Bedrohte Tierart: Wolf

Während der Wolf im Osten und Süden Europas überlebt hat, wurde er in Westeuropa und Skandinavien schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet.
 
© WWF
Im Märchen ist der Wolf der Bösewicht. Er frisst die Großmutter, pustet die Hütte der drei kleinen Schweinchen um und verschlingt die sieben Geißlein. Unheimliche Geschichten erzählen von Werwölfen und ihren Beutezügen in kalten Winternächten. Der Wolf hat also einen ziemlich schlechten Ruf.

In Wirklichkeit sind Wölfe sehr scheu. Am liebsten leben sie dort, wo sie ihre Ruhe vor dem Menschen haben. Dabei fühlen sie sich im Wald genauso wohl wie in der Wüste, im Grasland oder sogar im arktischen Eis. Dementsprechend war der Wolf ursprünglich unter den Landsäugern der Neuzeit das Tier mit der größten weltweiten

Verbreitung. Er bevölkerte die gesamte nördliche Halbkugel inklusive Mexiko, Nordafrika, Arabien und Indien. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Verbreitung der Wölfe vor allem in Europa und den Vereinigten Staaten aufgrund rücksichtsloser Verfolgung dramatisch geschrumpft. Während der Wolf im Osten und Süden Europas überlebt hat, wurde er in Westeuropa und Skandinavien schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Heute kommen Wölfe wieder vereinzelt in Südskandinavien, den französischen Alpen, der Schweiz, Österreich und sogar Deutschland vor. Wichtig für Wölfe ist das Vorhandensein von störungsarmen Rückzugsgebieten, in die sie sich tagsüber zurückziehen und ihre Jungen aufziehen können. Diese Gebiete müssen aber weder wild- noch menschenleer sein, wie es die Wölfe rund um die italienische Hauptstadt und auf deutschen aktiven Truppenübungsplätzen beweisen.

Mittlerweile haben schätzungsweise 40 Wölfe in der Bundesrepublik ein Zuhause gefunden. Der Schwerpunkt liegt dabei in der sächsischen Lausitz, wo 2008 die inzwischen fünfte Wolfsfamilie gegründet wurde. Doch auch zahlreiche andere Bundesländer, wie etwa Brandenburg, Niedersachsen oder seit diesem Jahr auch Hessen, können sich wieder als „Wolfsländer“ bezeichnen. Doch immer wieder werden Wölfe angeschossen oder beim Überqueren von Straßen getötet. Die kleinste Wolfspopulation Europas hat sich zwar auch 2008 erfolgreich fortgepflanzt, kann jedoch noch längst nicht als stabil bezeichnet werden.

Wölfe sind soziale Tiere und leben in Rudeln mit starken Bindungen. Durch die Organisation im Rudel können Wölfe Tiere erbeuten, die ein Vielfaches ihres eigenen Körpergewichts haben – wie beispielsweise Elche und Wisente. Dieses Jagdverhalten sichert ihnen einen Überlebensvorteil gegenüber Einzelgängern wie den Füchsen. Zum Wolfsrudel gehören meist neben den Eltern und ihren Welpen auch Nachkommen aus dem Vorjahr bis zu ihrer Geschlechtsreife. Auch andere Verwandte werden manchmal in ein Rudel aufgenommen, wenn dies zum Jagd- und Aufzuchterfolg beiträgt. So erklärt sich auch eines der wenigen Beispiele, in denen Wölfe in einer berühmten Geschichte eine positive Rolle zukommt: In Rudyard Kiplings weltberühmtem Dschungelbuch wird das menschliche Findelkind Mogli von einem indischen Wolfsrudel adoptiert und aufgezogen.

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