Verstoß gegen Tierschutzgesetz

Tierquälerei in Bayern: In einem Milchviehbetrieb sollen Kühe grausam misshandelt werden

Wie ein Video eines Tierschutzvereins zeigt, werden in einem Milchviehbetrieb im Allgäu Kühe misshandelt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
 
Tierquälerei auf einem Milchviehhof in Bayern © shutterstock.com
Einem Milchviehhof in Bayern werden Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen. (Symbolbild)
Im Visier steht ein familiengeführter Milchviehbetrieb mit 1800 Milchkühen. Einem Tierschutzverein zufolge wird dort bereits seit Jahren gegen den Tierschutz verstoßen.


Was wird dem Milchviehbetrieb vorgeworfen?

Dem Milchviehbetrieb im schwäbischen Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu) wird schwere Misshandlung der Kühe vorgeworfen. So werden Kühe getreten und geschlagen und mit einem Traktor durch den Stall geschliffen. Das zeigt ein Video des Tierschutzvereins „Soko Tierschutz“, das den Medien zugespielt wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und prüft das Video auf Echtheit.
 
Darüber hinaus fiel der Milchviehhof bereits mehrmals wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz auf. So sollen kranke und abgemagerte Kühe im Strohstall verenden und Nottötungen nicht fach- und tierschutzgerecht durchgeführt worden sein. Außerdem soll den Kühen zu wenig Wasser und Futter zur Verfügung stehen.
 
Auch Amtstierärzte haben nach anonymen Hinweisen bereits Verstöße festgestellt. In den vergangenen Jahren sei der Milchviehhof bereits zehnmal unangekündigt kontrolliert worden, auch jährliche Kontrollen wurden durchgeführt. Festgestellte Mängel seien vom Betrieb immer beseitigt worden, teilte das Landratsamt Unterallgäu mit. Hinweise, die außerhalb der Kontrollen eingegangen seien, und die einen Verdacht auf eine Straftat ergeben hätten, seien angezeigt worden.


Welche Produkte werden aus den Erzeugnissen des Milchviehbetriebs gefertigt?

Die Milch des Milchviehhofs wird unter anderem von einer Käserei in Lauben verwertet. Produziert werden dort der bekannte Weichkäse „Cambozola“ und der Ofenkäse „Rougette“ ebenso wie Produkte der Marke „Weihenstephan“.
 
Außerdem berichtete die Süddeutsche Zeitung, dass kranke Kühe des Milchviehhofs von einer Großschlachterei in Buchloe verarbeitet und Teile mindestens eines kranken Tieres zum menschlichen Verzehr freigegeben worden seien.
 
Sowohl die Käserei als auch der Großschlachthof distanzieren sich von den Vorfällen und nehmen ab sofort keine Milch bzw. Kühe des Betriebs mehr an.
 
Das Bayerische Verbraucherministerium schaltet sich bereits ein. Ein Sonderbericht über den Betrieb bei der Regierung von Schwaben ist angefordert.


Reaktionen aus der Politik

"Hier steht kriminelles Verhalten im Raum. Tierquälerei ist nicht hinnehmbar", äußert der Bayerische Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) und betont gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR), dass es Sanktionen gegen den Milchviehhof geben werde, sollten tatsächlich Vergehen gegen das Tierschutzgesetz nachgewiesen werden.
 
Auch die SPD meldet sich zu Wort und fordert vom bayerischen Verbraucherschutzminister Glauber eine sofortige Aufklärung des Falls.
 
Ebenso lautet auch die Forderung der CSU, die befürchtet, dass der Fall dem Berufsstand der Landwirte schaden könne: Tierschutz sei wichtig und entsprechend müsse auch die Haltung der Nutztiere in Bayern sein.
 
Die Grünen sind über den Vorfall wenig überrascht. Die Skandale in bayerischen Lebensmittel- oder Agrarbetrieben seien so erwartbar wie "das nächste Sommergewitter", lautet es aus ihren Kreisen. Die staatliche Kontrollbehörde sei kein lernendes System, sondern stolpere von Skandal zu Skandal.