Barockreiten

Das Barockreiten erlebte in den letzten Jahren eine wahre Renaissance. Die Reitweise begeistert nicht nur Reiter, sondern auch Zuschauer und Pferdefreunde aller Art.
 
Höchste Versammlung, schwierigste Lektionen, klassische Eleganz – all dies vereint sich im Barockreiten. So ist keine Pferdeshow ohne entsprechende Vorführungen mehr denkbar, meist mit Reitern im passenden Kostüm. Im Zuge dieser Entwicklung finden auch die Barockpferderassen regen Zulauf. Die bekanntesten Vertreter des Barockreitens sind wohl die Lipizzaner und ihre Bereiter in der Spanischen Hofreitschule in Wien, wo die reiterliche Tradition seit langer Zeit bewahrt wird, aber auch Andalusier, Knabstrupper, Friesen u. a.

Die Ursprünge
Das barocke Zeitalter markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung der Reiterei. Sie diente nun nicht mehr rein dem Kriegszweck, sondern wurde als Kunst betrachtet. Die notwendigen Fähigkeiten eines Kriegspferdes wie Wendigkeit, Schnelligkeit, Gehorsamkeit wurden zum Selbstzweck weiterentwickelt und kultiviert. Eine besondere Stellung kam dabei der „Schule über der Erde“ zu, die neben den Elementen der Hohen Schule auch spektakuläre Sprünge zeigte wie Courbette oder Kapriole. Diese dienten der Abwehr von Angreifern und sollten den Gegner oder dessen Pferd auf Distanz halten, wenn nicht gar verletzen. Die Levade sollte den Körper des Reiters schützen bei Angriffen von vorne. In der Barockreiterei ist sie Ausdruck höchster Versammlung. Das Pferd ist soweit „gesetzt“ und hat den körpereigenen Schwerpunkt so weit in Richtung der Hinterhand verlagert, dass es die Vorderbeine völlig entlasten kann.

Charakteristik
Barockreiten ist klassische Dressur in höchster Vollendung. Der hohe Versammlungsgrad des Pferdes kennzeichnet diese Reitweise. Einzelne Lektionen der Hohen Schule haben ihren Weg auch in den modernen Turniersport gefunden (z.B. die Piaffe oder die Galopp-Pirouette), doch die Schulen „über der Erde“ wie die Levade und spektakuläre Schulsprünge wie die Courbette oder die Capriole blieben den Barockreitern vorbehalten. Die Bodenarbeit am langen Zügel gehört ebenfalls untrennbar zum Barockreiten. Die Ausbildung eines Barockpferdes dauert gemäß den hohen Ansprüchen sehr lange. Zwar kann jedes Pferd nach den klassischen Prinzipien des Barockreitens ausgebildet werden, doch eignen sich die barocken Pferdetypen naturgemäß am besten für diese Reitweise.

Barockreiten heute
Pferdemusicals, -shows und -galas erleben in den letzten Jahren einen ungeahnten Boom. Keine Vorführung wäre komplett ohne die Barockpferde. Zentren des Barockreitens sind einerseits die Spanische Hofreitschule in Wien (Österreich), andererseits aber auch das Cadre Noir in Saumur (Frankreich) und die Königlich-Andalusische Reitschule in Jerez de la Frontera (Spanien).
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