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Zugvögel, die im Norden überwintern

Ein anderes Reiseziel gesteckt? Oder sogar sesshaft geworden? Unter den Zugvögeln gibt es immer mehr Tiere, die ihr Wanderverhalten ändern: Amseln, Rotkehlchen, Zaunkönige...
 
© pixabay.com/Antranias (CC0 Public Domain)
Zum Überwintern in den Norden?
Und jetzt haben auch Rohrdommeln Mitteleuropa als Winterquartier entdeckt. Unter den heimischen Mönchsgrasmücken gibt es Ossis und Wessis: die einen leben in Süddeutschland und ziehen westlich an den Alpen vorbei ins Mittelmeergebiet, die anderen leben in Ost-Österreich und ziehen im Herbst östlich an den Alpen vorbei. Dass die Zugrichtung erblich ist, ergaben Zuchtversuche mit den zwei Populationen: Würde man Mischlinge von Eltern beider Populationen auf die Reise schicken, würden sie eine mittlere Wanderroute über die Alpen wählen.

Zum Überwintern in den Norden?

Die Mönchsgrasmücke ist überhaupt ein spannendes Forschungsobjekt. Denn sie hat eindrucksvoll gezeigt, dass sich manche Zugvögel einfach nicht an den Fahrplan halten: Schon immer zogen vereinzelte Tiere dieser Vogelart zum Überwintern auch nach England. Wegen Nahrungsmangel und ungünstigen Temperaturen hatten sie aber keine Überlebenschancen. Doch dann führten bessere Klimaverhältnisse und Nahrungsbedingungen dazu, dass einige Mönchsgrasmücken durchkamen und in ihre Brutgebiete zurückfliegen konnten, wo sie eifrig für Nachwuchs sorgten. Ebenso wie die Eltern wählte die neue Generation wiederum England als Winterquartier.

Winterquartier mit Vorteilen

Und damit hatten sie einen unglaublichen Vorteil: Die Eizellen der Vögel, die in England überwintern, reifen aufgrund der veränderten Tageslänge früher heran als bei den Vögeln, die den Winter im Mittelmeerraum aussitzen. Darum kehren die Vögel aus dem Norden früher zurück als die Artgenossen aus dem Süden und besetzen die besten Nistplätze. So hat sich in den letzten 40 Jahren in England ein neues Winterquartier etabliert: Über 30 Prozent aller in Süddeutschland beringten Mönchsgrasmücken wurden dort aufgespürt.

Auf die globale Klimaveränderung reagieren inzwischen immer mehr Zugvögel mit verändertem Wanderverhalten. Die Langstreckenzieher, zum Beispiel Vögel, die zum nach Afrika ziehen, sind von dieser Entwicklung weniger betroffen als die Kurzstreckenzieher, deren Ziel das mildere Südeuropa ist.

Vom Fischer zum Mäusejäger

Ein Beispiel dafür ist die Rohrdommel. Der seltene Vogel, der sich hauptsächlich von Fischen und anderem Wassergetier ernährt, gehört zu den Teilziehern (ein Teil zieht gen Süden, der andere harrt bei uns aus). Allerdings beschränkte sich früher der „Teil, der nicht auf Reisen ging“, auf einzelne Tiere. Doch ihre Zahl scheint zu steigen – bis an die Alpen heran konnten Überwinterungsversuche beobachtet werden. Weil die Winter mit viel Frost und Schnee immer seltener werden, finden die Vögel in Wassergräben oder an Zuläufen genügend eisfreie Stellen, um nach Beute zu jagen. Damit nicht genug: Bayerische Birdwatcher, wie Roland Windisch, konnten beobachten, wie der Meister im Verstecken, der sein ganzes Verhalten auf „bloß nicht auffallen“ ausrichtet, „offenbar vom Hunger getrieben seine tarnende Umgebung verließ und sich auf offene Flächen der Wiesen begab, um dort nach Mäusen zu jagen“. Roland Windisch zählte im Durchschnitt zwei bis drei Mäusemahlzeiten pro Stunde, und das bis Ende Februar. (Nina Blersch)



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