Nymphensittiche als Mitbewohner

Nymphensittiche richtig halten

Nymphensittiche sind gesellige und muntere Vögel, die man mit einiger Sachkenntnis gut halten kann. Erfahren Sie hier, was bei der Haltung von Nymphensittichen zu beachten ist und informieren Sie sich über Lebenserwartung, Rassen, Geschlechter-Bestimmung und Haltung mit anderen Tieren.
 
Nymphensittiche richtig halten © shutterstock
Wenn Sie Nymphensittiche halten, sollten sie mindest zu zweit sein.
Nymphensittiche sind Papageien. Optisch erinnern Nymphensittiche an Sittiche, gehören aber innerhalb der Papageienordnung zu den Kakadus. Nymphensittiche leben in Australien und bewohnen fast den ganzen Kontinent.


Passen Nymphensittiche zu mir?

Die Haltung von Nymphensittichen macht viel Freude – wenn man sich mit den Vögeln auskennt und weiß, was sie zum glücklich sein brauchen. Mit dieser Checkliste können Sie überprüfen, ob die Nymphensittich-Haltung das Richtige für Sie ist:
  • Bei mir werden mindestens zwei Nymphensittiche einziehen. Mir ist bewusst, dass ich die Vögel nicht allein halten darf.
  • Ich weiß, dass Nymphensittiche einen sehr großen Käfig brauchen. Platz dafür habe ich in meiner Wohnung.
  • Ich kann die Nymphensittiche sogar in einem eigenen Vogelzimmer unterbringen.
  • Nymphensittiche können sehr laut werden und sogar schreien. Das stört weder mich noch meine Familie, meine Nachbarn oder meinen Vermieter .
  • Mir ist klar, dass die Haltung von Nymphensittichen auch „Schmutz“ bedeutet, z.B., wenn sich die Vögel mausern. Ich muss öfters putzen und habe ab und zu Federn, Kot und Körnerreste in der Wohnung.
  • Wenn ich verreise, habe ich jemanden, der sich gut um meine Nymphensittiche kümmert.
  • Ich kenne weiterhin einen vogelkundigen Tierarzt in der Nähe, der mir hilft, wenn meine Nymphensittiche krank sind.
  • Nymphensittiche können bis zu 20 Jahre alt werden. Manche haben sogar eine Lebenserwartung von 30 Jahren – solange kann und werde ich mich um die Tiere kümmern.
Können Sie all diese Punkte mit „Ja“ beantworten? Dann steht einem Einzug von Nymphensittichen nichts mehr im Wege. Dann lesen Sie jetzt, was Sie bei Kauf, Käfiggröße, Freiflug, Ernährung, Rasse und Verhalten wissen sollten.

Nymphensittich handzahm
Nymphensittiche sind freundliche Heimvögel, die bei guter Haltung zahm - und alt - werden. © shutterstock
 

Der Kauf von Nymphensittichen

Beim Kauf von Nymphensittichen sollten Sie genau hinsehen. Nymphensittiche haben eine Lebenserwartung von bis zu 20 Jahren – Sie werden also bestenfalls eine lange Zeit mit den Nymphensittichen verbringen. Eine sorgfältige Auswahl ist daher wichtig.
 
Als erstes sollten Sie sich im Tierheim in Ihrer Nähe nach Nymphensittichen erkundigen. Manchmal werden hier Paare abgegeben. So geben Sie verlassenen Nymphensittichen noch die Chance auf ein neues Zuhause.
 
Entscheiden Sie sich für einen Neukauf, können Sie sich bei einem guten Züchter umsehen oder in den Zooabteilungen großer Gartencenter umsehen. Lassen Sie sich dabei Zeit. Achten Sie beim Kauf von Nymphensittichen auf folgende Dinge:
  • Der Käfig, in dem die Nymphensittiche untergebracht sind, sollte sauber und hell sein. Es gibt frisches Wasser, Futter und frische Einstreu aus Sand.
  • Die Nymphensittiche sind munter und verhalten sich entspannt.
  • Schnabel, Kloake und Füße der Nymphensittiche haben keine Auflagerungen, sind also parasitenfrei.
  • Die Füße der Nymphensittiche sind beringt.
  • Der Verkäufer nimmt sich Zeit, beantwortet Ihre Fragen rund um die Nymphensittiche und gibt kompetent Auskunft.


