Diabetes mellitus bei Hunden

Diabetes bei Hunden bedeutet einen gefährlich hohen Blutzucker und bleibende Schäden ohne rechtzeitige Behandlung! Alle wichtigen Anzeichen für die Früherkennung der Krankheit sowie Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten haben wir hier für Sie zusammengefasst.
 
Diabetes mellitus bei Hunden. Was sind die Anzeichen? © Orawan - stock.adobe.com
Diabetes mellitus bei Hunden. Was sind die Anzeichen?
Eine Diabetes-Erkrankung bei Hunden fängt scheinbar harmlos an, der Hund hat immer mehr Durst und auch deutlich mehr Appetit. Dass er auch viel mehr pinkelt, wird anfangs kaum bemerkt. Tatsächlich wirkt der zuckerkranke Hund lange Zeit noch recht gesund. Da die meisten Hunde mit Diabetes mellitus auch bereits fortgeschrittenen Alters sind, fällt auch nicht auf, dass sie weniger leistungsfähig sind, mehr Ruhe brauchen und mehr schlafen als früher. Daher bleibt der Diabetes mellitus beim Hund lange unerkannt. Doch was ist Diabetes mellitus eigentlich?


Diabetes und der Blutzuckerspiegel des Hundes

Gekennzeichnet ist der Diabetes mellitus durch dauerhaft erhöhte Glukose-Werte im Blut. Glukose ist nichts anderes als Traubenzucker, der auch Hunden als wichtiger Energiespender dient und dem Körper der Hunde über die Nahrung zugeführt wird.

Normalerweise liegen die Glukosewerte beim Hund zwischen etwa 60 und 110 Milligramm Traubenzucker pro Deziliter Blut. Ab etwa 120 Milligramm Glukose pro Deziliter Blut spricht man von einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Ein kurzfristiger Anstieg des Blutzuckerspiegels nach einer Mahlzeit oder bei Aufregung ist völlig normal und unbedenklich. Wenn der Blutzuckerspiegel aber nicht mehr abfällt und dauerhaft erhöht ist, liegt wahrscheinlich Diabetes mellitus vor.

 Großer Durst gehört zu den ersten Symptomen eines Diabetes mellitus. © Taisa Korcak – stock.adobe.com


Insulin als Schlüssel für Diabetes bei Hunden

Verantwortlich für den Abfall des Blutzuckerspiegels beim gesunden Hund ist das Hormon Insulin. Die Beta-Zellen der Langerhans`schen Inseln in der Bauchspeicheldrüse bilden das Insulin und schütten es ins Blut aus, sobald der Blutzuckerspiegel ansteigt. Das Insulin öffnet wie eine Art Schlüssel besondere Portale der Körperzellen, durch die der Traubenzucker aus dem Blut in das Zellinnere abfließt. Die Zelle wird so mit Energie versorgt und der Blutzuckerspiegel sinkt.

Bei einer Erkrankung an Diabetes mellitus liegt bei Hunden entweder ein Mangel an Insulin oder eine Insulinresistenz vor. Bei der Insulinresistenz hat das Insulin seine Wirkung verloren: Es kann die Zellpforten für den Einstrom der Glukose nicht mehr öffnen. Ob nun Insulin fehlt oder seine Wirkung verloren hat, in beiden Fällen staut sich die Glukose im Blut. Der hohe Blutzuckerspiegel schadet den Blutgefäßen und beeinträchtigt die Durchblutung. Da die Glukose als Energiespender nicht zur Verfügung steht, verbrennen die Zellen Fette und Eiweiße.


Ursachen und Folgen von Diabetes bei Hunden

Was genau die Zuckerkrankheit beim Hund verursacht, ist noch nicht völlig geklärt. Eine erbliche Veranlagung spielt eine gewisse Rolle. Denn bestimmte Rassen, wie zum Beispiel Samojeden, Cairn und Tibet Terrier sind häufiger von Diabetes mellitus betroffen als andere.

Mögliche Folgen eines dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegels sind:
  • Durchblutungsstörungen,
  • Wundheilungsstörungen,
  • grauer Star,
  • Infektionsanfälligkeit durch Abwehrschwäche,
  • häufige Harnblasenentzündungen,
  • Muskelschwund,
  • viele andere gesundheitliche Beeinträchtigungen
Sehr hohe Blutzuckerspiegel (450 Milligramm Glukose pro Deziliter Blut) können ein lebensbedrohliches Zuckerkoma (diabetische Ketoazidose) verursachen. 
 
Besonderheit: Läufigkeitsdiabetes bei Hündinnen
Der sogenannte Läufigkeitsdiabetes bei intakten Hündinnen ist eine Sonderform der Zuckerkrankheit, denn nach der Läufigkeit  sinkt der Blutzuckerspiegel bei den meisten dieser Hündinnen wieder. Ist das nicht der Fall, kann eine rechtzeitige Kastration die Erkrankung an Diabetes mellitus verhindern. Wird die Hündin nicht rechtzeitig kastriert, wird der Diabetes mellitus manifest, das heißt, die Hündin wird unheilbar zuckerkrank. Hündinnen, die während der Läufigkeit oder in der anschließenden Zyklusphase viel trinken und große Harnmengen produzieren, sollten daher auf jeden Fall umgehend tierärztlich untersucht werden.


