Woran man Scheinträchtigkeit erkennt

Eigentlich ist die Scheinträchtigkeit eine Scheinmutterschaft, die aber einen völlig natürlichen Prozess darstellt. Lesen Sie hier, wie Sie eine Scheinträchtigkeit bei Ihrer Hündin feststellen und was Sie in dieser Zeit beachten müssen.

Scheinträchtigkeit bei Hündin Hund
Die hormonellen Vorgänge sind rein physiologisch und völlig normal.© stock.adobe.com/UlrikaArt

Zur Scheinträchtigkeit kommt es bei unkastrierten Hündinnen vier bis neun Wochennach der Läufigkeit. Sie ist kein krankhafter Zustand, sondern ein natürlicher und hängt mit dem komplizierten Hormonzyklus der Hündin zusammen. Der Hormonspiegel im Blut ist bei trächtigen und bei nichtträchtigen Hündinnen fast gleich. Lesen Sie hier, wie Scheinträchtigkeit bei Ihrer Hündin entsteht und was Sie in dieser Zeit besonders beachten müssen. 

Diese Hormone lösen eine Scheinträchtigkeit aus 

Progesteron, das schwangerschaftshaltende Hormon wird bei Hündinnen nach dem Eisprung in fast gleichen Konzentrationen gefunden, egal ob trächtig oder nicht. Wenn der Körper schließlich registriert, dass die Hündin nicht guter Hoffnung ist, nimmt der Spiegel an Progesteron rasch ab. Diese rasche Abnahme simuliert eventuell eine Geburt für den Organismus und bewirkt den Anstieg des Hormons Prolaktin. Prolaktin regt die Milchdrüsen zur Produktion von Milch an. So kann eine Hündin nach der Läufigkeit scheinträchtig werden - ohne jedoch gedeckt worden zu sein. 

Scheinträchtigkeit ist ein normaler Prozess

Die hormonellen Vorgänge nach der Läufigkeit der Hündin sind rein physiologisch und völlig normal. Oft wird diese Phase vom Halter nicht einmal bemerkt. Davon abgrenzen muss man aber die pathologische Scheinträchtigkeit, in der die Hündin anormales Verhalten zeigt, das im Folgenden näher beschrieben wird. In so einem Fall sollten Sie einen Tierarzt zu Rate ziehen.

Diese Auswirkungen hat Scheinträchtigkeit auf die Psyche

Das Hormon Prolaktin kann auch Auswirkungen auf die Psyche der Hündin haben. Dieses Verhalten lässt sich besonders häufig beobachteb:

  • Die Hündin beginnt Nester zu bauen.
  • Sie wird extrem anlehnungsbedürftig und verschmust.
  • Sie beginnt sämtliches Spielzeug, manchmal auch Hausschuhe oder andere Sachen wegzuschleppen.
  • Viele Hündinnen werden aggressiv und schnappen nach ihrem Besitzer.

Ablenkung hilft bei Scheinträchtigkeit

Von ihrem Nestbautrieb kann man die scheinträchtige Hündin oft ablenken, indem man Spielsachen in dieser Zeit wegräumt und viel mit ihr spazieren geht. Eine verminderte Lebhaftigkeit ist bei vielen Hündinnen in dieser Phase normal und sollte vom Besitzer akzeptiert werden.

Was tun, wenn die Hündin aggressiv wird?

Manche Hündinnen werden in der Zeit der Scheinträchtigkeit ausgeprägt apathisch oder aggressiv. Letzteres ist in einem Haushalt mit kleinen Kindern, denen die Hündin Spielsachen wegnimmt und verteidigt, ein ernst zu nehmender Risikofaktor. Beruhigende Medikamente können dabei helfen, die Situation bei derartigen Symptomen zu entschärfen. Zeitgleich kann ein Präparat gegeben werden, das die Produktion des Hormons Prolaktin hemmt. Am besten kann Ihr Tierarzt diesbezüglich beraten.

Eine Kastration ist in dem Moment keine Lösung

Eine Kastration ist kein sofort wirksames Mittel gegen Scheinträchtigkeit. Werden die Eierstöcke entfernt, fällt von einem auf den anderen Moment der Blutspiegel des Hormons Progesteron rapide ab. Das lässt den Prolaktinspiegel ebenso rapide ansteigen, es kommt erst recht zu ausgeprägten Scheinschwangerschaftssymptomen.

Als vorbeugende Maßnahme gegen weitere Scheinträchtigkeiten ist die Kastration unter Umständen sinnvoll, wenn der Besitzer die Scheinschwangerschaft als wirklich ernsthaftes Problem erlebt. Sprechen Sie sich hierfür aber unbedingt zuvor mit Ihrem Tierarzt ab und suchen Sie zuerst nach anderen möglichen Lösungen.

Wie lange dauert die Scheinträchtigkeit?

Die Symptome einer Scheinträchtigkeit können bei Hündinnen zehn bis 30 Tage anhalten. Weil der Scheinträchtigkeit keine hormonellen Fehlfunktionen zugrunde liegen, kann man in wenig ausgeprägten Fällen abwarten, bis die körperlichen und die Verhaltensauffälligkeiten von selber zurückgehen. Nicht zwangsläufig tritt die Scheinschwangerschaft im nächsten Zyklus wieder auf. Allerdings sind die Symptome nach jeder Läufigkeit ähnlich stark.

Während der Scheintrrächtigkeit: Finger weg vom Gesäuge!

Jegliche Manipulation, Massagen oder das Ausdrücken von Milch regen die Milchbildung während der Scheinträchtigkeit zusätzlich an. Meistens geht diese nach einigen Wochen von selbst zurück und das Gesäuge verkleinert sich wieder. Prüfende Blicke dagegen sind erlaubt und nötig. In einigen Fällen kann es nämlich zu einer Entzündung des Gesäuges kommen, die mit Antibiotika behandelt werden muss. Ist um einzelne Zitzen das Gewebe rot, schmerzhaft und warm, ist ein Tierarztbesuch dringend nötig.

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