Zuwanderer Bienenfresser | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Zuwanderer Bienenfresser

Als Folge steigender Temperaturen erweiterten bereits einige südeuropäische Vögel ihr Brutareal nach Norden. Auch der Bienenfresser ist ein Gewinner des Klimawandels: Er hat sich in einigen Gegenden Deutschland als Brutvogel etabliert.
 
© pixabay.com/LubosHouska (CC0 Public Domain)
Etwa 200 Insekten benötigt ein Bienenfresser pro Tag, um satt zu werden.
Bunten Edelsteinen gleich schwirren und schweben sie unruhig durch die Luft, packen hier und da geschickt ein flatterhaftes Insekt im Flug, schlagen diesem auf einem Ast den gefährlichen Stachel heraus, werfen den Kopf in den Nacken – und das Insekt hoch in die Luft –, um es, ganz so, wie es kleine Kinder und coole Amerikaner mit Erdnüssen tun, lässig wieder aufzufangen und zu verschlucken. Wenn sie nicht gleich damit in ihren Bruthöhlen verschwinden, um ihren hungrigen Nachwuchs zufrieden zu stellen, versteht sich ...

Ein bunter Vogel zeigt Dynamik

Das, was in den Sommermonaten in warmen mittel- und südeuropäischen Regionen ein gewohnter Anblick ist, kann inzwischen immer häufiger auch in deutschen Landen beobachtet werden: brütende Bienenfresser, die es vermutlich als Folge des zunehmend kontinentaler werdenden Klimas verstärkt in nördlichere Gefilde zieht. Und so brüten auch in manchen Gegenden Deutschlands bereits die Vögel, die zur Familie der Spinte und zur Ordnung der Rackenvögel zählen. Eine wahrhaft bunte Truppe, zu der übrigens auch die Eisvögel gehören. 356 Merops-apiaster-Brutpaare wurden 2004 in Deutschland nachgewiesen, auf rund 400 Paare wird der Gesamtbestand geschätzt – Tendenz steigend. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im südlichen Schwarzwald (Kaiserstuhl am Oberrhein) und im Saaletal in Sachsen-Anhalt. Auch in Bayern häufen sich seit 1983 die Brutvorkommen. So führt der Brutvogelatlas für Bayern (2005) bereits zwölf stabile Brutvorkommen auf.

Ehrenamtliche Vogelbeobachter nehmen Bestände auf

Um die hohe Dynamik der klimabedingten Zuwanderung zu verfolgen, sind intensive Beobachtung und Kartierung der Brutvorstöße dieses Zugvogels nötig. Monitoring und quantitative Bestandsaufnahme heißen deshalb auch die Schlagworte, die ganz oben auf der To-Do-Liste der Avifaunisten stehen. Rund 2.000 (!) ehrenamtliche Vogelkartierer wirken beim 2004 ins Leben gerufenen ADEBAR-Projekt mit, um seit Anfang 2005 Daten zu Deutschlands Brutvogelarten zu erheben. Der Bienenfresser ist eine der zwölf Pilotarten, die bereits im Vorfeld intensiv beobachtet wurden und dessen Bestände bereits jetzt besonders gut dokumentiert sind.

Helfervögel unterstützen Elternpaare bei der Brutpflege

Etwa 200 Insekten benötigt ein Bienenfresser pro Tag, um satt zu werden. Während der 30-tägigen Nestlingszeit braucht ein Junges etwa 700 Insekten als Nahrung. Da die Eltern während dieser Zeit ja auch selbst versorgt sein wollen, gestaltet sich die Jagd nach Nahrung als anstrengende und kräftezehrende Angelegenheit. Deshalb helfen bei der Brutpflege kinderlose Artgenossen, ohne deren Hilfe ein Elternpaar nur etwa zwei Junge durchbringen könnte. Nur mit Beistand der Helfervögel können Gelege mit mehr als zwei Jungen aufgezogen werden.

Bienenfresser sind Baumeister

Die Höhlenbrüter erweisen sich übrigens als sehr geschickt, wenn es darum geht, sich als luftige Baumeister zu beweisen. Bevor sie im Juni mit dem Brutgeschäft beginnen, bauen sie bis zu zwei Meter lange, horizontale und am Ende zu Brutkammern erweiterte Brutröhren in steile Löss- und Sandwände. Steile Wände aus Sand und Lehm, wie sie etwa Erosionsrinnen und Geländeeinschnitte wie Abbruchkanten bieten, sind für die Bienenfresser zur Anlage ihrer Brutröhren lebensnotwenig, wobei sie, wie neuere Beobachtungen zeigen, inzwischen aber auch immer mehr auf Sand- und Kiesgruben ausweichen.

Zukunft für die Zuwanderer

Wenn auch der Bienenfresser, da sich sein potenzielles Brutareal erweitert, zu den Gewinnern des Klimawandels zählt, kann der Zuwanderer real davon nur profitieren, wenn genügend Bruthabitate und Nahrung zur Verfügung stehen. Und er in seinen Rückzugsräumen auch ungestört bleibt. Oberstes Gebot der Vogelschützer sollte es neben der Bestandsaufnahme nun sein, Störungen am Brutplatz durch neugierige Beobachter, aber auch die Zerstörung von Brutwänden zu verhindern, um langfristige Brutansiedlungen zu sichern. Dann hat das bunte, neue Kleinod unserer Heimat auch hier eine echte Zukunft.

Das Projekt ADEBAR

Das 2004 ins Leben gerufene Projekt ADEBAR und sein Atlas der deutschen Brutvogelarten, hat sich zum Ziel gesetzt, die Bestände unserer Brutvögel zu kartieren und aktuelle Ansätze für den Erhalt der heimischen Vogelwelt zu liefern. Um die umfangreichen Datensätze des gigantischen Gemeinschaftsprojektes zu koordinieren, zusammenzufassen und auszuwerten, arbeiten die Vogelkartierer eng zusammen. Das Vogelmonitoring-Projekt zum Brutvogelatlas Deutschland wird 2009 abgeschlossen werden. (Dr. Angelika Huber)
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