Zeckenschutz

Rekord-Zeckenjahr 2020: So schützen Sie Ihr Tier und sich selbst

Experten rechnen 2020 mit einer besonders starken und langen Zeckenperiode. Lesen Sie, wie Sie Ihr Haustier und sich selbst effektiv vor einem Zeckenbefall schützen können, welche Mittel wirklich helfen – und in welchen Regionen Sie besonders vorsichtig sein müssen.
 
 
Zecken-Rekordjahr erwartet © Shutterstock.com/Gabor Tinz
Zecken gibt es auf dem Land und in der Stadt gleichermaßen.
Sobald an zwei oder drei aufeinanderfolgenden Tagen die Temperaturen über 10 Grad steigen werden Zecken aktiv. Diese Phase reicht vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst. Nach besonders milden Wintern mit wenig langanhaltenden, starken Frostperioden erwarten Experten eine besonders hohe Zeckenaktivität. Zecken können gefährliche Krankheitserreger auf Haustiere und Menschen übertragen. Tierhalter, die sich gerne in der Natur aufhalten, sind besonders gefährdet.
 

Zeckenbefall beim Hund: Jeder Hundehalter betroffen

Bei Hunden gilt ein besonders hohes Risiko für Zeckenbefall . Dabei sind nicht nur Hunde in ländlichen Gebieten betroffen, die beim Gassigehen durch Wälder und Wiesen streifen. Auch in Stadtparks ist ein Zeckenbefall keine Seltenheit.
 
Ein massiver Zeckenbefall kann das Wohlbefinden des Hundes stark beeinträchtigen. Außerdem können Zecken Krankheitserreger übertragen, die für Hunde weitaus gefährlicher sind als für Katzen. Vollgesogene Zecken, die etwa im Garten vom Hund abfallen, können verantwortlich sein, dass sich dort eine Zeckenpopulation entwickelt.
 
Diese Zeckenarten werden besonders häufig an Hunden gefunden:
  • Gemeiner Holzbock
  • Auwaldzecke
  • Schafzecke
  • Igelzecke
  • Braune Hundezecke
 
Besonders betroffene Stellen sind Kopf, Brust, Nacken und Schultern. Die Einstichstelle kann sich entzünden. Die größte Gefahr bilden beim Hund aber Krankheiten, die von den Zecken übertragen werden. Dazu zählen u.a.:
  • Borreliose
  • Babesiose
  • Ehrlichiose
  • FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)
Die durch einen Zeckenbefall ausgelöste Krankheit tritt oft erst sehr viel später auf. Schwere Krankheitsverläufe mit Todesfolge  sind beim Hund möglich. Daher ist auf ausreichenden Zeckenschutz zu achten!
 

Zeckenschutz beim Hund

Für Hunde gibt es inzwischen eine Vielzahl von Schutzmöglichkeiten gegen Zeckenbefall. Nach jedem Aufenthalt im Freien sollte der Hund gründlich nach Zecken abgesucht werden. Wird eine Zecke entdeckt sollte diese umgehend entfernt werden. Weitere Möglichkeiten zur Zeckenabwehr bieten:
  • Spot-On Lösungen
  • Zeckenhalsbänder
  • Shampoos
  • Sprays
  • Pulver
  • Tabletten 
Ein individueller Zeckenschutz für den Hund sollte am besten mit dem Tierarzt abgesprochen werden.  
 
Zecke auf Tierfell
Nach jedem Gassigang sollte der Hund abgesucht werden. ©stock.adobe.com/Jean Kobben
 

Zeckenbefall bei der Katze: Sie bringt die Zecke ins Haus

Katzen erkranken weit seltener an von Zecken übertragenen Krankheiten als Hunde. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Zeckenstich auch bei Katzen zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden führt. Außerdem tragen Freigängerkatzen die Zecken in ihrem Fell mit nach Hause. Damit steigt das Risiko für den Menschen, auf dem eigenen Sofa von einer Zecke gestochen zu werden.
 
