Haltung von Chinchillas | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Haltung von Chinchillas

Wegen ihrer Spielfreude, ihrer Intelligenz und nicht zuletzt wegen ihres unglaublich weichen Fells, sind Chinchillas beliebte Haustiere. Dennoch will die Anschaffung wohl überlegt sein.
 
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Chinchillas von einem guten Züchter werden meist freundliche Mitbewohner.
Die ersten Chinchillas kamen als Pelzlieferanten von Südamerika nach Europa. Chinchilla-Pelze waren eine beliebte Kostbarkeit. Seit 1910 versucht man, diese Tiere zu schützen. Tierschützer befreiten viele Chinchillas aus Zuchtfarmen und vermittelten sie als Haustier. Da sie erst seit wenigen Jahrzehnten gezüchtet werden gelten Chinchillas immer noch als Wildtiere. Bevor Sie sich diese possierlichen Fellknäuel ins Haus holen, sollten Sie sich ein paar Fragen stellen.
 
  1. Habe Sie genug Zeit für Ihre Chinchillas? Auch wenn sie einen großen Käfig haben brauchen diese Tiere jeden Tag Freilauf.
  2. Ist Ihre ganze Familie mit den neuen Mitbewohnern einverstanden? Und was sagt eigentlich der Vermieter dazu?
  3. Chinchillas werden 15 Jahre oder älter. Können und wollen Sie so lange Verantwortung für die Tiere übernehmen?
  4. Hab Sie in Ihrer Wohnung genügend Platz? Der Käfig muss mindestens 150 cm x  80 cm x  150 cm groß sein.
  5. Können Sie sich die Chinchillas leisten? Käfig, Futter und Tierarzt kosten Geld.
  6. Chinchillas sind nachtaktiv. Können Sie diese Lebensart respektieren?
  7. Habe Sie jemanden, der Ihre Tiere versorgt, wenn Sie in Urlaub fahren?
Können Sie alle diese Fragen mit „Ja“ beantworten, steht dem Einzug der neuen Freunde nichts mehr im Weg.

Züchter, Tierheim oder Zoohandlung?

Chinchillas von einem guten Züchter werden meist freundliche Mitbewohner. Sie wurden von klein auf an den Menschen gewöhnt und sind deshalb nicht schreckhaft, sondern ausgeglichen. Schauen Sie sich genau an, wie die Tiere gehalten werden. Die Gehege müssen groß und sauber sein. Die Tiere selbst sollten gepflegt sein und einen munteren Eindruck machen. Ein kompetenter Züchter wird all Ihre Fragen beantworten und sich erkundigen, wie die Tiere bei Ihnen gehalten werden. Auch im Zoofachhandel werden Chinchillas angeboten. Hier sollten Sie jedoch besonders vorsichtig sein. Meistens sind die Gehege viel zu klein und die Tiere, wegen des Lärmes, dem sie den ganzen Tag ausgesetzt sind, extrem gestresst. Kaufen Sie nur bei einem Zoohändler, der Sie individuell berät und seine Tiere artgerecht hält. Wenn Sie nicht unbedingt Jungtiere erwerben wollen, ist das Tierheim die beste Anlaufstelle. Informieren Sie sich in den Tierheimen in Ihrer Nähe, ob es dort abgegebene Chinchillas gibt. Diese Tiere haben meist wenig Hoffnung auf ein glückliches Leben und werden es Ihnen sicher danken (Dass ältere Tiere nicht zahm werden, stimmt übrigens nicht). Auch in den lokalen Zeitungen kann man oftmals fündig werden. Hobbyzüchter bieten hier ihre Tiere zum Verkauf an. Natürlich sollten Sie auch bei diesen Züchtern darauf achten, wie die Tiere gehalten werden.

Nur in Gesellschaft glücklich

Chinchillas sind Rudeltiere, die nur glücklich sind, wenn sie Artgenossen um sich haben. Selbst wenn Sie sich viel mit ihrem Tier beschäftigen, sind Sie kein Ersatz für ein zweites Chinchilla. Die Ansicht, dass Chinchillas nur dann zahm werden, wenn sie einzeln gehalten werden, stimmt nicht. Wenn Sie sich also für die Anschaffung dieser kleinen pelzigen Strolche entscheiden, sollten es mindestens zwei sein. Zwei Weibchen vertragen sich meist bestens, wenn sie zusammen aufgewachsen sind. Auch Mutter und Tochter sind ein harmonisches Gespann. Werden zwei fremde Weibchen in sehr jungem Alter aneinander gewöhnt, entsteht auch hier oftmals eine Freundschaft fürs Leben. Wenn kein Weibchen in der Nähe ist, können sich auch zwei Männchen vertragen. Jedoch ist das Risiko von Revierkämpfen hier größer. Chinchillas leben am liebsten als Paar zusammen. Allerdings ist bei Männchen und Weibchen im selben Käfig Nachwuchs vorprogrammiert. Wollen Sie nicht eines Tages überraschend Chinchilla-Babies im Käfig vorfinden, sollten Sie lieber auf gleichgeschlechtliche Tiere ausweichen. Natürlich kann ein Männchen kastriert werden. Dieser Eingriff ist jedoch bei Chinchillas mit einem großen Risiko verbunden. Nicht selten sterben die Tiere nach der Operation.

Endlich ist es soweit!

