Katzenkratzkrankheiten

Die Krankheit mit dem zungenbrecherischen Namen ist schon seit 50 Jahren bekannt, doch erst seit Kurzem weiß man, wie der Erreger von Katze zu Katze und auf Menschen übertragen wird.

GK_Katzenkratzkrankheit.jpg
© Foto: Tyson Wirtzfeld / iStockphoto

Paris, in den dreißiger Jahren: Ein junger Patient mit ungewöhnlichen Symptomen wird dem Arzt Dr. Robert Debré vorgestellt: Der zehnjährige Junge, der viel mit Katzen spielt, leidet seit kurzem unter eitrig angeschwollenen Lymphgefäßen am Ellbogen. Nach wenigen Wochen heilt die Erkrankung folgenlos ab, die Ursache bleibt zunächst unbekannt. Doch als Dr. Debré in den folgenden Jahren immer wieder auf ähnliche Fälle stößt, wird klar, dass diese mit dem Kontakt zu Katzen zu tun haben. 1950 veröffentlicht er erstmals seine Beobachtungen und nennt das Krankheitsbild die "Katzenkratzkrankheit".

Erst Jahre später Erreger entdecktErst sehr viel später stellte sich heraus, dass ein Bakterium namens Bartonella henselae für die Erkrankung verantwortlich ist: Immerhin bis zu 40 Prozent aller Katzen sind damit infiziert, erkranken im Gegensatz zum Menschen aber kaum und dienen so neben Kleinnagern als natürliches Reservoir des Erregers. Obwohl das Bakterium unter Katzen weit verbreitet ist, infizieren sich nur selten Menschen: Weniger als eine von 10.000 Personen erkrankt daran und entwickelt innerhalb von drei bis fünf Tagen nach einer Kratzverletzung durch eine Katze entsprechende Symptome wie Lymphknotenschwellungen und Fieber, die meist nach einigen Wochen von selbst wieder verschwinden.

Schutz durch einfache VorsichtsmaßnahmenDass Menschen nur so selten erkranken, liegt an den Übertragungswegen, die erst seit Kurzem bekannt sind: Als Hauptüberträger zwischen Katzen fungiert der Katzenfloh: Er infiziert sich beim Blutsaugen und gibt den Erreger an sein nächstes vierbeiniges Opfer weiter, Menschen hingegen werden nur in Ausnahmefällen gebissen. Wird ein Mensch hingegen von einer Katze gekratzt, kann der Erreger über die Krallen in die Haut gelangen. Ursache ist vermutlich infizierter Flohkot, der sich durch die Körperpflege auch an den Krallen der Katze befinden kann. Trotz der Seltenheit der Erkrankung und ihrem meist gutartigen Verlauf sollten Flöhe rigoros bekämpft werden, um das Übertragungsrisiko von Katze zu Katze und auf den Menschen zu senken. Das gilt insbesondere bei Personen, deren Immunsystem stark geschwächt ist, z.B. durch Krebsbehandlung, HIV-Infektion, Organtransplantation oder Alter. Zudem sollte man sich nach dem Kontakt zu Katzen (und anderen Tieren) die Hände waschen. (Dr. med. vet. Thomas Görblich)

"Ein Herz für Tiere" – Die neue Ausgabe jetzt am Kiosk
Aktuelle Meldungen aus der Tierwelt
Großer Haustierratgeber
Mensch & Tier
Wildes Tierleben
Spannende Unterhaltung
EHfT11_001_U1.jpg