Wildtier-Lexikon: Wolf | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Wolf

Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Wolf © animals-digital.de
Seit 2000 gibt es wieder Meldungen über Wölfe in Deutschland. Sie sind in der höchst möglichen Form geschützt.

Steckbrief

  • Körperlänge: Weibchen: 70 - 125 cm, Männchen: 100 - 140 cm
  • Gewicht: Weibchen: 15 - 55 kg, Männchen: 15 - 80 kg
  • Lebenserwartung: 10 - 13 Jahre
  • Verbreitung: Europa, Asien, Nordamerika
  • Lebensraum: von arktischer Tundra über Wald, Prärie und Trockengebiete
  • Artbestand: bedroht durch illegale Wilderei, einige Unteraten bereits ausgestorben

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere
  • Familie: Hundeartige
  • Gattung: Wölfe und Schakale
  • Art: Wolf (Canis lupus

Aussehen

Die wilden Stammväter unserer Haushunde sind meist schlank und haben einen relativ langen Schwanz. Wie ihr Verbreitungsgebiet ist auch die Bandbreite ihres Aussehens riesig: Ihre Fellfarben sind abhängig vom Lebensraum, zum Beispiel grau bei den Wölfen Osteuropas, grau bis schwarz bei den Timberwölfen in Nordamerika und weißgrau bei den Vertretern, die im schneereichen Norden zuhause sind. Ebenso wiegt auch der Indische Wolf nur rund 15 Kilogramm, während sein Verwandter aus Sibirien bis zu 80 Kilogramm auf die Waage bringen kann.

Fortpflanzung und Entwicklung

Für den Nachwuchs sorgen bei den Wölfen nur die ranghöchsten Tiere. Wölfe werden in der Regel mit 22 Monaten geschlechtsreif. Zwischen Januar/Februar und März ist Paarungszeit. Wenn die Brunst im Frühjahr beginnt, suchen Männchen und Weibchen immer mehr Körperkontakt, und führen zum Teil einen regelrechten "Hochzeitstanz" auf, bevor sie sich paaren. Nach der Tragezeit von neun Wochen (61-64 Tage) kommen meist im Mai die Welpen auf die Welt. Es können bis zu 12 Welpen in einem Wurf sein, meistens sind es aber vier bis sechs. Bei der Geburt wiegen sie durchschnittlich 300-500 Gramm. Nach der Geburt leben sie mit ihren Eltern zusammen und bilden das Wolfsrudel. Die Jungtiere des Vorjahres unterstützen die Eltern bei der Erziehung der Jüngsten. Nach ein paar Jahren, für gewöhnlich nach ein bis drei Jahren, verlassen sie das Rudel, suchen sich einen Partner und bilden ein eigenes Rudel.

Lebensweise und Verhalten

Wölfe leben und jagen überwiegend in Rudeln von meist fünf bis zehn Tieren, einem lockeren Verbund bestehend aus einer Familie, das heißt das Elternpaar, die Jährlinge und die Welpen. Eine feste Rangordnung herrscht lediglich in Gefangenschaft. Wölfe können aber auch als Paar oder als territoriales Einzeltier leben. Wölfe kontrollieren ihr Revier regelmäßig durch Patrouillen. Die Größe des Reviers hängt von der Beutetierdichte ab, das Territorium kann zwischen 100 bis 450km² betragen. Die Grenzen des Reviers werden markiert, entweder durch Urin, Kot, Scharren oder Heulen. Witterung kann ein Wolf aus bis zu zwei Kilometer Entfernung aufnehmen. Er ist zudem mit großer Ausdauer gesegnet, da er Streifzüge von bis zu 30 Kilometer am Tag und bis zu 60 Kilometer in der Nacht zurücklegen kann.

Kommunikation

Wölfe sind sehr soziale Tiere und haben eine ganze Reihe unterschiedlichster Ausdrucksformen. Sie knurren, winseln oder lassen besonders gern das typische Wolfsheulen, bei dem dann alle mit einstimmen, hören. Hat zum Beispiel einer den Anschluss an seine Gruppe verloren, finden sich die Wölfe durch ihre Chorgesänge wieder. Es dient zudem bei der Markierung des Reviers und zum Einstimmen auf die Jagd. Bellen ist dagegen eher selten, man hört es nur ab und an von den Jungtieren. Auch die Haltung des Schwanzes, die Stellung der Ohren und der Gesichtsausdruck dienen der Kommunikation und tragen so zum friedlichen Zusammenleben im Rudel bei. Das Heulen eines Wolfes kann ein Artgenosse in bis zu zehn Kilometer Distanz hören. Außerdem hat der Wolf eine sehr gute Nachtsicht und riecht bis zu 100-mal besser als ein Mensch.

Ernährung

Wölfe sind im Rudel stark und jagen oft Tiere, die bis zu zehnmal so schwer sind wie sie selbst. Während der Hetzjagd muss es ihnen gelingen, ein Beutetier von seinen Artgenossen wegzutreiben, um es dann von der Seite anzuspringen und mit einem Biss töten zu können. Oft suchen sich die Wildhunde kranke oder alte Opfer aus. Je nachdem in welchen Lebensräumen die Wölfe leben, fressen sie verschiedene Huftiere wie Rehe, Rothirsche oder Wildschweine sowie Kleinsäuger, manchmal aber auch Reptilien, Amphibien, Aas und auch Abfälle. Gelegentlich nehmen sie zur Förderung der Verdauung auch Gras zu sich.

Hätten Sie's gewusst?

Seit 2000 gibt es wieder Meldungen über Wölfe in Deutschland. Eine Gefahr geht von ihnen nicht aus, da die Vorfahren unserer Haushunde sehr scheu sind und den Menschen meiden. Der Wolf ist in Deutschland durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt, das ihm den höchst möglichen Schutz bietet und zudem die Jagd auf ihn verbietet. Europaweit sind Wölfe durch die Berner Konvention sowie innerhalb der EU durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, abgekürzt auch FFH-Richtlinie oder Habitatrichtlinie, streng geschützt.
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