Wildtier-Lexikon: Warzenschwein | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Warzenschwein

Der Körper des Warzenschweins ähnelt dem eines Wildschweins. Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Wildtier-Lexikon: Warzenschwein © EcoView / Fotolia
Warzenschweine ergreifen bei drohender Gefahr erst einmal die Flucht.

Steckbrief

  • Körperlänge: Weibchen: 120 - 140 cm, Männchen: 130 - 150 cm
  • Gewicht: Weibchen: 135 - 145 kg, Männchen: 140 - 150 kg
  • Lebenserwartung: 7 - 11 Jahre
  • Verbreitung: südliches Afrika
  • Lebensraum: Savanne, Grasland
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Paarhufer
  • Familie: Echte Schweine
  • Gattung: Warzenschweine
  • Art: Warzenschwein (Phacochoerus africanus)

Aussehen

Der Körper des Warzenschweins ähnelt dem eines Wildschweins. Auffällig ist der große Kopf: Er macht ein Fünftel der gesamten Körperlänge aus. Das Warzenschwein hat eine lange Schnauze und einen kurzen, kräftigen Rüssel. Die unteren Eckzähne werden 40 bis 60 Zentimeter lang und durch Abschleifen zu einer spitzen Waffe. Die Augen sind klein, die Ohren schmal und kurz. Zwischen den Augen und der Schnauze befinden sich drei Hautwarzenpaare.

Diese verleihen dem Schwein seinen Namen. Das Warzenschwein steht auf langen, dünnen Beinen. Es gehört zu den Paarhufern und besitzt an jedem Fuß vier Zehen. Der Schwanz kann bis zu 50 Zentimeter lang werden und besitzt eine kleine Quaste. Das Fell des Warzenschweins ist grau und dünn. Nur im Nacken und auf dem Rücken wächst eine lange, dichte Mähne.

Fortpflanzung und Entwicklung

Warzenschweine paaren sich im frühen Sommer. Das Weibchen ist dann etwa alle sechs Wochen paarungsbereit. Seine Bereitschaft signalisiert es durch vermehrte Harnabgabe. Hat ein Männchen erfolgreich um ein Weibchen geworben, bleiben die Partner meist für immer ein Paar. Das schwangere Weibchen (Bache) zieht sich zur Geburt von ihren Artgenossen zurück und sucht ein geschütztes Erdloch auf. Nach etwa sechs Monaten bringt die Bache im Durchschnitt zwei bis drei Junge zur Welt. Da das Weibchen nur vier Zitzen besitzt, kann sie höchstens vier Frischlinge säugen. Sind es mehr, sterben die Schwächsten.

Die Jungen sind bei der Geburt vollständig entwickelt und werden stehend gesäugt. Im Alter von einer Woche begleiten sie die Mutter bereits auf der Nahrungssuche. Sie werden aber noch drei weitere Monate gesäugt. Dann schließt sich die Mutter mit ihrem Nachwuchs wieder ihren Artgenossen an. Warzenschweine können zwei Mal im Jahr gebären. Weibchen werden mit einem Jahr geschlechtsreif, paaren sich aber oft erst später. Die Männchen (Keiler) werden erst im Alter von zwei Jahren geschlechtsreif.

Lebensweise und Verhalten

Warzenschweine sind tagaktiv und sehr gesellig. Sie leben in der Regel mit ihrer Familie in einer sogenannten Rotte zusammen. Mehrere Rotten können sich auch zu einer großen Gruppe zusammenschließen. Warzenschweine sind sehr sozial. Sie betreiben intensive Hautpflege und beschützen sich gegenseitig. Ihr Wohngebiet umfasst nur wenige Hektar.

Tagsüber gehen sie dort auf Nahrungssuche, nachts und in den heißen Mittagsstunden suchen sie Unterschlupf in Erdhöhlen. Meist bewohnen sie verlassene Höhlen von Erdferkeln und bauen sich keine eigenen. Obwohl Warzenschweine kein festes Revier haben, verteidigen sie ihre Wohnhöhlen gegen Artgenossen. Warzenschweine lieben Schlammbäder; der braune Schlamm dient zur Hauptpflege und zur Tarnung.

Ernährung

Warzenschweine sind Allesfresser. Sie ernähren sich jedoch hauptsächlich von Pflanzen; Gräser und Kräuter stehen ganz oben auf ihrem Speiseplan. Da sie kurze Gräser bevorzugen, teilen sie ihr Gebiet oft mit Tierarten, die die langen Gräser abweiden. Dadurch wird die Bildung des kurzen Grases begünstigt.

Steht wenig Gras zur Verfügung, graben die Warzenschweine nach Pflanzenwurzeln. Nur selten werden auch Früchte oder tote Tiere verspeist. Da die Beine des Warzenschweins sehr lange sind, muss es zum Fressen in die Knie gehen. Während es frisst, rutscht es auf den Handwurzelknochen vorwärts.

Hätten Sie's gewusst?

Warzenschweine ergreifen bei drohender Gefahr erst einmal die Flucht. Ist allerdings kein schützendes Erdloch in der Nähe, sind sie sehr wehrhaft und können sogar Raubkatzen vertreiben. Egal ob bei der Flucht oder beim Angriff – das Warzenschein stellt bei Gefahr seinen langen Schwanz mit der Quaste auf. Wie eine Antenne ragt er dann senkrecht in die Luft. Dieses Verhalten hat ihm den Spitznamen "Radio Afrika" eingebracht.
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