Steckbrief: Jemenchamäleon | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Jemenchamäleon

Das Jemenchamäleon ist eine recht große Chamäleonart und fällt durch seinen markanten Helm auf. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Systematik, Nachwuchs, Aufzucht, Sinnesleistungen, Ernährung und Haltung des Jemenchamäleon.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
„Chamäleon“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Erdlöwe“.

Steckbrief

  • Körperlänge: 15 - 25 cm
  • Lebenserwartung: 4 - 8 Jahre
  • Verbreitung: südliche Arabische Halbinsel
  • Lebensraum: Mittelgebirge bis Ebenen mit Busch- und Baumbestand
  • Lebensweise: Einzelgänger, erhöhter Schlafplatz
  • Artbestand: artgeschützt nach EU-Artenschutzverordnung, Anhang B (WA)

Systematik

  • Klasse: Reptilien (Kriechtiere)
  • Ordnung: Squamata (Schuppenkriechtiere)
  • Familie: Chamaeleonidae (Chamäleons)
  • Gattung: Chamaeleo (Echte Chamäleons)
  • Art: Chamaeleo calyptratus (Jemenchamäleon)

Aussehen

Das Jemenchamäleon ist eine recht große Chamäleonart und fällt durch seinen markanten Helm auf. Die Färbung ist sehr vielseitig und hängt in starkem Maße von der Stimmung des Tieres ab. Die Grundfarbe ist meist ein helles, von Querbinden unterbrochenes Grün (Männchen), während die Weibchen dunkelgrüner gefärbt sind. Auffällig ist die Anordnung der Zehen, quer zum Knöchelgelenk. In Verbindung mit dem höchst flexiblen Greifschwanz wird so eine optimale Kletterfähigkeit geboten. Ebenfalls bemerkenswert sind die unabhängig voneinander bewegbaren Augen, sodass ohne Kopfbewegung ein nahezu kompletter Rundblick möglich ist.

Nachwuchs und Aufzucht

Die Geschlechter unterscheiden sich in der Gesamterscheinung und der Größe des Helmes. Praktischerweise kann man ungefähr nach einer guten Woche die Männchen an einem Sporn der Hinterbeine herauslesen. Jemenchamäleons sollten prinzipiell nur zur Paarung zusammengelassen werden, da die ständigen Balzversuche des Männchens die Weibchen arg stressen. Wenn das Weibchen durch seine Bereitschaftsfärbung Zustimmung signalisiert (reines Dunkelgrün) und somit keine Bedrängung empfindet, läuft die Kopula ab, und nach 20 bis 35 Tagen werden die Eier, meist zwischen 30 und 40, in den Bodengrund vergraben. Hierbei muss eine Lage angeboten werden, die es dem weiblichen Tier ermöglicht, sich komplett einzugraben. Das Gelege wird bei möglichst konstanten 28,5° C und einer Luftfeuchte von 80 bis 90 Prozent ungefähr sechs Monate lang bis zum Schlupf bebrütet. Die Jungen sind separat aufzuziehen und so bald wie möglich voneinander zu trennen, da sie schon nach mehreren Wochen anfangen, einander zu dominieren.

Lebensweise und Verhalten

Jemenchamäleons sind strikte Einzelgänger und halten sich tagsüber in geringeren Höhen (bis ungefähr drei Meter über dem Boden) auf. Zum Schlafen suchen sie sich die höchsten Äste oder in Maisfeldern beispielsweise die höchsten Pflanzen aus. Sie lauern auf Beute und bewegen sich nur - und dann recht zügig -, wenn das Futtertier außer Reichweite ihrer Schleuderzunge verharrt. Wegen der Vielfalt der Lebensräume und der daraus resultierenden klimatischen Unterschiede gibt es Populationen, die zumindest eine Teil-Winterruhe einhalten.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Bis auf Fauchen und Zischen in extremen Stresssituationen sind diese Chamäleons weitgehend stumm, ihre innerartliche Kommunikation läuft über Körpersprache und -färbung ab. Ihre visuellen Fähigkeiten sind exzellent, so wird potenzielle Beute schon aus mehreren Metern Entfernung erkannt. Über den Geruchssinn ist wenig bekannt, dafür hören Jemenchamäleons sehr gut. Selbst ein Laie wird die Färbung, die ein Chamäleon annimmt, wenn es sich nicht wohlfühlt, durchaus erkennen.

Ernährung

Jemenchamäleons ernähren sich in der Hauptsache von mittleren bis großen Insekten, wobei hier eine individuelle Spezialisierung erkennbar ist, die auch zeitlich begrenzt sein kann, d.h. dass ein Tier Heuschrecken bevorzugt und ein anderes ausschließlich Heimchen schießt. Schwangeren und durch Eiablage geschwächten Weibchen kann man auch Babymäuse anbieten, daneben ist diese Art eine der wenigen, die auch vegetarische Kost wie manche Zimmerpflanzen (Schefflera, Epipremum o. ä.) und süße Früchte nicht verschmähen. Wichtig sind ein bis zwei Fastentage in der Woche bei erwachsenen Tieren, da Jemenchamäleons zum Übergewicht neigen und dann Probleme mit den Gelenken bekommen können. Futterinsekten sollten mit einem Mineral-Vitamin-Pulver supplementiert werden. Es besteht auch die Möglichkeit, Vitamine über das Sprühwasser (Trinkwasser) zu verabreichen.

Haltung

Wegen der unterschiedlichen Endgrößen kann das Format des Terrariums für Weibchen deutlich geringer ausfallen als das für männliche Tiere. Ein einzelnes Männchen sollte einen Behälter von 100 x 60 x 150 cm (Länge x Tiefe x Höhe) in Anspruch nehmen können. Bei der Innenausstattung ist auf Äste zu achten, die von den Tieren bequem umfasst werden können, hier bieten sich Materialien wie Korkenzieherweide an. Pflanzen, ob aus Kunststoff oder lebend, können sowohl zum Verstecken als auch zum Ablecken der Sprühwassertropfen benutzt werden. Wenn möglich, sollten Echtpflanzen zum Einsatz kommen, da sie nicht nur das Mikroklima verbessern, sondern auch als Ergänzung zum Speiseplan dienen können. Jemenchamäleons sind eine der wenigen Arten, die das Trinken aus dem Napf lernen können, dennoch muss das Terrarium mindestens einmal täglich übersprüht werden. Hier könnte eine Beregnungsanlage gute Dienste leisten. Weil dieses Chamäleon relativ genügsam in Bezug auf die Luftfeuchtigkeit ist, wird es auch mitunter frei im Zimmer gepflegt – ein Strahler am bevorzugten Sonnenplatz sollte allerdings nicht fehlen. Da die meisten Tiere immer an derselben Stelle Kot ablassen, kann dort ein sandgefülltes Gefäß oder einfach etwas Zeitungspapier platziert werden. Neben den Strahlern, die punktuell Bereiche bis auf über 35° C erwärmen sollten, ist bei der Beleuchtung auf eine hohe Lichtintensität und ausreichend UVB zu achten.

Hätten Sie's gewusst?

„Chamäleon“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Erdlöwe“. Wie genau diese liebenswerten Tiere zu diesem Namen gekommen sind, ist nicht endgültig geklärt. Bei manchen afrikanischen Völkern sind die Chamäleons die wiedergeborenen verstorbenen Verwandten.


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