Wildtier-Lexikon: Weißhandgibbon / Lar | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Weißhandgibbon / Lar

Weißhandgibbons sind lebhafte und tagaktive Baumbewohner. Sie können sich auch am Boden fortbewegen, bevorzugen jedoch das Leben in den Bäumen. Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Wildtier-Lexikon: Weißhandgibbon / Lar © Martina Berg / Fotolia
Neben dem Weißhandgibbon gehören noch 14 weitere Arten zur Familie der Gibbons.

Steckbrief

  • Körperlänge: 42 - 58 cm
  • Gewicht: 5 - 6 kg
  • Lebenserwartung: 25 Jahre
  • Verbreitung: Asien
  • Lebensraum: tropische Regenwälder
  • Artbestand: stark gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Primaten
  • Familie: Gibbons
  • Gattung: Kleine Gibbons
  • Art: Weißhandgibbon (Hylobates lar)

Aussehen

Der athletische, schlanke Körper des Weißhandgibbons ist rund 50 Zentimeter lang. Die Tiere werden zwischen fünf und sechs Kilogramm schwer; Männchen und Weibchen unterscheiden sich nicht in Größe und Gewicht. Das kurze, feine Fell kann verschiedene Brauntöne haben, die Farbpalette reicht von Sandbraun bis Rotbraun. Manche Affen sind fast schwarz. Der Kopf des Weißhandgibbons ist klein und rund. Das Gesicht ist haarlos und schwarz, mit kleinen, dunklen Augen und einer deutlich hervorstehenden Schnauze, und wird von einem Kranz aus weißem Fell umgeben. Die muskulösen Gliedmaßen sind lang und kräftig, wobei die Arme deutlich länger sind als die Beine. Das Fell an den Händen und Füßen ist weiß. Weißhandgibbons haben keinen Schwanz.

Fortpflanzung und Entwicklung

Weißhandgibbons haben keine feste Paarungszeit und können sich das ganze Jahr über fortpflanzen. Ein Weibchen bekommt jedoch nur etwa alle drei Jahre Nachwuchs. Haben ein Männchen und ein Weibchen zusammengefunden, bleiben sie einander ein Leben lang treu. Die Paarung findet in den Bäumen statt. Das Weibchen ist rund sieben Monate trächtig und bringt ein einzelnes Jungtier zur Welt. Die Mutter säugt ihren Nachwuchs fast zwei Jahre lang. Auch danach leben die jungen Weißhandgibbons noch bis zur Geschlechtsreife bei den Eltern. Obwohl die Mutter den Hauptteil der Aufzucht übernimmt, ist auch der Vater daran beteiligt. Sobald die Jungtiere entwöhnt sind, kümmert sich der Vater immer mehr um sie und beaufsichtigt die jungen Affen. Die Jungtiere werden mit etwa acht Jahren geschlechtsreif und begeben sich dann auf Partnersuche.

Lebensweise und Verhalten

Weißhandgibbons sind lebhafte und tagaktive Baumbewohner. Sie können sich auch am Boden fortbewegen, bevorzugen jedoch das Leben in den Bäumen. Mit ihren extrem langen Armen können sie sich elegant von Ast zu Ast schwingen. Weißhandgibbons leben in kleinen Familienbänden zusammen, die aus einem Männchen, einem Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Weißhandgibbons leben monogam, Männchen und Weibchen bleiben einander ein Leben lang treu. Eine Familie wohnt in einem festen Revier und hat einen geregelten Tagesablauf, der jeden Morgen mit einem Duettgesang beginnt. Damit markieren Männchen und Weibchen ihr Revier.

Kommunikation

Weißhandgibbons sind sehr soziale Tiere, die in ihrer Familie rege miteinander kommunizieren. Dazu nutzen sie viele verschiedene Kommunikationswege. So dienen die Duettgesänge dazu, fremden Artgenossen die Reviergrenzen mitzuteilen. Innerhalb der Familie verständigen sich die Tiere vor allem lautlos mit Gesichtsmimik und Körperkontakt. Fellpflege ist ein wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens.

Ernährung

In puncto Nahrung sind Weißhandgibbons sehr wählerisch. Sie fressen nur, was ihnen auch wirklich schmeckt. Dazu gehören pflanzliche Nahrung wie reife, süße Früchte, frische Blätter und Knospen, aber auch tierische Nahrung wie Insekten und Vogeleier. Weißhandgibbons sind sehr geschickt und können auch Vögel direkt aus der Luft fangen. Zur Wasseraufnahme hängen sie sich von einem Ast über dem Wasser herab und tauchen ihre Hand ins Nass. Anschließend saugen sie die Flüssigkeit aus dem Fell.

Hätten Sie's gewusst?

Neben dem Weißhandgibbon gehören noch 14 weitere Arten zur Familie der Gibbons. Sie sind in vier Gattungen unterteilt: die Kleinen Gibbons, zu denen auch der Weißhandgibbon gehört, die Symphalangus, die Schopfgibbons und die Hoolock. Die vier Gattungen sind sehr unterschiedlich, doch einige Merkmale sind bei allen Arten gleich. Alle Gibbons sind schwanzlos und haben extrem lange Arme. Auch die Lebensweise ist bei den verschiedenen Gibbons sehr ähnlich.
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