Nymphensittich-Rassen

Nymphensittiche sind von Natur aus grau. Mittlerweile werden Nymphensittiche aber in verschiedenen Farbschlägen gezüchtet. Welche Rasse man sich zulegt, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Hier eine kleine Auswahl an Nymphensittich-Rassen: 
  • naturfarben oder wildfarben: Natur- oder wildfarbene Nymphensittiche sind grau. Die Männchen tragen eine leuchtend gelbe Maske. Weibchen haben die typische Querbänderung an der Schwanzunterseite.
  • Lutino: Diese Rasse erkennt man an dem zart gelben, fast weißen Gefieder.
  • Albino: Bei dieser Nymphensittich-Rasse fehlen die Farbpigmente. Das Gefieder ist weiß.

Nymphensittiche Rassen
Verschiedene Nymphensittich-Rassen sitzen zusammen. © shutterstock
 

Das Geschlecht des Nymphensittichs bestimmen

Dass Nymphensittiche nicht allein gehalten werden dürfen, ist klar. Wer nicht züchten möchte, kauft gleichgeschlechtliche Paare: zwei Männchen oder zwei Weibchen. Das Geschlecht lässt sich bei Nymphensittichen aber nicht immer ganz einfach bestimmen. Bei naturfarbenen Nymphensittichen, die älter als sechs Monate sind, ist das gut möglich: Hähne haben eine gelbe Maske, Hennen nicht. Sie verfügen dabei über das Muster auf der Schwanzunterseite.
 
Bei Nymphensittichen hilft leider kein Blick auf die Schnabel-Wachshaut, wie es zum Beispiel bei Wellensittichen der Fall ist. Und so lassen sich die Geschlechter bei Farbschlägen wie Lutino oder Albino nur schwerer bestimmen. Eine Möglichkeit ist, das Verhalten der Nymphensittiche zu studieren: Hähne balzen und singen etwas melodischer als Hennen. Oft hat man beim Kauf von Nymphensittichen aber nicht genug Zeit, das Verhalten lange zu beobachten und die Analyse ist auch nicht einhundertprozentig. Schlussendlich kann die Geschlechterbestimmung von Nymphensittichen nur sicher der Tierarzt per DNA-Analyse durchführen.


Der Nymphensittich-Käfig

Beim Nymphensittich-Käfig gilt: Viel Platz und je größer desto besser. Der Käfig sollte mindestens 200 x 60 x 150 cm (B x T x H) sein – für ein Paar Nymphensittiche. Umso mehr Nymphensittiche, desto größer die Voliere. Dazu gehört die tägliche Möglichkeit des ausgiebigen Freiflugs. So sieht der optimale Nymphensittich-Käfig aus:
  • Die Käfigform muss eckig sein, bitte keinesfalls rund. Darin können sich die Nymphensittiche schwer bewegen
  • Die Gitterstäbe des Käfigs verlaufen waagerecht, damit die Nymphensittiche klettern können
  • Die Farbe der Käfig-Gitterstäbe ist am besten dunkel
  • Das Käfig-Material sollte ungiftig sein. Bei Metall bitte auf „Zink- und Schwermetallfrei“ achten
  • Der Käfig sollte mit passendem Spielzeug und reichlich Knabber- und Klettermöglichkeiten spannend eingerichtet sein
Den Standort des Käfigs wählen Sie am besten nahe an einem Fenster, damit die Nymphensittiche so viel Tageslicht wie möglich bekommen. In der dunklen Jahreszeit sind spezielle UV-Vogellampen angebracht. Der Käfig-Standort sollte zugluftfrei sein. Stellen Sie den Käfig so, dass die Nymphensittiche alles überblicken können. Ideal ist es auch, wenn die Nymphensittiche nicht allein sind, gerade, wenn Sie sich nur ein Paar halten. Ein guter Käfigstandort ist daher meistens auch im Wohnzimmer – dem Ort, an dem Sie sich meistens aufhalten.
 
