Qualzucht? Bei diesen Katzenrassen ist Vorsicht geboten!

Süß, begehrt, krank – das ist das Schicksal vieler Katzen, deren Rassestandard ihre eigene Gesundheit und Lebensqualität bedroht. Die Zucht und Anschaffung solcher Rassen muss kritisch hinterfragt werden.
 
 
Sphynx Katze © Shutterstock.com/Jesus Vivas Alacid
Völlige Haarlosigkeit zählt als Qualzucht.
Einige Rassekatzen verbindet das gleiche Leid: Nach menschlichem Schönheitsideal geformt, körperlichen Einschränkungen ausgesetzt, in ihrem natürlichen Verhaltensrepertoire eingeschränkt. Solch extreme Züchtungen sind nach § 11b des Deutschen Tierschutzgesetzes verboten, sofern den Katzen durch die Zucht Körperteile oder Organe fehlen, diese untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden, Schäden oder erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten.
 
Die Bundestierärztekammer appelliert seit Jahren an alle Tierfreunde mit Herz und Verstand, keine Katzenrasse mit Qualzuchtmerkmalen anzuschaffen.
 

1. Geknickt und deformiert: Scottish Fold

Mit ihren nach vorne gefalteten Ohren und den großen Kulleraugen passt die beliebte Scottish Fold genau ins Kindchenschema. Mit den charakteristischen Faltohren geht jedoch die schwere, bislang unheilbare Erbkrankheit Osteochondrodysplasie (OCD) einher. Verantwortlich für die Faltohren ist eine Genmutation, die Knorpel und Knochen des gesamten Körpers beeinflusst.
Folgende Symptome gehen mit der fortschreitenden Erbkrankheit OCD einher:
  • Lahmheit
  • verdickte Gelenke an allen Gliedmaßen
  • Berührungsschmerz
  • Bewegungsunlust
  • Arthrosen
  • abnormale Gangart

Für die Gesunderhaltung der Rasse werden keine rasseverwandten Tiere gekreuzt, stattdessen kreuzt man bevorzugt Britisch-Kurzhaar-Katzen ein. Dadurch ging die Häufigkeit der Knochendeformationen zwar zurück, die Bundestierärztekammer fordert jedoch trotzdem ein Verbot der Zucht, da mit dem Merkmal „Kippohr“ willentlich eine Erkrankung der Katze in Kauf genommen wird.
 
Scottish Fold
Knickohren sind typisch für die Scottish Fold. ©stock.adobe.com/dionoanomalia
 

2. Atemlos durchs Leben: Perser & Exotic Shorthair

Auf Kurzköpfigkeit (Brachyzephalie) wird vor allem bei Perserkatzen und Exotic Shorthair gezüchtet. Kennzeichnend ist hier der große, rundliche Kopf mit kräftig entwickelter Backenpartie. Die Nase ist kurz und breit, mit ausgeprägtem Stop. Die Nasenlöcher stehen dicht beieinander und sind verengt. Als Extremform gilt die Stupsnase (Pekeface), von der durch die Bundestierärztekammer dringend abgeraten wird.

Die Folgen sind für die betroffenen Katzen gravierend. Sie leiden vermehrt unter Zahnfehl- stellungen, ihr Nasengang ist so verengt, dass sie nur eingeschränkt atmen können. Die Konstitution – insbesondere in den warmen Sommermonaten – ist durch diese Kurzatmigkeit eingeschränkt. Die hervortretenden Augen sind ständigen Reizungen ausgesetzt, wodurch es zu Bindehautentzündungen und Augenausfluss kommen kann.
 
Perser
Viele Pekeface-Katzen bekommen schlecht Luft. ©stock.adobe.com/Alexander Ruiz
 

3. Hoppeln statt Laufen: Munchkin

Die Munchkin wird wegen ihrer extrem verkürzten Beine auch als Dackelkatze bezeichnet. Heute weiß man, dass die Ursache für den disproportionierten Zwergenwuchs in einer Erbkrankheit begründet liegt, die zu einer Verkürzung der Gliedmaßen führt. Bei der Munchkin wird gezielt auf dieses Merkmal gezüchtet: Dabei sind die Nachkommen von rein-erbig gepaarten Munchkins nicht lebensfähig und sterben bereits im Mutterleib.
 
Munchkin
Munchkin Katzen haben extrem kurze Beine. ©stock.adobe.com/otsphoto
 

4. Haarlos ist nicht harmlos: Sphynx & Co.

Bei Katzen wie der Sphynx, der Devon Rex oder der Lykoi wird gezielt auf Anomalien des Haarkleids gezüchtet. Diese zeichnen sich durch ein gestörtes Haarwachstum bis hin zur völligen Haarlosigkeit aus. Durch das fehlende Haarkleid sind Nacktkatzen Zugluft, Kälte und Hitze schutzlos ausgeliefert. Die Tasthaare betroffener Katzen sind verkürzt, gekräuselt oder fehlen gleich ganz. Damit geht den Katzen ein wichtiges Sinnesorgan verloren. Kommunikation über Körpersprache ist Nacktkatzen nicht möglich.
 
Der Verlust ihrer Schnurrhaare ist laut einem Gerichtsurteil aus dem Jahr 2015 als Schaden für die Katze und damit als Qualzucht anzusehen: Eine Züchterin aus dem Berliner Raum hielt und züchtete haarlose Canadian-Sphynx- Katzen. Ihrem Zuchtkater fehlten die Tasthaare am ganzen Körper sowie die Haarfollikel in der Haut. Das Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt des Bezirksamts Spandau untersagte ihr daraufhin die weitere Zucht und forderte sie auf, den Kater kastrieren zu lassen. Die Züchterin legte Widerspruch ein, musste sich aber letztlich geschlagen geben.

 
Sphynx
Keine Tasthaare sind ein Merkmal für Qualzucht. ©stock.adobe.com/drakuliren
 

5. Schwanz und glanzlos: Manx & Co.

Kurzschwänzigkeit oder Schwanzlosigkeit zeichnen sich durch eine unterschiedlich ausgeprägte Verkürzung der Schwanzwirbelsäule aus. Man unterscheidet:
  • verkürzte aufgerollte Schwänze
  • kurze gerade Schwänze (tailed)
  • Stummelschwänze (rumpy rise, stumpy)
  • völlig schwanzlose Katzen (rumpy)
 
Zu den kurzschwänzigen beziehungsweise schwanzlosen Rassen zählen unter anderem Manx, Cymric und die Japanese Bobtail. Der Schwanz dient der Katze zum Ausbalancieren beim Laufen, Springen und Klettern und nicht zuletzt als Kommunikationsmittel – sein Verlust schränkt Katzen also deutlich in ihrem Verhaltensrepertoire ein.
 
Manx
Der Schwanz ist ein wichtiges Körperteil für Katzen. ©shutterstock.com/Robynrg