Die Versammlung | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Die Versammlung

Die Versammlung ist der Gipfel der Ausbildung des Pferdes. Schwierigste Lektionen fordern die höchste Versammlung. Doch auch jenseits der Turnier- und Showplätze hat die Versammlung ihre Berechtigung.
 
Versammlung ist nicht absolut zu verstehen, sondern kann in unterschiedlichem Maß verlangt und erreicht werden. Von versammeltem Schritt, Trab oder Galopp bis hin zu den Lektionen der Hohen Schule reicht der Grad der dressurmäßigen Versammlung. Generelles Kennzeichen der Versammlung ist die gesenkte Kruppe bei entsprechend angewinkelten Gelenken der Hinterhand (Hankenbeugung). Die Hinterbeine treten unter den Schwerpunkt und nehmen das Gewicht vermehrt auf. Dabei wird die Vorhand entsprechend leicht und die Vorderbeine entlastet, die über weniger Winkel in den Gelenken verfügen, um die Last abzufedern. Das Pferd wirkt kürzer, das Genick ist der höchste Punkt und die Nase wird leicht vor der Senkrechten getragen.

Versammelte Lektionen

Die Lektionen der Hohen Schule sind die spektakulärsten Beispiele für versammelte Lektionen. Traversalen und fliegende Galoppwechsel in einem bestimmten Takt (Einerwechsel, Zweierwechsel, Dreierwechsel) finden wir ebenso wie Piaffe, Passage und Pirouetten auch im Dressursport. (siehe Deutsche Reitweise) Die Schulen über der Erde wie Levade, Courbette und Capriole beispielsweise sind hingegen den Barockreitern vorbehalten. (siehe Barockreiten)

Doch auch weniger weit geförderte Pferde und Reiter begegnen bereits versammelnden Lektionen. Dazu gehört beispielsweise das Rückwärtsrichten.

Wie wird versammelt?

Unbedingte Voraussetzung für die Versammlung ist die Losgelassenheit des Pferdes. In der Lösungsphase dehnt sich das Pferd vorwärts-abwärts und streckt dabei seine Muskulatur. Der Rücken schwingt, die Hinterhand fußt gerade in der Linie der Vorhand (siehe Geraderichten), das Pferd ist geschmeidig und biegsam. Erst jetzt kann mit der versammelnden Arbeit begonnen werden. Dabei hält der Reiter eine stetige leichte Verbindung zum Pferdemaul (siehe Anlehnung) und treibt das Pferd von hinten vermehrt heran, so dass es stärker untertritt und sich vorne aufrichtet. Dabei senkt sich die Kruppe entsprechend und nimmt die Last auf. Achtung: Ein hoch aufgerichteter Hals alleine ist kein Zeichen von Versammlung, entscheidend ist die entsprechend gesenkte Hinterhand. Versammlung zeigt sich nicht nur an der Kopfhaltung des Pferdes, diese ergibt sich bei korrekter Versammlung von selbst.

Nicht jedes Pferd hat Begabung für die große Dressur, nicht jeder Reiter strebt danach. Doch ein Mindestmaß an Versammlung dient dazu, die Tragkraft des Pferdes zu verbessern, und so auch der Gesunderhaltung des Reitpferdes. (Britta Schön)
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