Hier ein Blick in eine gut gestaltete Nymphensittich-Voliere:

 


Nymphensittiche draußen halten

Eine Möglichkeit, mehrere Nymphensittiche unterzubringen, ist die ganzjährige Außenhaltung in der Voliere. Wichtig für die Haltung draußen ist ein beheizbares Schutzhaus. Das Schutzhaus sollte groß genug, hell und attraktiv eingerichtet sein. Nur dann ziehen sich die Nymphensittiche bei niedrigen Temperaturen dahin gern zurück. Sind die Nymphensittiche draußen untergebracht, muss der Käfig so gestaltet werden, dass die Vögel genügend Platz zum Fliegen haben. Ausbruchssicher und sicher vor Wildtieren sollte die Voliere ebenfalls sein. Da Nymphensittiche eine hohe Lebenserwartung haben, sollten Sie beim Bau gleich auf Langlebigkeit und gute Qualität bei den Materialien achten.

Nymphensittiche in Außenvoliere
Nymphensittiche in einer Außen-Voliere.  © shutterstock
 

Das richtige Futter für Nymphensittiche

Körnchen in den Napf und fertig? Das richtige Futter für Nymphensittiche sieht anders aus. So stellen Sie ein ausgewogenes Futter zusammen.
  • Fertiges Körnerfutter: An sich ist handelsübliches Fertigfutter für Nymphensittiche nicht falsch. Es sollte aber ergänzt werden. Geben Sie Gras- und Wildsamen, Ölsaaten (geschälte Sonnenblumenkerne, Haselnüsse, Walnüsse) dazu. Achtung: Aufgrund des hohen Fettgehalts Ölsaaten bitte nur einmal wöchentlich verfüttern, da der Nymphensittich sonst zu dick werden könnte.

  • Obst und Gemüse: Ein Drittel der täglichen Futterration für Nymphensittiche sollte aus Obst und Gemüse, Küchenkräutern, Wildpflanzen, Knospen, Blättern und Zweigen bestehen. Achtung: Avocados sind hochgiftig – bitte niemals verfüttern! Vor dem Verfüttern bitte alles gründlich waschen.

  • Mineralstoffe: Den Mineralstoffbedarf von Nymphensittichen decken Kalksteine, Sepiaschalen und  fein gemörserte Eierschalen. Bevor Sie Eierschalen verfüttern, diese bitte im Backofen bei 100 Grad erhitzen, um Keime abzutöten. Achtung: Bei Sepiaschalen handelt es sich um den Rückenschulp des Gewöhnlichen Tintenfischs, der im Salzwasser lebt. Das Salz schädlich für Nymphensittiche ist, bitte die Schalen ein bis zwei Tage vorher wässern.

  • Eiweiß: Füttern Sie Ihre Nymphensittiche einmal pro Woche (bei Vögeln über 10 Jahren alle zwei Wochen) mit wenig Joghurt, Magerquark, einem kleinen Stück gekochten Ei oder einem Teelöffel Aufzuchtsfutter mit getrockneten Insekten. Achtung: Bitte nicht zu viel Eiweiß an Nymphensittiche verfüttern, da es sonst zu Nierenerkrankungen kommen kann.

  • Füttern in der Mauser: Nymphensittiche mausern sich mehrmals im Jahr. Die Mauser ist wichtig, denn dabei wird das Gefieder neu gebildet. In dieser Zeit verbrauchen Nymphensittiche viel Energie und verspüren oft einen Juckreiz im Gefieder. Manche Nymphensittiche brauchen dann vermehrt Ruhe und mehr Pausen. Mit viel Frischfutter können Sie Ihren Nymphensittichen helfen, die Mauser gut zu überstehen. Außerdem können Sie zweimal wöchentlich eine Messer Messerspitze Eiweiß von einem 20 Minuten lang gekochtem Hühner-Ei geben. Achtung: Mausert der Nymphensittich nicht oder gerät die Mauser ins Stocken, bitte einen vogelkundigen Tierarzt befragen.

Nymphensittiche füttern
Für Nymphensittiche reicht Körnerfutter allein nicht aus.  © shutterstock
 

Das Verhalten von Nymphensittichen

Nymphensittiche sind gesellige Vögel und dürfen nicht allein gehalten werden. Tut man das doch, können die Vögel schwere Verhaltensstörungen entwickeln wie Schreien oder Federrupfen entwickeln. Aber auch sonst gibt es einige Dinge im Verhalten von Nymphensittichen, die Sie wissen sollten.
 
