Vogel beim Tierarzt | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Vogel beim Tierarzt

Operationen bei Vögeln sind immer ein Risiko, doch bei den heutigen Fortschritten in der Chirurgie in vielen Fällen durchaus sinnvoll. Dabei ist abzuklären, ob und wie der Patient eine Operation übersteht und wie er danach weiterleben kann.
 
© Foto: DieFotomacher / Fotolia
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Eine der häufigsten Operationen, die in den letzten Jahren vorgenommen wurde, war die zur Feststellung des Geschlechts des Vogels. Auch das Anschauen von Eileitern und Hoden war bisher eine sichere Methode. Heute lässt sich durch einen DNA-Federkieltest einfach bestimmen, ob es sich um ein Weibchen oder Männchen handelt.

Operationsvorbereitungen

Das Operationsfeld wird freigelegt und mit 70-prozentigem Alkohol desinfiziert. Federn, die für den Eingriff im Wege sind, werden vom Tierarzt ausgezupft. Anschließend wird die Stelle desinfiziert und der Wundrand mit selbstklebender Folie oder Gaze abgedeckt. Klemmen zur Blutstillung, Katgut (Fäden aus Katzen-, Schafs- oder Ziegendarm) und chirurgische Seide zum Vernähen der Wunde liegen meist schon bereit.

Die Narkose

Vögel sind in vielen Bereichen wenig schmerzempfindlich und können bei kleinen, oberflächlichen Eingriffen ohne eine Narkose operiert werden. Örtliche Betäubung ist bei Vögeln wenig sinnvoll. Üblich ist meist eine Vollnarkose mittels Injektion oder Inhalatio.

Eingriffe

Es gibt bei Vögeln Operationen wie bei anderen Tieren und beim Menschen auch. Es werden Frakturen mit und ohne Fixateuren, Platten oder Bohrdrähten, Sohlenballengeschwüre und Schnabelverletzungen behandelt. Bei Geschwülste, Zysten, Legenot, Bindehaut- und Augenverletzungen, Magenoperationen, Tumoren im Bauchbereich und vielen andere Erkrankungen und Verletzungen kommt es häufig zu chirurgisch Eingriffen.

Nach der OP

Je nach Schwere der Operation bleibt der Patient in der Vogelklinik oder beim behandelnden Tierarzt zur Überwachung oder darf in einer kleinen, gepolsterten Transportbox bei 25 bis 30 Grad Celsius nach Hause transportiert werden. Je nach Operation und Vogelart nimmt der Vogel sofort oder ein paar Stunden später selbst Futter auf. Oft muss er aber auch mittels einer nadellosen Einwegspritze gefüttert werden. Fäden werden meistens vom Körper abgestoßen, ansonsten nach zwei bis drei Wochen gezogen. Auch Platten und andere Fixateure müssen nach Operationen oftmals noch entfernt werden.

Geschlechtsbestimmung per Endoskopie

Bei einer endoskopischen Untersuchung dar der Vogel weder krank noch zu dick sein. Er darf drei Stunden zuvor kein Futter mehr bekommen haben. Nachdem die Narkose ihre Wirkung erreicht hat, werden dem Vogel die Federn an der Schnittstelle entfernt und diese desinfiziert. Hinter der letzten Rippe der linken Seite macht der Tierarzt einen etwa drei Millimeter langen Schnitt in die Bauchhöhle. Mit einem Endoskop wird nun das Geschlecht des Vogels festgestellt. Nach dem nur wenige Minuten dauernden Eingriff wird die Wunde vernäht. Der Vogel wird nun in einen kleinen, gepolsterten Käfig gelegt, um ein Flattern und Verletzungen nach der Narkose zu vermeiden. (Horst Bielfeld)
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