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Wildtier-Lexikon: Weißstorch

Der Weißstorch ist einer der größten Landvögel. Im Stehen ist er etwa 80 Zentimeter groß. Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Wildtier-Lexikon: Weißstorch © animals-digital.de
Die Sage, dass die Kinder vom Klapperstorch gebracht werden, ist wohlbekannt.

Steckbrief

  • Körperlänge: ca. 80 cm hoch, Flügelspannweite bis zu 2 Meter
  • Gewicht: 2,6 - 4,4 kg
  • Lebenserwartung: im Durchschnitt 8-10 Jahre, ältester 35 Jahre
  • Verbreitung: Europa, Nordafrika, Kleinasien
  • Lebensraum: Feuchtwiesen
  • Artbestand: weltweit ca. 166.000 Brutpaare, davon rund 4.300 in Deutschland

Systematik

  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Schreitvögel
  • Familie: Störche
  • Gattung: Eigentliche Störche
  • Art: Weißstorch (Ciconia ciconia)

Aussehen

Der Weißstorch ist einer der größten Landvögel. Im Stehen ist er etwa 80 Zentimeter groß. Er hat einen langen, geraden Hals, auf dem ein kleiner Kopf sitzt. Die Augen sind groß, dunkel und schwarz umrandet. Der Schnabel ist rot gefärbt und wird bis zu 19 Zentimeter lang. Auch die Beine sind lang und haben die gleiche Farbe, wie der Schnabel. Sie enden in vier Zehen.

Die drei Vorderzehen sind durch Spannhäute verbunden, die ein Einsinken in feuchten Wiesen verhindern. Das Federkleid dieses Storches ist rein weiß. Lediglich die Schwungfedern an den Flügeln sind schwarz gefärbt. Manche Störche haben längere Federn am Hals. Männchen und Weibchen lassen sich äußerlich nicht unterscheiden, Männchen sind jedoch oft etwas größer und schwerer.

Fortpflanzung und Entwicklung

Weißstörche paaren sich im Frühling. Das Männchen wirbt mit einem Schreittanz und lautem Schnabelklappern um das Weibchen. Die Paarung selbst wird für das Männchen ein regelrechter Balance-Akt, da er sich auf das Weibchen begeben muss. Störche bauen ihre Nester gerne so hoch wie möglich. Neben Baumstämmen und Felsvorsprüngen nutzen die Vögel auch Gebäude für das Errichten ihrer Horste. Die Nester selbst bestehen hauptsächlich aus Reisig. Ein Storchenpaar baut sein Nest gemeinsam und kehrt oft jahrzehntelang zu seinem Horst zurück. Sie führen eine sogenannte Saison-Ehe.

Obwohl sie sich jedes Jahr gemeinsam um den Nachwuchs kümmern, fliegen sie getrennt in ihr Winterquartier. Etwa einen Monat nach der Paarung legt das Weibchen drei bis fünf weiße Eier. Männchen und Weibchen brüten abwechselnd. Im August schlüpfen die Küken. Sie werden in den ersten Wochen von ihren Eltern beschützt und mit dem Schnabel gefüttert. Im Alter von etwa drei Monaten können die jungen Störche gut fliegen und sind selbstständig. Sie brechen unabhängig von ihren Eltern ins Winterquartier auf, aus dem sie erst zurückkehren, wenn sie mit drei bis fünf Jahren geschlechtsreif sind.

Lebensweise und Verhalten

Weißstörche sind tagaktiv. Wenn es hell ist, durchfliegen sie ihr Gebiet im Segelflug, das heißt, sie lassen sich vom Wind tragen, ohne viel mit den Flügeln zu schlagen. Die meiste Zeit verbringt der Weißstorch jedoch mit der Nahrungssuche, die im Gehen stattfindet. Wenn er ruht, stellt er sich auf ein Bein und winkelt das andere an den Körper.

Nachts zieht er sich in seinen Horst zurück. Weißstörche sind gesellig. Im Sommer leben sie mit ihrem Partner zusammen. Manchmal schließen sich auch mehrere Paare zu einer Kolonie zusammen. Im Herbst versammeln sich Weißstörche, um gemeinsam in ihr Winterquartier zu ziehen. Manche fliegen dann bis nach Südafrika. Im Frühling kommen sie zu ihrem Horst und ihrem Partner zurück.

Ernährung

Der Weißstorch wird als Nahrungsopportunist bezeichnet, da er kaum Ansprüche an sein Futter stellt. Er frisst, was gerade vorhanden ist. Dazu gehören viele kleine Tiere wie Regenwürmer, Mäuse oder Frösche sowie Insekten. Auch Fische stehen auf seinem Speiseplan. Findet er keine frische Nahrung, gibt er sich auch mit Aas zufrieden. Seine Jagdmethode ist charakteristisch für den Storch: Er stolziert über Wiesen und stößt beim Anblick von Beute blitzschnell zu. Er ist ein äußerst geduldiger Jäger, der auch stundenlang vor einem Mauseloch ausharren kann.

Hätten Sie's gewusst?

Die Sage, dass die Kinder vom Klapperstorch gebracht werden, ist wohlbekannt. Der Weißstorch hat jedoch noch viele andere mystische Bedeutungen. In Fabeln ist er unter dem Namen Adebar als Glücksbringer unterwegs, in Thüringen übernimmt er die Aufgabe des Osterhasen, und sogar in der Bibel wird er als Teil der Schöpfung erwähnt.

Hier ein Video von Manfred Becher:



Weißstorch auf Beutesuche © Manfred Becher, User mbhsug/YouTube


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