  • Wenn Nymphensittiche schreien: Dieses Verhalten sollten Sie unbedingt ernst nehmen. Wenn Nymphensittiche ständig schreien, ist das ein Zeichen für einen unglücklichen Vogel. Oft zeigt sich dieses Verhalten bei einzeln gehaltenen Vögeln. Aber auch Nymphensittiche, die sich langweilen können sich zum Schrei-Vogel entwickeln. Daher sollten Sie auch immer genügend Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb und außerhalb des Käfigs anbieten (Freisitze, frische Zweige zum Benagen, Spielzeug mit Glöckchen und Perlen, Schaukeln sowie Klettermöglichkeiten).

  • Wenn Nymphensittiche nagen: Nymphensittiche haben einen ausgeprägten Nagetrieb . Das ist kein Fehlverhalten, sondern gehört zum natürlichen Verhalten der Vögel dazu. Damit der Nymphensittich nicht Ihre Tapete oder die Möbel zerlegt, sollten Sie ihm ausreichend frische Zweige, Kork, Balsaholz oder Naturkautschuk zur Verfügung stelle

  • Wenn Nymphensittiche drohen: Der Nymphensittich hackt mit geöffnetem Schnabel in die Luft – dieses Verhalten haben Sie schon einmal beobachtet? Das ist kein Anlass zur Sorge, denn so tragen Nymphensittiche untereinander kleine Kämpfe aus. Erst wenn sich die Nymphensittiche ernsthaft gegenseitig verletzen sollten, müssen Sie einschreiten. Das kommt aber zum Glück selten vor.

  • Wenn Nymphensittiche beißen: Beißt der Nymphensittich Sie, wenn Sie ihn zum Beispiel auf den Finger setzen wollen, ist das ein sehr unangenehmes Verhalten. Sie sollten den Vogel aber keinesfalls schimpfen. Setzen Sie den Nymphensittich in dem Fall ruhig ab, drehen Sie ihm den Rücken zu und verlassen Sie gegebenenfalls das Zimmer. Versuchen Sie es erst dann wieder, wenn der Nymphensittich ruhig und entspannt ist. Arbeiten Sie mit Leckerli und verlieren Sie nicht die Geduld – dann gehört dieses Verhalten sicher bald der Vergangenheit an.

  • Wenn Nymphensittiche die Haube aufstellen: Die Nymphensittich-Haube gibt Aufschluss über das Wohlbefinden der kleinen Kakadus. Steht die Haube senkrecht nach oben aufgerichtet, geht es dem Nymphensittich gut. Bläst der Nymphensittich dazu die Backenfedern auf, will er ruhen. Legt er dazu die Backenfedern an, ist er besonders aufmerksam und wach. Macht sich der Nymphensittich schlank und richtet die Haube nach vorn aus, fürchtet er sich vor irgendetwas. Legt der Nymphensittich die Haube eng an und wird auch sonst ganz „dünn“, fühlt er sich nicht wohl oder hat Angst.


Nymphensittiche und andere Heimtiere

Nymphensittiche können gut mit anderen Vögeln zusammen gehalten werden. Auch Kleintiere sind für Nymphensittiche kein Problem.
 
Nymphensittiche und andere Vögel:
Die Haltung mit anderen Vögeln ist bei Nymphensittichen möglich. Mit Wellensittichen zum Beispiel vertragen sich Nymphensittiche gut. Wichtig ist, dass die Vögel in einer großen Voliere untergebracht sind und eigene Rückzugsmöglichkeiten haben. Nymphensittiche vertragen sich neben Wellensittichen meist auch gut mit Prachtfinken oder Kanarienvögeln.
 
Nymphensittiche mit Hund und Katze:
Bei größeren Hunden und solchen, die einen ausgeprägten Jagdtrieb haben, ist Vorsicht geboten. Hier können Nymphensittiche leicht verletzt werden. Katzen und Nymphensittiche sind ebenfalls keine gute Kombination. Die Vögel stellen für Katzen eine spannende Beute dar und ihnen das abzugewöhnen, ist fast nicht möglich.
Sind die Nymphensittiche aber zum Beispiel in der Außenvoliere untergebracht und Hund oder Katze Wohnungs-Tiere, begegnen sich die Tiere wahrscheinlich kaum. Hier wäre eine gemeinsame Haltung durchaus möglich. Vorsicht und besondere Aufsicht sind aber trotzdem geboten, da Hunde ja auch mal im Garten buddeln und auch die stillste Indoor-Katze nach draußen schleichen kann.
 
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