Wildtier-Lexikon: Wiesel | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Wiesel

Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Wiesel © reinobjektiv / Fotolia
Das Wiesel hat viele natürliche Feinde.

Steckbrief

  • Körperlänge: Weibchen: 17 - 25 cm, Männchen: 20 - 30 cm
  • Gewicht: Weibchen: 200 - 250 g, Männchen: 300 - 350 g
  • Lebenserwartung: 2 - 7 Jahre
  • Verbreitung: Europa, Asien, Nordamerika
  • Lebensraum: Wiesen- und Buchlandschaften
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere
  • Familie: Marder
  • Gattung: Mustela
  • Art: Hermelin (Mustela erminea)

Aussehen


Das Hermelin hat wie alle Marder einen langen, schlanken Körper. Die Beine sind kurz und kräftig. Der Schwanz wird acht bis zwölf Zentimeter lang und dient als Stütze, wenn es sich auf die Hinterbeine aufrichtet. Das Hermelin hat einen kleinen Kopf mit spitzer Schnauze. Die Augen sind groß und dunkel, die Ohren klein und leicht abgerundet. Die Farbe des Felles ändert sich je nach Jahreszeit: Im Sommer ist das Fell dunkelbraun mit hellen Bereichen an der Körperunterseite, im Winter färbt es sich durchgehend weiß. Lediglich die Schwanzspitze bleibt schwarz. In sehr kalten Gegenden bleibt das Hermelin ganzjährig weiß, in sehr warmen immer braun.

Fortpflanzung und Entwicklung

Hermeline paaren sich im frühen Sommer. Jetzt werben die Männchen mit zwitschernden Lauten um die Weichen. Werbung und Paarung dauern nur wenige Stunden. Danach geht das Männchen sofort wieder eigene Wege. Nach der Keimruhe und der Trächtigkeit bringt das Weibchen im Frühling fünf bis sieben Junge zur Welt. Selten kann ein Weibchen auch bis zu 18 Junge gebären. Für die Geburt sucht sich das Weibchen eine geschützte Höhle.

Die Neugeborenen wiegen nur vier Gramm und haben ein weißes Fell. Sie sind die ersten fünf Lebenswochen blind. Die Mutter säugt ihren Nachwuchs zwei Monate lang, füttert ihn jedoch schon nach drei Wochen auch mit vorgekautem Fleisch. Sind die kleinen Hermeline entwöhnt, gehen sie mit der Mutter auf die Jagd und lernen von ihr. Zu Beginn des Winters lösen sie sich vollständig von der Mutter und gehen ihre eigenen Wege. Die Weibchen sind zu diesem Zeitpunkt schon geschlechtsreif, Männchen können sich erst im Alter von einem Jahr paaren.

Lebensweise und Verhalten

Hermeline sind Einzelgänger. Lediglich zur Paarungszeit interagieren sie mit Artgenossen. Sie sind hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ziehen sie sich in geschützte Verstecke zurück. Dazu werden Felsspalten, hohle Baumstämme oder verlassene Erdbauten anderer Tiere genutzt. Ihre Verstecke kleiden die Tiere mit Laub, Moos und Federn aus. Die Nächte verbringen Hermeline fast ausschließlich mit der Jagd.

Hermeline leben in einem festen Revier, das bis zu 40 Hektar umfassen kann. Sie markieren ihr Gebiet mit einem Analdrüsensekret. Gleichgeschlechtliche Artgenossen werden entschlossen verjagt, Artgenossen des anderen Geschlechts können geduldet werden. Weibchen verlassen ihr Revier niemals, Männchen gehen zur Paarungszeit auf Wanderschaft.

Sinnesleistungen

Das Hermelin hat einen sehr guten Sehsinn. Es kann farbig sehen und sich somit auch im Tageslicht optimal orientieren. Auch der Geruchsinn ist sehr gut ausgeprägt. Bei der Jagd folgen Hermeline der Duftspur ihrer Beute. Der Gehörsinn ist ebenfalls hervorragend. Wie der Geruch ist auch er wichtig für die Jagd bei Nacht.

Ernährung

Hermeline ernähren sich ausschließlich von fleischlicher Nahrung. Sie jagen Mäuse, Maulwürfe und Kaninchen ebenso wie Insekten und Reptilien. Aber auch Vögel und Fische stehen auf ihrem Speiseplan, wenn sie sie erbeuten können. Das Hermelin tötet seine Beute durch einen schnellen, gezielten Biss in den Nacken.

Sind mehrere Beutetiere in der Nähe, tötet es erst alle, bevor es damit beginnt, die ersten in ein Versteck zu verschleppen. Erst dort verzehrt es seine Nahrung. Aufgrund ihres schmächtigen Körpers und ihres hohen Energieverbrauchs haben Hermeline einen hohen Nahrungsbedarf. Sie sind daher fast immer auf der Jagd.

Hätten Sie's gewusst?

Obwohl Hermeline theoretisch bis zu sieben Jahre alt werden können, werden nur wenige Tiere älter als ein bis zwei Jahre. Grund dafür sind ihre vielen natürlichen Feinde. Füchse, Dachse und Greifvögel sind für Hermeline eine tödliche Gefahr. Auch der Mensch zieht seinen Nutzen aus den kleinen Wieseln. Früher wurden sie als Mäusejäger auf Bauernhöfen gehalten. Heute dienen sie wegen ihres weißen Winterfelles leider immer noch als Pelzlieferanten. 
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