Steckbrief Sinai-Stachelmäuse | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief Sinai-Stachelmäuse

Die Sinai-Stachelmaus sieht der Kairo-Stachelmaus sehr ähnlich und kommt mit dieser teilweise parallel vor. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Aussehen, Nachwuchs, Verhalten, Ernährung und Haltung von ​Sinai-Stachelmäusen.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Neben dem Stachelkleid sind die großen Augen ein weiteres Charakteristikum der Stachelmäuse.

Steckbrief

  • Körperlänge: 9 – 13 cm (Schwanzlänge: 8 – 12 cm)
  • Gewicht: 30 – 50 g
  • Körper: schlank
  • Kopf: spitz zulaufend, mit großen Ohren
  • Fellhaar: dicht, kurz, auf dem Rücken borstenartig
  • Lebenserwartung: 2 – 4 JahreOrdnung: Nagetiere

 Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Nagetiere
  • Familie: Mäuseartige
  • Gattung: Stachelmäuse
  • Art: Sinai-Stachelmaus

Aussehen

Von der Sinai-Stachelmaus gibt es zwei Unterarten, die Palästina- oder Rote Sinai-Stachelmaus sowie die Suez-Stachelmaus. Die Palästina-Stachelmaus ist orangebraun bis rotbraun und hat eine scharf abgesetzte helle Körperunterseite. Unter dem Auge findet sich ein weißer Fleck.

Die Suez-Stachelmaus besitzt eine graubraune bis nussbraune Oberseite und eine klar abgegrenzte weiße Unterseite. Der Schwanz ist hell, die Ohren sind dunkel. In den Zoohandlungen findet sich zudem sehr häufig die Helle Sinai-Stachelmaus. Ihr Fell ist auf der Rückseite hellgelb bis hellbeige und am Bauch weiß. Die Grenze zwischen Ober- und Unterseite ist sehr deutlich. Bei ihr ist der Status bisher unklar. So kann es sich um eine Zuchtform aus dem Labor oder eine weitere Unterart handeln.

Lebensraum und Lebensweise

Die Sinai-Stachelmaus sieht der Kairo-Stachelmaus sehr ähnlich und kommt mit dieser teilweise parallel vor. Die Stacheln sind bei ihr auf den hinteren Teil des Rückens beschränkt. Als Lebensraum bevorzugt sie sehr trockene Gegenden und felsenreiche Halbwüsten, Savannen und Wüsten. Sinai-Stachelmäuse leben in Rudeln, die stark voneinander abgegrenzt sind. Rudelfremde Tiere werden vertrieben oder sogar getötet.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Zucht von Stachelmäusen gehört zu den interessantesten Ereignissen in der Haltung von Nagetieren. Hierzu trägt vor allem die einmalige Brutpflege der Stachelmäuse bei. Alle Weibchen einer Gruppe nehmen an der Geburt und der Aufzucht der Jungen regen Anteil. Es kann sogar vorkommen, dass ein Weibchen dem Muttertier ein Jungtier stiehlt und dieses wie ein eigenes Jungtier aufzieht. Dieses Ammenverhalten ist einmalig und verhindert, dass verwaiste Jungtiere verhungern.

Einmalig ist auch, dass junge Stachelmäuse als Nestflüchter geboren werden. Sie werden mit voll entwickeltem Fell, offenen Augen und Ohren geboren, auch die Schneidezähne sind bereits durchgebrochen. Wenige Minuten nach der Geburt sind die kleinen Mäuse bereits in der Lage zu laufen, auch wenn dies sehr unbeholfen aussieht. Der hohe Entwicklungsstand der Jungtiere bei der Geburt ist der Grund für die lange Tragzeit von 35 Tagen. Bereits 6 Tage nach der Geburt müssen die Jungen nicht mehr gesäugt werden und können sich selbstständig versorgen. Dennoch säugen einige Weibchen ihre Jungen bis zu einem Alter von etwa zwei Wochen. Bis die Jungen dann ihren eigenen Nachwuchs haben können, vergehen 2-3 Monate.

Um den jungen Stachelmäusen und deren Muttertieren eine optimale Versorgung zu bieten, sollte während der Trächtigkeit und der Aufzucht der Jungen der Anteil an tierischem Eiweiß deutlich erhöht werden. 