Wenn der Käfig fertig eingerichtet ist, Futter und Wasser bereit stehen und die Chinchillas ausgewählt sind, steht dem Einzug nichts mehr im Wege. Für die Reise in die neue Heimat eignet sich am besten eine stabile Transportbox, wie es sie im Fachhandel für Katzen und kleine Hunde gibt. Auch ein kleiner Nagerkäfig bringt Ihre neuen Mitbewohner sicher nach Hause. Decken Sie die Box, bzw. den Käfig, mit einem alten Tuch ab, damit die Tiere den Transport möglichst ruhig und stressfrei überstehen. Dauert die Heimfahrt etwas länger, sollten Sie einen Wassernapf in der Transportbox anbringen, falls Ihre neuen Freunde Durst bekommen. Zu Hause angekommen brauchen die kleinen Kobolde vor allem eines: ganz viel Ruhe. Halten Sie die Transportbox vor die geöffnete Käfigtür und lassen Sie die Tiere von allein hinein hüpfen. Auch wenn es etwas länger dauert, greifen Sie auf keinen Fall nach den Chinchillas, sondern lassen Sie ihnen die Zeit, die sie brauchen. Sind die Chinchillas einmal im Käfig, können Sie sie ruhig dabei beobachten, wie sie ihr neues Zuhause erkunden. Stellen Sie jedoch sicher, dass niemand ins Zimmer stürmt oder andere laute Geräusche die Tiere verschrecken können. Die pelzigen Strolche werden ihr neues Heim sogleich vorsichtig erkunden. Wenn sie den Futternapf aufsuchen ist der erste Schreck schon überwunden.

Handzahme Chinchillas

Ein Ortswechsel bedeutet für die sensiblen Chinchillas immer Stress. Lassen Sie Ihren neuen Freunden daher einige Tage Zeit, bis Sie anfangen, sie an Ihre Hand zu gewöhnen. Sprechen Sie in diesen Tagen viel mit den kleinen Nagern, damit sie sich schon an Ihre Stimme gewöhnen. Beginnen Sie dann damit Ihren flauschigen Mitbewohnern kleine Leckerbissen aus der Hand anzubieten. Achten Sie darauf, keine hektischen Bewegungen zu machen und sein Sie geduldig. Manchmal dauert es eine Weile, bis die Tiere sich an Ihre Hand herantrauen. Reden Sie die ganze Zeit über ruhig mit den kleinen Strolchen. Schrecken die Tiere nicht mehr zurück, wenn Sie im Käfig hantieren, könne Sie langsam beginnen, die Chinchillas zu streicheln. Versuchen Sie jedoch nicht, die Tiere sofort hochzuheben, sonst ist das Vertrauen gleich wieder verloren. Erst wenn Ihre kuscheligen Mitbewohner verstanden haben, dass von ihrer Hand nur Gutes kommt, können Sie sich hochheben. Doch auch ein zahmes Chinchilla steht lieber auf seinen eigenen vier Füßen. Tragen Sie Ihre Tiere daher nicht zu oft und zu lange herum. Haben sich die Tiere an Sie gewöhnt, dürfen sie erste Ausflüge in die Wohnung unternehmen.

Vergesellschaftung von Chinchillas

Wenn Sie ein neues Chinchilla zu Ihrem Einzeltier oder Ihrer Gruppe setzen wollen, müssen Sie mit einigen Schwierigkeiten rechnen. Nicht jedes Tier versteht sich mit jedem. Am bestens klappt die Vergesellschaftung, wenn die Tiere im gleichen Alter sind. Junge Chinchillas haben oft ganz andere Interessen und Verhaltensweisen als alte und so kann es leicht zu Missverständnissen kommen. Wenn Sie sich das neue Tier holen, vereinbaren Sie auf jeden Fall ein Rückgaberecht, falls es sich nicht mit Ihren alteingesessenen Chinchillas vertragen sollte. Zu Hause muss der Neuankömmling erstmal für ein bis zwei Wochen in Quarantäne. Lassen Sie ihn zudem vom Tierarzt untersuchen und freunden Sie sich schon mal mit dem kleinen Racker an. Ist das Tier gesund, können Sie seinen Käfig neben den Ihres schon vorhandenen Chinchillas stellen. Beobachten Sie, wie die Tiere aufeinander reagieren. Zeigen sie freundliches Interesse oder fauchen Sie sich aggressiv an? Man kann schon in den ersten Tag erkennen, ob die Tiere sich sympathisch finden oder nicht. Lassen Sie die Tiere jeden Tag den Käfig wechseln. So gewöhnen sie sich an den Geruch des neuen Artgenossen. Nach einigen Tagen dürfen die Tiere zusammen Freilauf genießen. Kleine Rangeleien sind hier normal, beißen die Beiden sich jedoch blutig, müssen sie getrennt werden. Starten Sie dann am nächsten Tag einen neuen Versuch. Vertragen die Tiere sich auch nach mehreren Tagen gemeinsamen Auslaufs nicht, müssen Sie das akzeptieren und einen neuen Freund für Ihr alteingesessenes Tier finden. Verläuft der Freilauf jedoch nach wenigen Tagen harmonisch, dürfen die Chinchillas in einen gemeinsamen Käfig ziehen. Die ersten Stunden sollten Sie jedoch ein wachsames Auge auf die neue Wohngemeinschaft haben. (Alexandra Frankh)
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