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Fische einsetzen

Der Umzug in ein neues Heim bedeutetet auch für Fische vor allem eines: Stress! Zusätzlich müssen sie sich auf ihre neue Umgebung und neue Wasserwerte einstellen.
 
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Geduld ist gefragt: Fische richtig einsetzen

Achtung: Überlebensstrategien

Selbstverständlich haben auch Fische so ihre Methoden, sich bei echter oder auch vermeintlicher Gefahr zu schützen und/oder zu verteidigen. Für unsere Aquariumbewohner gilt das natürlich ebenso. Da gibt es die Möglichkeit der Flucht und der Tarnung, einige Arten ziehen jedoch direktere Strategien vor und können da schon mehr oder weniger unangenehm (auch für uns) werden. Beliebtes, weil erprobtes Mittel: Gift. Im Zusammenhang mit Stacheln kann das sehr schmerzhaft werden. Da ist für uns Vorsicht geboten und – bei einem Umzug oder einer Reise – dürfen potenzielle Mitbewohner oder Mitreisende derlei nicht ausgesetzt werden.

Bekanntestes Beispiel sind Welse, insbesondere alle Arten von Panzerwelsen. Wer sie schon einmal mit der Hand gefangen hat, machte vielleicht schon eindringlich Bekanntschaft mit dem Stachel gemacht, der direkt vor der Rückenflosse platziert ist.

Zusätzlich sondern Panzerwelse unter Stress Gifte ab, um sich zu verteidigen. In einem Transportbeutel mit vergleichsweise wenig Wasser kann die Konzentration dieser Gifte so hoch werden, dass andere Tiere dadurch sterben, oder zumindest stark in Mitleidenschaft gezogen werden können.
Daher Panzerwelse nicht mit anderen Fisch- oder Tierarten gemeinsam eintüten, sondern nur Fische ihrer Art. Als Schwarmfische ist es für die Tiere angenehmer zu zweit (bei erwachsenen Welsen) oder bei Jungtieren je nach Größe zu dritt oder zu mehreren zu reisen.

Fische richtig fangen und transportieren

Fische sollten wenn möglich nicht mit der Hand gefangen werden. Ideal ist ein feinmaschiger Kescher und Gelassenheit. Das gilt für Fangaktionen generell. Die stressfreieste Methode ist es, den Kescher in einigem Abstand vor dem jeweiligen Kandidaten zu platzieren und ihn mit einem anderen Hilfsmittel vorsichtig in den Kescher zu manövrieren. Das geht auch ähnlich mit freischwimmenden Fischen. Mit etwas Geschick lassen sie sich natürlich auch von hinten einfach überraschen und herausfangen. Das geht meist schneller, als mit dem Kescher hinter dem jeweiligen Fisch herzujagen und ihn somit ggf. verrückt zu machen. Manchmal lässt sich das zwar nicht vermeiden, doch wir sollten bemüht sein, die Fangaktion so ruhig wie möglich zu gestalten.

Die praktischen Kunststoffbeutel mit länglicher Form und abgerundeten Ecken sind natürlich ideal für den Fischtransport. Die gute Erfindung hat sich mittlerweile im gesamten Aquaristikbereich durchgesetzt. Allerdings sind die Beutel durchsichtig. Eingeschlagen in eine Zeitung oder eine kleine Decke wird der Innenraum abgedunkelt, so dass die Insassen wesentlich ruhiger sind und den stark wechselnden Außenreizen nicht so stark ausgesetzt sind. Außerdem befinden sie sich schließlich auch noch in einer Situation, in der keine Möglichkeit besteht, Schutz zu finden.

Sind die Reisenden sehr empfindlich, besteht die Möglichkeit, einen Zusatz ins Wasser zu geben. Einige Medikamente für Fische sind in geringer Dosis dazu geeignet, den Stress der Tiere zu senken, auf die Schleimhäute positiv einzuwirken, falls es doch zu kleineren Verletzungen kommt. Letztlich auch, um das Immunsystem zu stärken, das unter starkem Stress doch sehr leidet. Bakterien sollten diese Schwäche nicht so leicht für sich nutzen können.

Geduld ist gefragt: Fische richtig einsetzen

Am Zielort angekommen, sollten Sie die Tiere keinesfalls einfach ins Aquarium geben. Besonders in ihrem gestressten Zustand kann dies ein Schock sein, der auch tödlich verlaufen kann. Fische benötigen etwas Zeit zur Eingewöhnung – etwa eine halbe Stunde – um sich an die Temperatur zu gewöhnen, die ja auch den Stoffwechsel mit beeinflusst, sowie die neuen Wasserparameter.

Je nachdem wie lange die Reise gedauert hat, ist auch der Sauerstoffgehalt im Transportbeutel. Davon hängt es ab, wie schnell der Beutel geöffnet werden muss. Bei einem großem Transport mit vielen Tieren kann man die Beutel erst einmal noch geschlossen auf die Wasseroberfläche legen, dann gleicht sich schon einmal die Temperatur an. Dann müssen sie vorsichtig geöffnet werden und etwa alle fünf bis zehn Minuten wird etwas Wasser aus dem Aquarium selbst hineingegeben. Dies solange weiterführen, bis es der größeren Menge Wasser im Beutel entspricht. Auf diese Weise haben die Fische Gelegenheit, sich langsam anzupassen. Der Großteil des Transportwassers sollte nicht im Aquarium landen, es muss vorher vorsichtig abgegossen werden. Den Rest dann samt Fische in sein neues zu Hause entlassen. (Annette Berkelmann)
 

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