Sinnesleistungen

Neben dem Stachelkleid sind die großen Augen ein weiteres Charakteristikum der Stachelmäuse. Durch ihren seitlichen Sitz ermöglichen sie einen 360-Grad-„Rundumblick“. So können sie Feinde frühzeitig erkennen, aber dafür verfügen Stachelmäuse kaum über räumliches Sehvermögen. Außerdem sehen die Tiere meistens unscharf. Die Augen der Goldstachelmaus verfügen zudem über eine erstaunliche Eigenschaft. In ihnen befindet sich erheblich mehr Melanin als bei anderen Arten. Dieses Pigment schützt das lichtempfindliche Auge vor der hohen Sonneneinstrahlung in ihrem Lebensraum.

Auch die großen Ohren der Stachelmäuse sind kaum zu übersehen. Damit können die Mäuse sehr gut hören und übertreffen uns Menschen dabei bei weitem. Die großen Ohrmuscheln können unabhängig von einander bewegt und in die Richtung einer Schallquelle gedreht werden. Herannahende Feinde können so rasch gehört werden. Stachelmäuse verfügen im Vergleich zum Menschen über ein breiteres Hörspektrum, da sie auch im Ultraschallbereich hören.

Gut ausgeprägt ist auch der Geruchssinn der Stachelmäuse, der sie nicht nur bei der Nahrungssuche, sondern auch beim Entdecken von Feinden sowie bei der innerartlichen Kommunikation unterstützt. Ein weiterer wichtiger Sinn der Stachelmäuse ist der Tastsinn. Um die Nase herum sind die Vibrissen (Tasthaare) zu finden. Diese langen, festen Tasthaare vermitteln der Stachelmaus jedes kleine Hindernis und sogar geringste Luftbewegungen. Im Gegensatz zur übrigen Körperbehaarung sind die Vibrissen von Geburt an vorhanden.  

Ernährung

Zur tiergerechten Ernährung benötigen Stachelmäuse unbedingt Lebendfutter. Dieses kann man ihnen in Form von Mehlwürmern, Grillen oder Heuschrecken bieten. Besonders bei Mehlwürmern ist dabei auf eine optimale Versorgung mit Gemüse (Möhre o.ä.) zu achten, da die Würmer ansonsten fast ausschließlich aus Chitin bestehen. Auch Insektenfutter (aus dem Bereich Ziervogelernährung) oder Hühnerfutter mit Garnelen kann zur Deckung des Bedarfs an tierischem Eiweiß verfüttert werden. Besondere Leckerbissen für Stachelmäuse stellen Gehäuseschnecken dar.

Neben dem Grundfutter, welches bei Stachelmäusen aus tierischem Eiweiß bestehen sollte, benötigen Stachelmäuse ein Körnerfutter, welches möglichst keine Sonnenblumenkerne enthält. Ideal ist eine Mischung, die aus je einem Teil Grassamen, einem Teil Wellensittichfutter und einem Teil Kanarienfutter besteht. Besonders die Kleinsämereien aus Wellensittich- und Kanarienfutter sorgen für ausreichende Beschäftigung beim Fressen. Da Stachelmäuse schnell zu Verfettung neigen, ist es wichtig, den Anteil an fetthaltigen Sämereien so gering wie möglich zu halten.

Zur ausreichenden Versorgung mit Vitaminen wird das Futter durch die Gabe von Obst und Gemüse ergänzt. Geeignet sind Möhren, Trauben, Äpfel und Birnen. Vorsicht bei Tomaten. Die in ihnen enthaltene Oxalsäure kann Nierenschäden verursachen. Leider sind Stachelmäuse sehr wählerisch bei neuen Futtersorten. So fressen einige Tiere kaum Obst. Andere Tiere nehmen jedoch sämtliches Obst an. 

Hätten Sie's gewusst

Die Stacheln, die den Stachelmäusen ihren Namen einbrachten, bestehen aus hohlen Haaren. Anders als die Stacheln bei Igeln sind sie nur eingeschränkt zur Feindabwehr dienlich. Ihr interessantes Verhalten und die einmalige Brutpflege machten sie zu gern gesehenen Tieren in den Labors der Neurologen und Ethologen. Vor allem die Goldstachelmaus (Acomys russatus) und die Kairo-Stachelmaus (Acomys cahirinus) sind bei den Forschern sehr beliebt.
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