NABU stellt Strafanzeige gegen Wohngenossenschaft

Schreckliche Tierquälerei: Vogel-Babys lebendig eingemauert

Bereits seit einiger Zeit berichtet der NABU-Regionalverband Leipzig über zerstörte Lebensräume von Tieren durch Bauarbeiten. Und auch jetzt wurde wieder ein schrecklicher Fall von Tierquälerei bekannt: Im Leipziger Stadtteil Grünau wurden Nistplätze und die darin lebenden Vögel lebendig eingemauert.
 
Vogel-Babys lebendig eingemauert © NABU Leipzig
Dieser Star versucht vergeblich, an sein eingemauertes Nest zu gelangen

Der Vogelmord in Leipzig geht weiter. Wie der Naturschutzbund (NABU) Leipzig berichtet, ereignen sich bereits seit einigen Jahren immer wieder dieselben Dramen. Um eine schöne Hausfassade vorweisen zu können, zerstören die Bauleute Vogelnester und Nistplätze von gesetzlich geschützten Tierarten. Vor allem die Jungvögel haben noch nicht die Kraft, vor dieser Gefahr zu fliehen und sterben qualvoll.

Vögel qualvoll eingemauert

Dieses tragische Ende mussten auch einige Vogel-Babys im Leipziger Stadtteil Grünau erleben. Im Zuge von Renovierungsarbeiten an der Hausfassade wurden Nisthöhlen mit frischgeschlüpften Vogel-Babys ohne zu zögern zugemauert. Anwohner hatten die zuständige Wohngenossenschaft sowie die Bauarbeiter vor Ort auf die Nester aufmerksam gemacht, doch diese schienen das nur zu ignorieren. Eine Hausbewohnerin informierte daraufhin den NABU.

Vogel-Babys lebendig eingemauert: Feuerwehr startet Rettungsaktion© NABU Leipzig - Feuerwehr startet Rettungsaktion des Vögel

Mithilfe der Feuerwehr und der Polizei stoppten die Tierschützer die Bauarbeiten und starteten eine Rettungsaktion, indem sie die Nester wieder öffneten. Vier der verschlossenen Höhlen waren glücklicherweise leer, in einem davon befand sich nur ein leeres neugebautes Nest. Doch die Nisthöhle eines Stars war schlimmer betroffen. Das eingemauerte Muttertier überlebte, ihre vier Jungvögel hatten leider nicht ganz so viel Glück und verstarben. Auch ein brütender Haussperling konnte aus seiner Höhle befreit werden. Zudem konnten die NABU-Experten einen gesetzlich streng geschützten Grünspecht beobachten. Er versuchte, mit seinem Schnabel die frisch zugemauerten Fassadenlöcher wieder zu öffnen und in sein Nest zu gelangen, wodurch sich der Schnabel verklebte. Auch er wurde in der Rettungsaktion geborgen und weitestgehend von dem Kleber befreit. Des Weiteren wurde beobachtet, wie ein Star und ein Haussperling immer wieder versuchten, an ihre verschlossenen Nistplätze zu gelangen.

NABU stellt Strafanzeige gegen Wohngenossenschaft

Der NABU ist sich sicher: Hier wurde vorsätzlich gehandelt! Denn obwohl die Baufirma sowie die Wohngenossenschaft auf die Brutplätze hingewiesen wurden, zeigten diese keinerlei Reaktion. Aus diesem Grund reichte der Naturschutzbund Strafanzeige wegen der absichtlichen Tötung geschützter Tierarten sowie dem Verstoß gegen das Tier- und Naturschutzgesetz ein. Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt daraufhin gegen die Wohngenossenschaft wegen der absichtlichen Tötung in vier Fällen und der versuchten Tötung in zwei Fällen.

Wohngenossenschaft gibt Stellungnahme

Auf die Beschuldigungen des NABU hin meldete sich nun auch der Vorstand der Wohngenossenschaft zu Wort. Anscheinend seien während der Verschlussarbeiten Fehler unterlaufen, die nicht hätten passieren dürfen. Zudem wurde laut Vorstand die beauftragte Baufirma belehrt und ausdrücklich darauf hingewiesen, keine Bruthöhlen zu zerstören. Auch betonen sie ausdrücklich, wie sehr sie das Geschehene bedauern und dass es sich beim Einmauern der Nester keineswegs um einen bösen Vorsatz handelt. Der Beauftragte habe wohl die Nester nicht gesehen, geschweige denn wahrgenommen, dass sich Vögel im Innern befunden haben. 

Um derartige Fälle von Tierquälerei und -tötung zu vermeiden, fordert der NABU Leipzig nun, dass grundsätzlich vor Bau- und Sanierungsarbeiten ein artenschutzfachliches Gutachten erstellt werden muss.

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