Auch Freigängerkatzen sollten daher regelmäßig nach Zecken abgesucht werden. Zecken müssen umgehend entfernt werden. Entsteht nach einem Zeckenstich bei der Katze eine schmerzhafte Schwellungen an der Wunde , sollte diese vom Tierarzt behandelt werden.
 
Zeckenschutz für Katzen bieten:
  • Spot-On Lösungen
  • Shampoos
  • Halsbänder mit Sicherheitsverschluss
Achtung: Schutzmittel müssen unbedingt speziell für Katzen zugelassen sein, sonst besteht Vergiftungsgefahr!

 
Katze im Gras
Freigänger tragen Zecken am Fell mit ins Haus. ©stock.adobe.com/ 2207918
 

Zecken bei Hund und Katze richtig entfernen

Eine Zecke beim Haustier richtig zu entfernen, ist eigentlich ganz einfach. Dennoch haben viele Menschen hier große Berührungsängste. Ein Zeckenstich ist kein Grund zur Panik, die Zecke sollte dennoch zeitnah entfernt werden – auch wenn die Zecke noch winzig ist. Je weniger Zeit zwischen Einstich und Entfernen verstreicht, desto geringer ist das Risiko, dass die Zecke Krankheitserreger übertragen kann.
 
So gehen Sie beim Entfernen der Zecke richtig vor:
  1. Bitten Sie möglichst eine zweite Person um Hilfe, die das Tier festhält und beruhigt.
  2. Streichen Sie das Fell zur Seite, um besser an die Einstichstelle zu gelangen.
  3. Die Zecke hautnah greifen, starke Quetschung vermeiden, langsam und kontrolliert herausziehen (ein ruckartiges Herausziehen ist zu vermeiden).
  4. Einstichstelle nachkontrollieren à Manchmal bleibt der „Kopf“ der Zecke stecken, hier handelt es sich in der Regel aber um den Stechrüssel. Dieser wird nach ein paar Tagen von der Haut abgestoßen.
  5. Einstichstelle in den nächsten Tagen im Blick behalten, bei starker Rötung/ Schwellung Tierarzt aufsuchen.
Achtung: Desinfektionsmittel kann bei Katzen zu Vergiftungen führen!

Beliebte Hilfsmittel zum Entfernen einer Zecke sind: 
  • Zeckenpinzette
  • Zeckenzange
  • Zeckenkarte
  • Zeckenhebel
  • Zeckenlasso
Wenn Sie sich für eines dieser Hilfsmittel beim Entfernen der Zecke entscheiden, sollten Sie immer so vorgehen, wie auf der Anweisung beschrieben.

Zecke entfernen
Zecken sind unter dem Fell nicht immer leicht zu finden. ©stock.adobe.com/DoraZett
 

Entfernte Zecken richtig entsorgen

Haben Sie eine Zecke bei Ihrem Tier gefunden und entfernt, sollte diese richtig entsorgt werden. Dabei ist es wichtig, die Zecke nicht mit bloßen Händen oder den Fingernägeln zu zerdrücken. Die Körpersäfte der Zecke enthalten häufig Krankheitserreger. 
 
Im Freien können Sie die Zecke mit Stein, Holz oder der Schuhsohle auf einem harten Untergrund zerquetschen. Zu Hause kann man die Zecke in heißes Wasser werfen oder auf einem Stück Papier mit einer Nadel durchstechen und sie anschließend im Klo runterspülen.
 
Tipp: Zecken sterben auch, wenn sie einige Minuten in hochprozentigem Alkohol (ab 50%) eingelegt werden. Dies hat den Vorteil, dass eine Zecke so aufbewahrt werden kann. Falls in den nächsten Tagen eine Entzündung auftritt, kann die tote Zecke ins Labor eingeschickt und auf Krankheitserreger getestet werden. 
 

Zeckenschutz für Menschen

Tierhalter, die viel in der Natur unterwegs sind, oder bei denen eine Freigängerkatze lebt, sollten auch für sich selbst auf ausreichenden Zeckenschutz achten. Beim Spaziergang mit dem Hund empfiehlt es sich, lange Hosen und geschlossene Schuhe zu tragen, und nach jeder Gassirunde nicht nur den Hund, sondern auch sich selbst gründlich nach Zecken abzusuchen und die Klamotten zu wechseln. 

