Wenn es Zeit für den Abschied wird

Hund und Katze einschläfern - so empfinden Tierärzte

Der wohl schwerste Moment im Leben eines Tierbesitzers: Der geliebte Hund oder die Katze, die uns lange Jahre begleitet hat, muss eingeschläfert werden. So schwer der Abschied für uns selber ist, so schwer ist er auch für viele Tierärzte.
 
Hund wird eingeschläfert © shutterstock.com / didesign021
Auch vielen Tierärzten geht das Einschläfern von Hund und Katze sehr nahe.
Der Hund oder die Katze, die unser Leben viele Jahre lang bereichert hat, wird krank. Eine Chance auf Heilung gibt es nicht – der Hund oder die Katze muss eingeschläfert werden . Diese Entscheidung trifft direkt ins Herz eines jeden Tierbesitzers. Denn das Tier war ein wichtiger Teil unseres Lebens. Abschied von ihm nehmen zu müssen schmerzt genauso wie ein nahestehendes Familienmitglied oder den besten Freund zu verlieren.
 
Oft passiert es in der Tierarztpraxis oder in der Tierklinik – kurz und schmerzlos. Der in weißem Kittel gekleidete Tierarzt und seine Helfer setzen die erlösende Spritze. Sie verziehen keine Miene, alles läuft höchst professionell, mechanisch, routiniert. Doch das ist nur der Schein. Denn auch vielen Tierärzten geht das Einschläfern von Hund und Katze sehr nahe, wie eine Tierärztin aus Burford, Ontario (USA) kürzlich in einem berührenden Facebook-Post erklärt hat.
 
Tierärzte begleiten unsere Tiere oft ab ihrem ersten Besuch beim Tierarzt als Welpe oder Kitten. Über Jahre hinweg freunden sie sich mit dem Tier an, sehen es aufwachsen, heilen kleine und größere Leiden, begleiten die komplette Familie durch gute und schwere Zeiten. Jahre später kommt schließlich der erschütternde Augenblick, wenn feststeht: Die Krankheit des Tieres ist unheilbar, es muss eingeschläfert werden.
 
"Ich wünschte, Ihr Tier hätte für immer weiterleben können."

„In diesem Moment wünschte ich mir, das Tier könnte für immer leben. Ich will es so sehr, dass es wehtut. Ich fühle mich, als hätte ich versagt – vor dem Tier und auch vor Ihnen – weil ich keine Möglichkeiten mehr habe, Ihrem Tier und auch Ihnen die Sorgen zu nehmen, sie wieder glücklich zu machen. Der Moment ist also gekommen. Von mir wird erwartet, professionell zu sein. Objektiv. Ich bin schließlich die Tierärztin. Ruhig. Gelassen. Gefasst. Immer unter Kontrolle. Zum Teufel damit. Ich kenne Sie und Ihr Tier schließlich schon ein Drittel meines Lebens und über einen Großteil meiner Karriere hinweg. (…) Bitte seien Sie sich gewiss, dass ich weiß, wie Sie sich fühlen. Wenn Sie die Klinik wieder verlassen, wünsche ich mir mit jeder Faser meines Herzens, dass Ihnen das alles erspart geblieben wäre. Ich wünschte, Ihr Tier hätte für immer weiterleben können.“
 
Lesen Sie hier den vollständigen Facebook-Post von Tierärztin Brenda Gough:

 
 

Suizidrisiko unter Tierärzten viermal höher als bei anderen Berufen

Dass Tierärzte unter einem hohen moralischen und emotionalen Druck stehen, zeigt auch die Selbstmordrate, die unter Tiermedizinern besonders hoch ist. Das belegen Studien aus den USA und Großbritannien: So haben Tierärzte ein viermal höheres Risiko, Selbstmord zu begehen als andere Berufsgruppen.
 
Tierärzte entscheiden über Leben und Tod: Wann ist der richtige Moment gekommen, um ein Tier einzuschläfern und von seinem Leiden zu befreien? Wie weit kommt man einem Tierbesitzer entgegen, der das Tier noch nicht gehen lassen kann? „Es ist dieses Abwägen vieler Kriterien, die einen aufwühlen, aufreiben, traurig stimmen und mit der Zeit abstumpfen“, sagt Tierarzt Dr. Winzap der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). In der Regel wüssten die Tierärzte genau, was zu tun sei. Aber aus ökonomischen Gründen und nach dem Willen des Besitzers dürften sie nicht dementsprechend handeln. Das wiederum führe zu Schuldgefühlen gegenüber den Tieren, die nicht die Behandlung/Betreuung bekämen, die ihnen zustehen würde beziehungsweise nötig wäre, erklärt auch PhD Laurie Fonken, Psychologin an der Fakultät für Tier- und Biomedizin der Colorado State University, auf wir-sind-tierarzt.de , den hohen Druck, dem Tiermediziner ausgesetzt sind. Hinzu kommt, dass Tierärzte überdurchschnittlich oft mit dem Tod konfrontiert sind. Laut NZZ begleiten sie das Sterben eines Lebewesens fünfmal häufiger als Ärzte der Humanmedizin. Das Einschläfern und die Begegnung mit dem Tod ist für Tierärzte fast tägliche Routine – und das macht den Tierärzten psychisch zu schaffen.
 
Auch Brenda Gough verweist auf die hohen Selbstmordraten unter Tiermedizinern. „Ich hoffe inständig, dass Tierärzte überall auf der Welt die unglaublich positiven Kommentare, die mein Post zu Folge hatte, lesen und sich bewusst machen, dass sie geliebt, gebraucht und respektiert werden. Wenn diese Kommentare auch nur ein Menschenleben retten, dann war es das wert“, sagt sie auf boredpanda.com .
 
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