehsinn. Er kann auch bei schwachem Licht noch scharf sehen, was ihm die Jagd in der Nacht ermöglicht. Allerdings kann der Waldkauz Farben schlecht unterscheiden und sieht deshalb bei Sonnenlicht nicht viel besser als der Mensch. Besser noch als der Sehsinn ist das Gehör des Waldkauzes ausgeprägt. Selbst im Flug kann er das Rascheln einer Maus im Laub orten und so seine Beute ergreifen. 

Kommunikation

Der Walkauz verfügt über ein reichhaltiges Lautrepertoire. Der wohl bekannteste Laut ist das charakteristische "Huuhuu!", mit dem dieser Vogel in der Dämmerung sein Revier markiert. Während der Balzzeit geben geschlechtsreife Weibchen ihre Paarungsbereitschaft mit gellenden Schreien bekannt. Ein Waldkauz-Paar kommuniziert mit weichen, leisen Tönen. Waldkäuze sind vor allem im Herbst und im Frühjahr gesprächig.

Ernährung

Der Waldkauz muss täglich etwa 100 Gramm Nahrung zu sich nehmen. Dazu fliegt er nachts an Waldrändern und Wegen entlang. Er ernährt sich hauptsächlich von Mäusen und kleinen Vögeln. Aber auch Eichhörnchen und Ratten, selten auch Insekten, stehen auf seinem Speiseplan. Diese fängt er mit seinen Klauen und knetet sie, damit sie leichter verdaulich werden. Der Waldkauz verschlingt seine Beute ganz. Unverdauliches wie Knochen, Haare und Federn werden im Magen zu einem Ballen gepresst, dem so genannten Gewölle, und wieder ausgewürgt.

Hätten Sie's gewusst?

Ein Männchen, das um ein auserwähltes Weibchen balzt, bringt diesem oft eine Maus als Geschenk. Dieser "romantische" Liebesbeweis zeigt dem Weibchen, dass der potenzielle Partner in der Lage ist, sie und ihren Nachwuchs zu versorgen.
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