Tierschutz

Deutscher Tierschutzbund stellt Strafanzeige gegen Tierversuchslabor

Undercover-Recherchen des SOKO Tierschutz und Cruelty Free International decken tierschutzwidrige Zustände an einem Tierversuchslabor im Landkreis Harburg auf. Der Deutsche Tierschutzbund fordert nun einen sofortigen Stopp der Tierversuche, Staatsanwaltschaft und zuständige Behörden werden aktiv.
 
Affe in Käfig eingesperrt © shutterstock.com
Bei der deutschen Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie kommt es immer wieder zu gravierenden Mängeln.
Lange Zeit war nicht bekannt, was genau sich hinter den Toren des Laboratory Pharmacology and Toxicology (LPT) in Mienenbüttel abspielte. Das Labor führt Giftigkeitsprüfungen zur Zulassung von Arzneimitteln, Chemikalien, Pflanzenschutzmitteln oder Schädlingsbekämpfungsmitteln an Hunden, Katzen, Affen und Kaninchen durch. Beanstandungen an den internen Zuständen seitens der Behörden gab es laut dem Unternehmen nie.

Dem SOKO Tierschutz e.V. und der Organisation Cruelty Free International gelang es im vergangenen Jahr, einen Undercover-Ermittler in das Labor einzuschleusen. Von Dezember 2018 bis März 2019 arbeitete dieser am LPT und erlebte hautnah mit, welch grausamen Torturen und tierschutzwidrigen Umständen die Versuchstiere dort ausgesetzt sind.
 

Die grausamen Bilder rütteln wach

Das Filmmaterial, das der Undercover-Ermittler während seiner Beschäftigungszeit zusammenstellt, wurde mittlerweile veröffentlicht: Hunde liegen in ihrem eigenen Blut und verenden offensichtlich aufgrund von Vergiftungen durch Testsubstanzen. Ein „Tierpfleger“ schlägt einen Makaken mutwillig gegen einen Türrahmen. Andere Affen werden grob aus den Käfigen gezerrt und nach den Versuchen wieder hineingeworfen.
 
Kristina Wagner, Leiterin des Referats für Alternativmethoden zu Tierversuchen beim Deutschen Tierschutzbund, sagt: „Der Umgang mit den Tieren ist brutal und barbarisch.“ Entsetzt zeigt sie sich auch darüber, dass die Versuche nicht abgebrochen und die schwer leidenden Tiere erlöst wurden. „Offenbar waren sie über lange Zeiträume und während der Nacht unbeaufsichtigt – ein Verstoß gegen die Vorgaben zur Pflege und zum Schutz der Tiere“, so Wagner.
 
Die Bilder dokumentieren auch grobe Verstöße gegen die Haltungsvorgaben: so waren die Käfige der Affen zu klein und enthielten weder Klettermöglichkeiten noch Beschäftigungsmaterial oder Verstecke für die Tiere.

 


Deutscher Tierschutzbund stellt Strafanzeige

Angesichts der aktuellen Bilder aus dem Tierversuchslabor LPT fordert auch der Deutsche Tierschutzbund den Stopp aller Tierversuche am LPT und stellt Strafanzeige wegen Tierquälerei.
 
„Wenn man diese entsetzlichen, kaum zu ertragenden Bilder sieht, kann und darf wirklich niemand mehr behaupten, wir hätten eines der strengsten Tierschutzgesetze der Welt und bei uns würden alle Vorgaben zu Tierversuchen vorbildlich eingehalten“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes in einer Pressemitteilung. „Dieser Fall macht auf erschreckende Weise deutlich, wozu die mangelhafte Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie in Deutschland führen kann.“
 
So werde im Fall des LPT offensichtlich, was passiert, wenn Kontrollen durch die zuständige Behörde nicht in ausreichendem Maß und vor allem nicht ohne Vorankündigung stattfinden.
 
Kritik wird auch in Sachen Personal laut: So hätten die Beschäftigten am LPT offenbar nicht die in der EU-Tierversuchsrichtlinie vorgeschriebene Ausbildung bzw. Sachkunde für die Pflege von Versuchstieren, geschweige denn für die Durchführung von Tierversuchen – ein weiterer Mangel der deutschen Umsetzung der EU-Vorgaben.
 

SOKO Tierschutz fordert: „Keine Scheinlösungen, sondern Schließung des Tierlabors!“

Nach den Strafanzeigen des SOKO Tierschutz e.V. und des Deutschen Tierschutzbundes gegen das LPT ziehen nun die Behörden nach. Die Genehmigungsbehörde für Tierversuche (LAVES) hat bei der Staatsanwaltschaft Stade ebenfalls Strafanzeige gegen das LPT wegen Verdachts auf strafrechtlich relevante Verstöße gegen tierschutzrechtliche Vorschriften erstattet.
 
Eine mittlerweile erfolgte Prüfung durch das zuständige Veterinäramt bestätigte einen Teil der Vorwürfe, zum Beispiel bezüglich der Größe der Käfige. Für den SOKO Tierschutz e.V. ein zu schwacher Vorstoß:
 
„Es ist schon sonderbar, dass die Veterinärbehörde jetzt zu kleine Käfige erkennt, die dort wohl schon seit Jahren hängen. Besonders empörend finden wir, dass das völlige Fehlen von rechtlich vorgeschriebenem Beschäftigungsmaterial bei den Affen damit entschuldigt wird, dass die Tiere ja schließlich die Vorhängeschlösser der Käfige zum Spielen hätten. Das lässt an den Kompetenzen und Einstellungen der verantwortlichen Kontrolleure zweifeln.“

Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium teilte mit, dass das LAVES einen Entzug der Tierversuchsgenehmigung für das LPT prüft. Unterdessen ruft die SOKO Tierschutz zu einer Großdemonstration am 19. Oktober 2019 in Neugraben bei Hamburg auf, um für eine sofortige Schließung des LPT zu demonstrieren.