Übergewicht bei Ziervögeln | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Übergewicht bei Ziervögeln

Zu viel Speck auf den Rippen macht Wellensittich, Kanari und Co. erst schlapp und dann häufig krank. Mit einer Fastenkur können Sie den überflüssigen Fettzellen nicht zu Leibe rücken. Auf Dauer hilft da nur ein Fitness-Plan.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Können Ziervögel übergewichtig sein?
Ausgerechnet die häufigsten Arten unter unseren Stubenvögeln neigen zu Übergewicht. Und ausgerechnet sie leiden unter jedem Gramm zu viel und sind vorprogrammiert auf Leberverfettung und Herzschwäche, die – unbehandelt – schließlich tödlich enden.

Die Erbanlagen sind schuld

Während die aus den tropischen Regenwäldern stammenden Raritäten, die auch in ihrer Heimat rund um die Uhr im Schlemmerland leben, sich in Menschenobhut eher zu wählerischen Feinschmeckern entwickeln und dadurch ihr Idealgewicht halten, knabbern Wellensittich, Nymphensittich, Zebrafink und Kanari sich sehr schnell eine Speckschicht auf den Körper. Das Überlebensprogramm, das sie von ihren wilden Vorfahren geerbt haben: „Friss, was dir unter den Schnabel kommt, die Konkurrenz ist groß und die Futterquelle kann morgen schon versiegt sein“, hat logischerweise vor dem immer prall gefüllten Futternapf und unzähligen herrlichen Überraschungsbonbons im Käfig verheerende Folgen.

Ohne Hilfe geht es nicht

Die Vögel selbst können den Verlockungen nicht widerstehen. Das kann nur ihr Mensch, indem er die natürlichen Verhältnisse imitiert. Setzen Sie also Ihre Pummelchen nicht auf Nulldiät, zählen Sie keine Kalorien, sondern geben Sie zu den „natürlichen Futterzeiten“ – morgens und abends – das gewohnte Körnerfutter. Nach einer Stunde entfernen Sie die Näpfe, denn was jetzt noch drin ist, stockt nur Fettreserven auf. Stattdessen bieten Sie Bademöglichkeit bzw. eine Dusche, einen Abenteuerspielplatz oder eine Spielstunde mit Ihnen. Frisch geschnittene Zweige oder Äste, beblättert, mit Blüten, Knospen oder Früchten, regen zum Schnabelwetzen, Rindenknabbern, Untersuchen auf Kleinstlebewesen wie Blattläuse, zum Blätterkosten, Blütennektarsaugen und zum Spielen an.

Jedem das Seine

Kanaris können Sie mit Schaukeln zu Gymnastik veranlassen, Zebrafinken motivieren Sie mit Nestangeboten und unterschiedlichstem verstecktem Nistmaterial. Alle Krummschnäbel beglücken Sie mit Tauen und Seilen, Leitern, und Spielhölzchen, an denen Sie ihre körperlichen Fähigkeiten austoben können. Wenn Sie den Vögeln etwas schenken wollen, dann verzichten Sie auf Leckerbissen und beglücken Sie die Vögel mit einer neuen Badewanne oder einem Volierenumbau.

Gemeinsam schlank

Der beste Weightwatcher ist natürlich ein Vogelpartner, mit dem sich der etwas rundliche Vielfraß die Zeit zwischen den Mahlzeiten vertreiben kann. Doch wer jahrelang alleine gelebt hat, wird sein Heim gegen alle, auch gegen die künftige große Liebe, verteidigen. Zum Vogelpartner müssen Sie deshalb auch gleich ein neues Zuhause für zwei (oder mehr) schenken, in das Sie beide gleichzeitig einziehen lassen. Dann haben die Vögel soviel damit zu tun, das neue Revier zu begutachten (verbraucht enorme Energiereserven), und haben keine Zeit, sich zu zanken. Doch auch wenn Sie ein Paar oder eine Gruppe haben, ist das keine Garantie gegen Übergewicht. Denn ein ständig gefüllter Napf ist unwiderstehlich. Also gilt auch weiterhin: Frühstück und Abendessen genügen, tagsüber ist „Arbeit“ angesagt. (Ursula Birr)
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