Besonders in FSME-Risikogebieten (die Südhälfte Deutschlands) empfiehlt sich eine FSME-Impfung vor Beginn der Zeckensaison. Die Krankheitserreger werden durch Zecken übertragen und rufen eine Hirnhautentzündung hervor. Eine Absprache mit dem Hausarzt über eine Impfung ist für Tierhalter sinnvoll. 
 

Wie viele Zecken tragen FSME- oder Borreliose-Erreger in sich?

Laut Robert-Koch-Institut tragen in FSM- Risikogebieten etwa  0,1–5% der Zecken FSME-Viren in sich. Borrelien findet man in bis zu 30 % der Zeckenpopulation. Dieser Wert schwankt jedoch stark nach Gebiet. Untersuchungen nach Zeckenstichen haben ergeben, dass bei 2,6 – 5,6 % der Betroffenen eine Borrelieninfektion nachgewiesen werden konnte. Nur ein kleiner Teil der Betroffenen  (0,3 – 1,4 %) erkrankte jedoch, beim Rest bildete der Körper Antikörper gegen Borrelien. 

Zecke auf Fingernagel
Zecken sind oft noch winzig und schwer zu finden. ©stock.adobe.com/malykalexa777
 

Welche Hausmittel helfen gegen Zecken? 

Wer auf chemische Anti-Zeckenmittel verzichten will, greift gerne zu harmloseren Alternativen wie Kokosöl, Schwarzkümmelöl oder einem Bernsteinanhänger. Doch nicht alle Hausmittel helfen effektiv gegen einen Zeckenbefall 
  • Kokosöl zur Zeckenabwehr?
Kokosöl wird von Tierhaltern gerne zur Zeckenabwehr benutzt. Besonders zeckenanfällige Körperpartien des Tieres werden damit eingerieben. Kokosöl enthält Laurinsäure. In Labortests konnte nachgewiesen werden , dass dieses eine abschreckende Wirkung auf Zecken hat. Die Schutzwirkung von Kokosöl hielt etwa 6 Stunden an. 
 
  • Schwarzkümmelöl zur Zeckenabwehr?
Schwarzkümmelöl enthält essentielle Fettsäuren, Vitamine und ätherische Öle. Es gibt jedoch nur wenig gesicherte Kenntnisse, ob Schwarzkümmelöl eine abschreckende Wirkung auf Zecken besitzt. Die Meinungen unter Tierhaltern gehen stark auseinander.
  • Bernstein zur Zeckenabwehr?
Manche Tierhalter sind davon überzeugt, dass eine elektrostatische Aufladung und der harzige Geruch von Bernstein Zecken vertreiben soll. Diese Wirkung ist jedoch durch keinerlei Studie bestätigt.
 

Zeckenaktivität im Jahresverlauf

Die Zeckenaktivität ist abhängig vom Jahresverlauf. Nicht nur im Frühjahr ist ausreichender Schutz vor Zecken nötig. Selbst im Winter ist ein Zeckenbefall nicht ausgeschlossen. 

Januar/ Februar
Zecken sind inaktiv, verbergen sich in der untersten Laubstreu auf dem Waldboden Temperaturen bis -10 Grad werden problemlos überstanden.

März/April
Zecken werden aktiv, sobald an zwei oder drei aufeinanderfolgenden Tagen die Temperaturen auf +10 Grad steigen. Nach Feuchtigkeitsperioden explodiert die Zeckenaktivität regelrecht.

Mai/Juni
Meist höchste Zeckenaktivität im Jahresverlauf; Zecken setzen alles daran, um Wirt zu finden.

Juli/August
Hohe Temperaturen und wenig Niederschlag bremst die Zeckenaktivität ein.

September/Oktober
Zeckenaktivität steigt wieder bei passendem Wetterverlauf (warme Tage, reichlich Tau über Nacht).

November/Dezember
Zeckenaktivität geht stark zurück, niedrige Temperaturen hemmen Beweglichkeit. Einige milde Tage mit Temperaturen über 9 - 10 Grad können auch im Winter aktive Zecken hervorbringen.