Schmalschnabelstare - Stare mit Specht-Manieren | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Schmalschnabelstare - Stare mit Specht-Manieren

Freilandbeobachtungen sind nahezu unmöglich, darum sind die Schmalschnabelstare aus dem fernen Sulawesi noch kaum erforscht. Vogelkennerin Corinna Bartsch hat das Verhalten dieser Zimmerleute genauer studiert.
 
© pixabay.com/pixabairis (CC0 Public Domain)
Das ist ein Glanzstar in Namibia, kein Schmalschnabelstar.
Wer mit Schmalschnabelstaren zusammenlebt, braucht ein dickes Trommelfell. Die Singvögel aus dem indonesischen Sulawesi, einer Insel zwischen Borneo und den Molukken, sind arge Schreihälse. Ohrenbetäubend sind die Balzrufe, kräftig Krach gemacht wird auch, wenn sie zur gemeinsamen Futtersuche ausschwärmen.

Sperrholz fand besonders großen Anklang

Klappern gehört natürlich zum Handwerk, das kosten die cleveren Vögel aus. Je lauter, desto besser. Es sind Höhlenbrüter, wie andere Stare auch. Doch Schmalschnabelstare (die trotz ihres deutschen Namens einen recht kräftigen Schnabel besitzen) zimmern sich ihre Nisthöhlen in Spechtmanier selbst. In der Voliere von Corinna Bartsch wählten sie unter den angebotenen Holzkästen am liebsten die aus Sperrholz, die sie zur Brutzeit ständig bearbeiteten. Sperrholz bietet einen erstaunlichen Resonanzkörper für ihr Hämmern, daher diese Vorliebe, vermutet Corinna Bartsch. Bei ihr klingt es dann immer, als wären Handwerker im Haus. Da sich mit Kästen aus Naturstamm nicht so gut lärmen lässt, wurden sie bisher von den Vögeln verschmäht.

Hör mal, wer da hämmert ...

Ob die Männchen oder die Weibchen die Zimmerleute sind oder sich beide Geschlechter am Hämmern beteiligen, konnte sie noch nicht herausfinden. Gehackt wurde übrigens ausschließlich an den Nistkästen, das Holz der Voliere blieb unbeachtet und unbeschadet. Trotz ihrer Lautstärke sind Schmalschnabelstare ausgesprochen friedliche und freundliche Gesellen, die den engen, direkten Körperkontakt lieben. Reibereien und Kämpfe sind nicht üblich. Die Tiere äußern anscheinend nicht einmal aggressive Töne oder Unmutslaute. Anders würde es ihnen wohl auch kaum gelingen, in sehr enger Nachbarschaft zu den Artgenossen zu brüten. Auf Sulawesi können das hundert und mehr Paare auf einem einzigen Baum sein. Bis sie den morschen Stamm so durchlöchert haben, dass er nach einigen Jahren zusammenbricht.

Lautstark geht’s sogar am Nest zu

Neben der Lautstärke ist also auch das Sozialleben groß geschrieben: Sulawesi-Stare fühlen sich nur in der Gruppe wohl, denn einer ist keiner. Trotzdem geht’s bei ihnen nicht drunter und drüber, sondern im Gegenteil recht gesittet zu. Seitensprünge oder Partnertausch konnte die Biologin Corinna Bartsch in ihrer achtköpfigen Staren-Gruppe bisher nicht beobachten. Und beide Partner teilen sich das Brutgeschäft. Gemeinsam schaffen sie das Polster-Material für den künftigen Nachwuchs herbei, wechseln sich ab beim Brüten. Und wie könnte es anders sein: Die Ablösung am Nest geht immer sehr lautstark vonstatten.
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