In Stadtparks singen Vögel seltener als in der Natur | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

In Stadtparks singen Vögel seltener als in der Natur

In den Wäldern zwitschern die Vögel lauter und länger als in den Stadtparks. Dafür lassen die Gefiederten in den Städten ihre Singstimmen schon hören, wenn ihre Artgenossen im Wald noch schlummern.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
In Stadtparks singen Vögel seltener als in der Natur.
Wer die Gelegenheit hat, in abgelegenen Wäldern ohne störenden Zivilisationslärm zu campieren, ist sicher überwältigt von der Klarheit und der Kraft morgendlicher Vogelkonzerte. Man muss kein Ornithologe sein, um Unterschiede zu den Gesängen zu bemerken, die man morgens durch das offene Fenster seiner Stadtresidenz wahrnimmt, auch wenn sie von derselben Vogelart stammen. Aufmerksamen Frühaufstehern fällt vielleicht sogar auf, dass die Vögel im Wald ein wenig länger brauchen, bis sie „aus den Federn“ kommen.

Sicherung des Reviers

Was hinter diesen Unterschieden steckt, haben Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum durch Untersuchungen an Kohlmeise, Blaumeise und Buchfink herausgefunden. Sie verglichen die Gesangsaktivität dieser Vögel in einem innerstädtischen Park und in einem Waldgebiet am Stadtrand. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede sowohl im zeitlichen Verlauf als auch in der Art des Gesangs: Im Stadtpark ging den Buchfinken im Lauf des Morgens relativ rasch die Puste aus, während sie im Waldgebiet ihren Gesang längere Zeit konstant durchhielten. Da Finken unter anderem ihr Nahrungsrevier durch den Gesang „abstecken“, liegt es nahe, dass sie im Wald mit seinem begrenzten Nahrungsangebot intensiver trällern. „Im Park, wo es viel Nahrung gibt, lohnt es sich nicht, dieses Revier so intensiv zu verteidigen,“ sagt Ornithologe Dr. Michael Abs, der zusammen mit seinem Kollegen Frank Bergen die Vogelgesänge untersuchte.

Der Buchfink fühlt sich gestört

Außerdem zeigte sich, dass mit der Zunahme der Besucher die Gesangsaktivität der Buchfinken nachließ. Vollständige Lieder hörte man kaum noch, während immer öfter Erregungsrufe als typisches, kurzes „Pink!“ erklangen. Die Menschen, die den Park besuchen, stellen für den Buchfink offenbar eine Störung dar, die ihn am Singen hindert und dazu veranlasst, sich zu „beschweren“. Hinzu kommt, dass die Vögel zwar auf Bäumen nisten, ihre Nahrung aber hauptsächlich am Boden finden – allerdings nur, wenn keine Menschen oder deren Hunde in der Nähe sind.

Waldvögel schlafen länger

Aus ähnlichem Anlass scheinen die Vögel in der Stadt eher auf den Beinen zu sein: Die konstante Beleuchtung und der nächtliche Straßenlärm sorgen schon in den frühen Morgenstunden für Singstimmung, während die ungestörten Waldvögel in aller Ruhe ausschlafen. Ernsthafte Probleme scheint die Hektik im Park den Vögeln allerdings kaum zu machen. „Damit können Buchfinken gut leben,“ so Abs. Wer so frei ist wie ein Vogel, kann sich ohnehin heraussuchen, wo er singt.
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