Blutiger Stierkampf in Spanien

Gesetz gekippt: Auf Mallorca sterben wieder Stiere in der Arena

Tierschützer sind entsetzt. Am 9. August wird wieder ein blutiger Stierkampf in der Arena von Palma de Mallorca stattfinden. Das spanische Verfassungsgericht hat das Verletzungs- und Tötungsverbot beim Stierkampf gekippt.
 
Stier wird von Matador getötet. © shutterstock.com/ alberto clemares exposito
Jeder Stierkampf endet mit dem Tod des schwer verletzten Stiers.
Tierschützer waren erleichtert, als das Parlament der Balearen im Juli 2017 ein Gesetz gegen den blutigen Stierkampf verabschiedete. Die Stiere sollten nicht länger als zehn Minuten in der Arena verbringen müssen, durften weder verletzt noch getötet werden. Dieses Verletzungs- und Tötungsverbot wurde nun vom spanischen Verfassungsgericht als ungültig erklärt. Am 9. August um 21:30 Uhr Ortszeit wird nun doch wieder ein blutiger Stierkampf auf der beliebten Urlaubsinsel Mallorca stattfinden.
 

Acht Stiere werden am 9. August in Palma de Mallorca getötet

In der Arena „Plaça de toros“ in Palma de Mallorca werden acht Stiere um ihr Leben kämpfen. Ein blutiger Abend, der mit dem Tod der Stiere und dem Jubel der bis zu 11.620 Zuschauer ein Ende finden wird. Tickets für das blutige Spektakel kosten zwischen 50 und 130 Euro. Der Stierkampf ist in Spanien schon 2013 zum nationalen Kulturgut erklärt worden. Somit könnte nur der spanische Staat über ein solches Verbot, wie es vom balearischen Parlament verabschiedet wurde, entscheiden. 
 
„Kulturelle Tradition ist noch lange kein Freibrief für Tierquälerei. Wer den Leidenskampf von Mitgeschöpfen als fröhliches Spektakel feiert, verschließt die Augen vor dem grausamen Umgang mit den Tieren“, sagt Dr. Anna Kirchner, Fachreferentin beim Deutschen Tierschutzbund. 
 
Doch in Spanien hängen auch viele Arbeitsplätze am Geschäft mit den Stierkämpfen, die Branche macht nach wie vor Millionengewinne. Die Schattenseite: Jährlich lassen etwa 30.000 Stiere nach einem blutigen und aussichtslosen Kampf in den Arenen ihr Leben. 
 

Diese Rinder sind zum Sterben auserkoren 

Die Rinder, die für den spanischen Stierkampf eingesetzt werden, heißen „Toros bravos“. Diese alte Rinderart ist nur in Spanien erhalten geblieben. Ausgewachsene Bullen wiegen bis zu 600 Kilogramm, sind äußerst wendig und gefährlich. Sie wachsen in großen Herden auf, lernen den Menschen nicht kennen – bis sie ein Alter von sechs Jahren erreicht haben. Jetzt werden sie an eine Kampfarena verkauft und steuern einem grausamen und sicheren Tod entgegen. 
 

So läuft das blutige Spektakel in der Stierkampfarena ab  

Der Stierkampf wurde in Spanien schon um das Jahr 1800 als Zeitvertreib für Ritter eingeführt. Am Ablauf hat sich seitdem kaum etwas verändert. Jeder Kampf dauert 20 Minuten. Am Ende ist der Stier tot. Der Matador, der menschliche Gegner, wird dabei nur sehr selten ernsthaft verletzt, da der Kampf einer genau festgelegten Choreographie folgt. Neben dem Stier und dem Matador befinden sich noch zwei „Picaderos“ in der Arena, Reiter die den Stier mit Stechlanzen verletzten. 
 

Die drei Phasen des blutigen Stierkampf-Spektakels 

  1. Ein Stierkampf beginnt mit dem feierlichen Einzug der „Toreros“, der Personen, die es mit dem Stier aufnehmen werden. Der Matador reizt den Stier mit bunten Tüchern. Das berühmte rote Tuch kommt noch nicht zum Einsatz. Dem Stier ist die Farbe der Tücher völlig egal. Was ihn wirklich reizt, sind die beiden Reiter, die ihm kurze Lanzen in den Nacken stechen. Ihr Ziel ist es, seine Muskulatur so zu verletzten, dass er den Kopf nicht mehr heben kann. Dies erleichtert dem Matador später den Todesstoß.

  2. Im Verlauf des Stierkampfes wird der Stier mit den bunten Lanzen weiter verletzt. Diese haben an den Enden fünf Zentimeter lange Widerhaken, die sich im Stier verkrallen. Ist der Stier nicht angriffslustig genug, werden Lanzen mit längeren Widerhaken benutzt. Das Publikum feiert die Kämpfer mit lauten Olé-Rufen an. 

  3. Ist der Stier schließlich erschöpft und schwer verletzt, zieht der Matador das rote Tuch. In der Arena ertönt nun Musik, der sogenannte Paso Doble. Stierkampf-Fans vergleichen die letzte Phase des Kampfes gerne mit einem Tanz. Der Matador provoziert den Stier zu einem letzten Angriff und sticht ihm seinen Degen tief in den Nacken. Endlich hat der Matador den ungerechten Kampf gewonnen. Doch nur die wenigsten Stiere sind sofort tot. Schwer verletzt brechen sie in der Arena zusammen, bis ein Helfer erscheint und sie mit einem Dolchstoß ins Genick von ihrem Leiden erlöst. Jetzt entscheidet das Publikum durch Applaus, wie gut die Leistung des Matadors war. Wenn die Zuschauer laut jubeln, erhält er ein Ohr des getöteten Stiers als Trophäe. Der tote Stier wird aus der Arena gezogen. Vor dem Tor der Stierkampfarena wartet bereits der nächste. 
 

Das können Urlauber gegen den Stierkampf unternehmen

Der Stierkampf in Spanien gilt im Land als Tradition und ist durch die Bezeichnung als „nationales Kulturgut“ seit 2013 staatlich geschützt. Was die einen als Tradition bezeichnen, nennen Stierkampf-Gegner grausamste Tierquälerei. In Madrid befindet sich Spaniens größte Stierkampfarena. Urlauber sollten klar Stellung beziehen. 
 
„Gehen Sie nicht zu Stierkämpfen und unterstützen Sie keine Attraktionen, bei denen Tiere misshandelt werden oder nur für die menschliche Unterhaltung leiden müssen. Die Nachfrage bestimmt das Angebot“, fordert Dr. Anna Kirchner, Fachreferentin des Deutschen Tierschutzbundes.
 
Das können Sie im Spanienurlaub gegen den blutigen Stierkampf unternehmen:
  • Besuchen Sie keine Stierkampfveranstaltungen und Kampfstierzüchter.
  • Klären Sie Freunde und Bekannte, die nach Spanien reisen, über das Leid der Stiere auf.
  • Unterstützen Sie keine Reiseunternehmen, die Stierkampfbesuche als Attraktion in ihr Angebot mit aufgenommen haben.
  • Kaufen Sie keine Souvenirs, die Bezug auf den Stierkampf nehmen.
  • Zeigen Sie Ihren Unmut, wenn Ihnen im Urlaub ein Stierkampf von Hotel oder Reiseleitung empfohlen wird. 
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