Eisvogel - Taucher und Höhlenbewohner | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Eisvogel - Taucher und Höhlenbewohner

Der Eisvogel ist unbestritten einer unserer schönsten einheimischen Vögel. Leider erlebt man das blaue Wunder meist nur als türkis-schillernden Blitz. Dabei ist der faszinierende Sturzflieger viel mehr als nur einen kurzen Hingucker wert.
 
© pixabay.com/Bergadder (CC0 Public Domain)
Der Eisvogel ist unbestritten einer unserer schönsten einheimischen Vögel.
Wer einen Eisvogel zu Gesicht bekommt, dessen Begeisterung ist meist nicht von langer Dauer. Oft erscheint er nur als schillernder Blitz, als türkisblauer Streif, der über die Wasseroberfläche flitzt. Kaum gesehen, schon wieder fort. Um einen längeren Blick auf den etwas über spatzengroßen Vogel zu werfen, braucht es schon das seltene Glück, das prachtvolle Tier beim Fischen beobachten zu können. Von seiner Sitzwarte aus – meist ein Ast, der nah über die Wasseroberfläche hängt – startet er seine Tauchgänge. Hat er einen kleinen Fisch, ein Wasserinsekt oder eine Kaulquappe entdeckt, stürzt er sich der Beute kopfüber entgegen, taucht hinab und schnappt sie sich.

Ein schillernder Sturzpilot

Ähnlich ungewöhnlich wie seine Jagdmethode ist das Brutgeschäft. Denn Eisvögel bauen nicht etwa ein Nest im Geäst oder Gestrüpp, sie ziehen es vor, ihre Eier in selbst gegrabenen Erdhöhlen auszubrüten. Was sie dafür dringend benötigen, sind Steilwände aus Lehm oder festem Sand im Uferbereich ihres Gewässers. Voraussetzungen, die durch Bach- und Flussbegradigungen in der Vergangenheit vielerorts nicht mehr gegeben sind und dazu beigetragen haben, dass Eisvögel bei uns zu einem seltenen Anblick geworden sind. Etwa zwei bis drei Wochen müht sich ein Brutpaar ab, bis es in gemeinschaftlicher Arbeit gelingt, mit den Schnäbeln eine Röhre von ca. 80 cm Länge in den Lehm zu hacken. Ende März, Anfang April ist es dann so weit, die meisten Eisvögel können eine Höhle ihr Eigen nennen und bald darauf mit dem Brüten beginnen. Mitte des Jahres folgt dann eine zweite Brutperiode, danach gelegentlich sogar noch eine dritte.

Seltener Fall von Flugrost?

Seine aufregende Lebensweise, die tropisch-bunte Gefiederfärbung und sein Seltenheitswert verschafften dem Eisvogel in Deutschland schon im Jahre 1973 den Titel „Vogel des Jahres“. In der Schweiz war er im Jahr 2006 an der Reihe. Doch woher sein Name eigentlich stammt, ist nicht mehr genau nachzuvollziehen. Denn dass er etwas mit gefrorenem Wasser zu tun haben könnte, ist unwahrscheinlich. Vielleicht lässt sich das „Eis“ von dem  altdeutschen Wort „eisan“ herleiten, was „schillern“bedeutet. Oder hieß der Vogel wegen seiner stahlblauen Rückenfedern ursprünglich etwa „Eisenvogel“? Das würde zumindest erklären, warum der Wasser liebende Flieger auf seiner Unterseite so rostrot gefärbt ist. (Alexander Weiss)
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