Wildtier-Lexikon: Wildschwein | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Wildschwein

Wenn ein Wildschwein sich bedroht fühlt, kann das ziemlich gefährlich werden.  Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Wildtier-Lexikon: Wildschwein © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Wildschweine sind Allesfresser.

Steckbrief

  • Körperlänge: Weibchen: 1,3 - 1,4 m, Männchen: 1,4 - 1,8 m
  • Gewicht: Weibchen: 45 - 120 kg, Männchen: 55 - 350 kg
  • Lebenserwartung: 10 - 20 Jahre
  • Verbreitung: Europa, Asien, Sumatra, Java, Nordafrika
  • Lebensraum: Wald, Trockensteppe, Regenwald
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Paarhufer
  • Familie: Echte Schweine
  • Gattung: Wildschweine
  • Art: Wildschwein (Sus scrofa)

Aussehen

Wildschweine sind die Vorfahren des Hausschweins, auch wenn sie ihren Verwandten in den Bauernhöfen gar nicht so ähnlich sehen. Sie haben ein borstiges Fell, dessen Tönung zwischen Graubraun und Schwarz liegt. Im Gegensatz zu den rosa Vierbeinern aus dem Stall haben die Wildschweine kein Ringelschwänzchen; der 15 bis 40 Zentimeter lange Schwanz ist stattdessen mit Fell bedeckt und hängt herunter.

Die Zähne der Tiere sind sehr imposant: Ihre unteren Eckzähne, die man "Hauer" nennt, sind säbelförmig nach oben gebogen und haben scharfe Spitzen. Bei den Männchen (Keiler) können sie bis zu 30 Zentimeter lang werden, die Weibchen haben kleinere.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Paarungszeit der Wildschweine dauert von November bis Januar. In dieser Zeit kommt es auch zu den Hierarchiekämpfen der Keiler. Vor der Geburt setzt sich die Mutter – man nennt sie "Bache" – von der Gruppe ab und sucht sich einen sicheren, trockenen Ort, wo sie sich ein Nest baut. 110 bis 120 Tage nach der Paarung kommen schließlich vier bis acht Junge zur Welt, deren hell- bis dunkelbraunes Fell anfangs am Körper noch hellgelb gestreift ist. Sie werden Frischlinge genannt.

Die Streifen auf dem Fell lösen sich ab einem Alter von rund sechs Monaten auf. Nur zirka zehn Prozent der Jungen erleben das vierte Lebensjahr, da sie anfangs noch sehr kälteempfindlich sind. Später sind sie vor allem durch Raubtiere wie Bären, Füchse und Raubkatzen bedroht. Mit fünf bis sieben Jahren sind die Tiere dann ausgewachsen; die Geschlechtsreife tritt aber schon viel früher mit etwa neun Monaten bei den Weibchen und zwei Jahren bei den Männchen ein.

Lebensweise und Verhalten

Ganz anders als die Wildschweinmännchen leben die Weibchen und Jungtiere in Gruppen. Diese "Rotten" bestehen meist aus Bachen, Nachkommen aus dem Vorjahr und Frischlingen. Junge Keiler tun sich manchmal auch zu Junggesellengruppen zusammen.

Wer im Wald weißgraue Baumrinden entdeckt, hat schon den ersten Hinweis auf ein Wildschwein gefunden: Nachdem sich die Tiere im Schlamm gesuhlt haben, scheuern sie sich an großen Bäumen mit grober Rinde. Oft ist die Borke an diesen "Malbäumen" auch schon teilweise abgetragen. Diese Pflegerituale dienen dazu, das Fell von Parasiten zu befreien.

Sinnesleistungen

Das Gehör und der Geruchssinn der massigen Tiere sind sehr gut. Mit ihrer empfindlichen Nase können sie sogar essbares unter der Erde erschnüffeln, das sie dann ausgraben. Auch um den Geschmackssinn des Schwarzwilds, wie man die Tiere in der Jägersprache auch nennt, scheint es gut bestellt zu sein: Es wird berichtet, dass sie es bei der Nahrungssuche beispielsweise auf ganz spezielle Kartoffelsorten abgesehen haben: Frühkartoffeln scheinen sie hier besonders gern zu mögen.

Ernährung

Wildschweine sind Allesfresser. Pflanzliche Nahrung aus Kräutern, Eicheln und Bucheckern, Wurzeln, Pilze, Gräser und Früchte überwiegt zwar, aber die robusten Paarhufer fressen auch Schnecken, Würmer und andere Kleintiere. Ihre Eckzähne benutzen die Tiere vor allem, um im Boden nach Essbarem zu wühlen.

Das Gebiss ist so kräftig, dass die Wildschweine in den Tropen sogar Kokosnüsse damit knacken können! Wenn sie in ihrem natürlichen Lebensraum, dem Wald, nicht genug Nahrung finden, kann es durchaus passieren, dass sie sich auf die freien Felder hinaus wagen und dort in den Äckern wühlen, die Feldfrüchte fressen und damit große Schäden anrichten.

Hätten Sie's gewusst?

Wenn ein Wildschwein sich bedroht fühlt, kann das ziemlich gefährlich werden. Das gilt ganz besonders für Bachen mit ihren Jungen – man sollte nie versuchen, die niedlichen Frischlinge zu streicheln oder zu füttern.
Professor Henning Wiesner, Zoologe, Tierarzt und ehemaliger Direktor des Tierpark Hellabrunn (München) erklärte in einem Radio-Interview auf Bayern3, dass weltweit die meisten Unfälle in Zoos mit Wildschweinen passieren: "Bachen mit Jungen – Finger weg!" Angriffe von Wildschweinen können blutig enden.

Hier ein Video von Manfred Becher:



Wildschwein © Manfred Becher, User mbhsug/YouTube


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