Krallen- und Schnabelpflege bei Vögeln | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Krallen- und Schnabelpflege bei Vögeln

Die Krallen und der Schnabel sind die „Werkzeuge" des Vogels. Seine Flügel machen den Vogel zwar als fliegendes Lebewesen aus, seine Krallen und den Schnabel benötigt er jedoch fast für alle seine Tätigkeiten.
 
© Foto: Nicole Kühl / Fotolia
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Die Zehen und die Nägel, die wir bei den Vögeln Krallen nennen, werden nicht nur zum Sitzen, Hüpfen und Laufen genutzt, sondern auch zum Scharren, Klettern, Hangeln, Tragen, Fressen und Putzen. Darum müssen Vögel darauf achten, ihre Krallen und Schnäbel gesund und einsatzfähig zu halten. Wildvögel finden dafür Möglichkeiten in der Natur. Bei Ziervögeln müssen wir jedoch die Pflege übernehmen, die sie selbst nicht leisten können.

Krallenpflege

Hat der Vogel zu lange Krallen, können sich beim Landen, Hüpfen oder Laufen die Füße verdrehen. Sie können auch die Ursache für Entzündungen und Schmerzen sein. Damit der Vogel mit ihnen nicht am Gitter oder beim Freiflug an Polstermöbeln, Teppichen oder Gardinen hängen bleibt und sich verletzt oder zu Tode zappelt, sollten sie unbedingt gekürzt werden.

Einfache Maßnahmen

Wenn alle Sitzstangen und Kunststoff-Halterungen gleich dick sind, findet der Vogel keine Möglichkeiten, die Spitzen der Krallen und die dicken Hornhautballen unter den Zehen abzunutzen. Sowohl den kleinen Vögeln wie Prachtfink oder Kanarienvogel als auch den großen wie Beo oder Amazone können die Krallen schnell zu lang werden. Sind die Krallen nur ein wenig länger als normal, helfen einfache Mittel: Zum Beispiel verschieden dicke und gebogene Zweige und Äste mit möglichst rauer Rinde als Sitzgelegenheiten. Vögel, die gerne klettern, brauchen einen Kletterbaum und aufrecht stehende Schilfhalme oder Ginsterzweige. Aber auch raue Steine oder Schamotteplatten (vom Ofensetzer) vor Futter- und Wassernäpfen helfen, die Krallen kontinuierlich abzuschleifen und machen bei vielen Vögeln das Krallenschneiden überflüssig.

Krallen schneiden

Kürzen Sie die Krallen am besten mit einem Nagelklipp. Bleiben Sie dabei je nach Größe des Vogels drei bis acht Millimeter unterhalb des „Lebens“. Das sind die Nervenenden und Blutgefäße, die bei hellen Krallen gegen das Licht gehalten, gut zu sehen sind. Achten Sie darauf, weniger von der Spitze abzuschneiden, da diese bei dunklen Krallen kaum zu sehen sind. Oft hilft hier nur der Erfahrungswert. Halten Sie beim Schneiden immer Eisenchloridwatte bereit, falls der Gefiederte aus den Krallen bluten sollte. Wenn Sie es sich nicht zutrauen, die Krallen Ihrer Vögel selbst zu kürzen, oder wenn Sie nicht wissen, wie die Vögel beim Schneiden der Krallen zu halten sind, wenden Sie sich an einen erfahrenen Züchter oder an den Tierarzt.

Schnabelpflege

Schwieriger ist das Beschneiden eines zu lang gewachsenen Schnabels. Auch hierfür sollte möglichst ein Tierarzt zur Hilfe gezogen werden. Abblätterungen und Risse auf der oberen Schicht des Schnabels sind durch Wachstum bedingt und brauchen nicht behandelt oder entfernt zu werden. Das geschieht auf natürliche Weise von selbst. Manchmal kommt es aber auch zu seitlichen Wucherungen am Schnabel, die vorsichtig mit einer Feile oder einem Messer abgetragen werden müssen.

Einfache Maßnahmen

Damit es überhaupt nicht zu übermäßigem Schnabelwuchs kommt, sollten die Vögel stets die Möglichkeit haben, Zweige und Äste zu beknabbern. Wenn Zweige und Äste nicht helfen, können ein Stück alter, gut gewässerten Mörtel oder ein fester Mineralstein Wucherungen beseitigen.

Schnabelschwamm beseitigen

Häufig leiden Wellensittiche und auch andere Vögel unter Schnabelschwamm. Dabei bohren Grabmilben viele winzige Löcher in den Schnabel und in die Wachshaut oberhalb des Schnabels. Sie leben vom Keratin, der Hornsubstanz des Schnabels. Ihre Ausscheidungen lagern sich auf dem Schnabel wie grauer Schwamm ab, verkrusten. Wenn Sie die befallenen Stellen mit „Ballistolöl für Tiere“ oder mit Vaseline alle drei Tage dünn einreiben, sind die Grabmilben meistens schon nach drei Behandlungen abgetötet und Schnabel und Wachshaut erhalten schnell wieder ihren ursprünglichen Glanz zurück. (Horst Bielfeld)
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