Grundsatzurteil gefällt

Grundsatzurteil aus Leipzig: Das Kükentöten geht vorerst weiter

Sie können keine Eier legen und setzen zu wenig Fleisch an. Deshalb müssen sie sterben. Rund 45 Millionen Küken pro Jahr werden daher in Deutschland getötet. Ist das vereinbar mit dem Tierschutzgesetz? Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat jetzt ein Urteil gefällt.
 
Das Kükentöten geht weiter © shutterstock.com / Malgorzata Surawska
Das Kükentöten geht vorerst weiter
Für die Produktion von Eiern werden Legehennen gezüchtet. Weibliche Küken sind wertvoll, männliche nicht. Denn sie legen keine Eier und setzen kaum Fleisch an. Für die Hühnerwirtschaft sind sie daher wertlos und werden aus Gründen der Unwirtschaftlichkeit gleich nach dem Schlüpfen vergast.
 
Ist das vereinbar mit dem Tierschutzgesetz? Darüber lässt sich streiten. Denn Paragraf 1 des Tierschutzgesetztes besagt, dass keinem Tier „ohne vernünftigen Grund“ Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt werden darf. Ist die Unwirtschaftlichkeit von Tieren in der Landwirtschaft denn ein vernünftiger Grund?
 
Ausschnitt aus Tierschutzgesetz § 1
… Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
 

Das Bundesverwaltungsgericht fällt Grundsatzurteil

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat heute darüber entschieden, ob das Massentöten von Küken mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist. Das Urteil ist für Tierschützer ernüchternd:  Das Bundesverwaltungsgericht hat das massenhafte Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht vorerst noch als rechtmäßig bestätigt. Die wirtschaftlichen Interessen der Brütereien seien zwar allein kein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes. Da aber voraussichtlich in Kürze Verfahren zur Geschlechtsbestimmung der Tiere im Ei vorlägen, beruhe die bisherige Praxis "bis dahin aber noch auf einem vernünftigen Grund", urteilte das Gericht.


Geschlechtsbestimmung von Küken im Ei

Die frühzeitige Geschlechtsbestimmung im Brutei ist ein Weg, um das Kükentöten zu beenden. Das Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft fördert daher die Entwicklung von Verfahren, die die „In-ovo-Geschlechtsbestimmung“ möglich machen. Bereits im November 2018 wurde ein marktreifes Verfahren, das an der Uni Leipzig entwickelt wurde, vorgestellt. Ab 2020 soll es auch ersten Brütereien zur Verfügung gestellt werden.
 
Das Verfahren beruht auf einer Hormon-Analyse. Durch ein nadelspitzen-kleines Loch werden dem Hühnerei wenige Tropfen Flüssigkeit entnommen und untersucht. Ist darin ein spezielles Hormon nachzuweisen, so enthält das entsprechende Hühnerei einen weiblichen Embryo und kann ausgebrütet werden. Alle anderen Eier können aussortiert werden und kommen beispielsweise als Futtermittel in Frage. Die Messgenauigkeit des Verfahrens liegt bei 97 %.


Zweinutzungshuhn als Alternative zum Kükentöten

Um das massenhafte Töten von Küken zu verhindern, setzen sich Tierschützer für das sogenannte Zweinutzungshuhn ein. Dabei handelt es sich um eine unspezialisierte Rasse, die sowohl Eier legen kann, als auch für die Fleischgewinnung genutzt werden kann.


Die Bruderhahn-Initiative gegen das Töten von männlichen Küken

In der Bruderhahn-Initiative haben sich Landwirte und Eierproduzenten zusammengeschlossen, um dem sinnlosen Vernichten von Leben ein Ende zu setzen. Sie verkaufen die Eier 4 Cent teurer und nutzen den Zuschlag zu hundert Prozent dazu, auch männliche Küken aufzuziehen. Das Händlernetz finden Sie unter www.bruderhahn.de