Das alte Pferd

Pferde können generell problemlos bis zu 30 Jahre alt werden und auch lange Zeit Leistung erbringen: Das älteste Pferd in der Vielseitigkeit der Weltreiterspiele 2006 in Aachen war 20 Jahre alt.
 
© N.Beschedsnick
Der Grundstein für ein langes Pferdeleben wird schon in jungen Jahren gelegt. Eine möglichst artgerechte Haltung mit viel Bewegung und frischer Luft ermöglicht dem jungen Pferd, seinen Bewegungsapparat ausreichend zu trainieren und eine stabile Gesundheit aufzubauen. Ein schonender Aufbau unter dem Sattel tut ein Übriges.

Alte Pferde benötigen etwas mehr Fürsorge, doch sie weisen auch Vorzüge auf. Oft sind ältere Pferde nervenstärker, gelassener und ruhiger als ihre jungen Kollegen. Daher sind sie vor allem für Anfänger, Wiedereinsteiger, Kinder und generell unsichere Reiter oft ideale und unkomplizierte Partner, die sich über Aufmerksamkeit und Beschäftigung freuen.

Spezielle Bedürfnisse

Alte Pferde stellen besondere Ansprüche an die Haltung und Fütterung. Auch alte Pferde brauchen Gesellschaft. Dennoch müssen Sie darauf achten, ob das alte Pferd in der Herde akzeptiert ist und problemlos mit in den Unterstand, an das Raufutter und die Tränke darf. Ist das nicht der Fall, bietet es sich an, Ihren Rentner gemeinsam mit einem möglichst befreundeten und gleichaltrigen Kameraden unterzubringen.

Alte Pferde sind nicht mehr so geschmeidig wie in jungen Jahren. Umso wichtiger ist viel Bewegung. Die Box sollte großzügig angelegt sein, der Auslauf möglichst keine Engpässe und schmalen Ecken aufweisen. Über die freie Bewegung auf der Weide und im Auslauf hinaus bieten sich Spaziergänge an. Als Handpferd nimmt manches alte Pferd auch gerne noch am Ausritt teil.

Bei Pferden, die lange Zeit aktiv und intensiv sportlich genutzt wurden, lässt sich oft beobachten, dass sie regelrecht verkümmern, wenn man sie von heute auf morgen einfach auf die Weide stellt. Hier braucht es eine recht lange Umstellungszeit, bis auch diese Senioren ein Dasein als Rentner genießen können. 

Die Pflege des alten Pferdes

Beim alten Pferd kommt der Zahnkontrolle eine besondere Bedeutung zu. Es muss sichergestellt werden, dass das Pferd sein Futter noch zerkleinern kann. Sind die Zähne so abgenutzt, dass das Pferd kein Raufutter wie Heu und Stroh mehr zerkleinern kann, muss die Fütterung entsprechend umgestellt werden. Eingeweichte Grascobs können auch von alten Pferden noch verwertet werden.

Wenn das Wetter schlecht wird, reagieren alte Pferde oft empfindlicher als ihre jüngeren Kollegen. Sobald das alte Pferd sich unwohl fühlt, verspannt wirkt oder gar zittert, muss es in einen geschützten Bereich gebracht und gegebenenfalls eingedeckt werden. Solange es draußen läuft, muss die Decke unbedingt wirklich wasserdicht sein – eine mit Wasser vollgesogene Decke verschärft das Problem noch.

Im Frühjahr kommen die Senioren manchmal schlecht durch den Fellwechsel. Hier kann eine Schur im richtigen Moment Erleichterung verschaffen.

Das Gnadenbrot

Gnadenbrot darf nicht bedeuten, das Pferd auf eine Weide abzuschieben. Wie schon erwähnt, benötigen gerade alte Pferde oft intensive Zuwendung und Pflege. Entscheidend ist, dass die Lebensqualität des alten Pferdes erhalten bleibt. Dabei ist das Wesen des Pferdes zu berücksichtigen: Für ein Fluchttier bedeutet es beispielsweise nicht nur körperliche Schmerzen, sondern auch seelische Qualen, wenn es nicht mehr mit den anderen laufen und eben auch flüchten kann. Wenn Krankheiten und Schmerzen überhand nehmen, wird es Zeit, an das Ende zu denken. (Britta Schön)
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