Symptome von Diabetes bei Hunden

Zu den ersten Symptomen gehören andauernd starker Durst (Polydipsie) und große Harnmengen (Polyurie). Der ständige Energiemangel der Körperzellen führt außerdem zu einem Verlust an Körpergewicht, obwohl die Tiere gut fressen. Später im Verlauf der Krankheit können dann auch noch die bereits genannten Folgeerkrankungen auftreten. Diese Symptome können aber auch auf andere chronische Erkrankungen wie beispielsweise eine Niereninsuffizienz oder einen Morbus Cushing hinweisen.

 Wenn der Hund deutlich abnimmt, obwohl er gut frisst, kann auch das auf die Zuckerkrankheit hindeuten. © Jnis – stock.adobe.com


Diabetesdiagnostik bei Hunden

Ein Diabetes mellitus gilt als sicher diagnostiziert, wenn der Tierarzt bei einem nüchternen Hund mehrmals Blutzuckerwerte von mehr als 150 Milligramm Glukose pro Deziliter Blut misst. Die mehrmalige Messung wird empfohlen, weil der Blutzucker einmalig erhöht sein kann. Das kann beispielsweise passieren, wenn der Hund vor der Blutabnahme unbemerkt etwas gefressen hat. Aus diesem Grund wird bei der Diabetesdiagnostik in der Regel auch der „Langzeit-Blutzucker-Wert“, das Fruktosamin gemessen. Die Fruktosaminwerte sind nur dann erhöht, wenn auch der Blutzuckerspiegel seit längerer Zeit zu hoch liegt. Ab einem Wert von 225 Mikromol pro Liter Blut besteht ein starker Verdacht auf Diabetes mellitus.

 Diabetes mellitus wird mithilfe von Blutuntersuchungen diagnostiziert. © Elnur – stock.adobe.com


Insulin-Behandlung bei Hunden

Wenn die Zuckerkrankheit diagnostiziert wurde, muss der Hund lebenslang mit Insulin versorgt werden. Das geht nur per Spritze, weil Insulin nicht geschluckt werden kann – es würde sofort verdaut werden und wäre dann unwirksam. Eine Therapie mit Tabletten wie bei Menschen mit bestimmten Diabetesformen wirkt beim Hund nicht.

Das Spritzen ist anfangs etwas ungewohnt; es gehört aber bald ganz selbstverständlich zur täglichen Routine für Hund und Mensch. Jeder Hund hat einen individuellen Insulinbedarf. Um die individuelle Dosis zu ermitteln, verschreibt der Tierarzt zunächst eine niedrige Dosierung. Nach vier bis sieben Tagen wird der Blutzuckerwert des Hundes erneut gemessen und der Hundebesitzer beschreibt dem Tierarzt, ob und wie sich die Symptome des Hundes geändert haben. Ist Blutzuckerwert noch zu hoch oder zeigt der Hund noch Symptome der Zuckerkrankheit, wird die Dosis schrittweise erhöht, bis der Ziel-Blutzuckerwert beziehungsweise eine Symptomfreiheit erreicht wurde.
 
Notfall: Unterzuckerung bei Hunden
Bei einem Blutzuckerspiegel von unter 50 Milligramm pro Deziliter Blut besteht eine gefährliche Unterzuckerung oder Hypoglykämie. Die Symptome der Unterzuckerung Unruhe, Schwäche, Zittern, Krampfanfälle und schließlich Bewusstlosigkeit treten eine Viertelstunde bis zu sechs Stunden nach der letzten Insulingabe auf. In diesen Fällen sollte man sofort den Blutzucker messen, dem Hund als Erste-Hilfe-Maßnahme etwas fein zermahlenen Traubenzucker auf die Maulschleimhaut geben und dann sofort eine Tierarztpraxis aufsuchen. Zur Unterzuckerung kann es beispielsweise durch eine versehentliche Überdosierung des Insulins, eine mangelnde Futteraufnahme (Appetitlosigkeit), Erbrechen, Überanstrengung oder fieberhafte Allgemeinerkrankungen kommen.


Diabetes bei Hunden: Wichtig ist ein konstanter Tagesablauf

Grundsätzlich sollte der Blutzucker regelmäßig kontrolliert werden, um Änderungen frühzeitig festzustellen. Mit den modernen Messgeräten ist das auch einfach zu Hause möglich. Ein konstanter Tagesablauf hilft dabei, den Blutzuckerspiegel des Hundes in den gewünschten Grenzen zu halten. Insbesondere feste Fütterungszeiten sind wichtig, weil das Insulin kurz vor oder nach der Fütterung verabreicht wird.

Welches Futter dem vierbeinigen Diabetiker am besten bekommt, ist individuell unterschiedlich. Ein hoher Rohfaser- und Eiweißgehalt helfen dabei, den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Stärke- und zuckerreiche Futter sind ebenso tabu wie süßes Obst oder gar Süßigkeiten. Hunde mit Übergewicht  sollten unter tierärztlicher Aufsicht abnehmen, abgemagerte Hunde müssen aufgepäppelt werden. Die Insulindosis muss dabei laufend an das aktuelle Gewicht des Hundes angepasst werden.

Sobald der Hund sein individuelles Idealgewicht erreicht hat, sollte der Energiegehalt der Mahlzeiten in etwa gleichbleiben. Schwankungen im Kaloriengehalt beeinflussen den Blutzuckerspiegel und können dazu führen, dass die übliche Insulindosis nicht mehr stimmt. Daher sollte man beim zuckerkranken Hund auch peinlich genau darauf achten, dass er nicht unkontrolliert mit Leckerli verwöhnt wird.

 Die Augenkrankheit grauer Star kann durch Diabetes mellitus verursacht werden. © ShutterDivision – stock.adobe.com
 
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