Wildtier-Lexikon: Koala | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Koala

Die geläufige Bezeichnung "Koalabär" führt uns – wie so viele andere Tiernamen auch – einmal mehr in die Irre. Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Koala © Holger Mette / Fotolia
Koalas sind reine Vegetarier. Sie fressen ausschließlich Blätter, und davon nur die einer ganz bestimmten Art: Das Laub des Eukalyptusbaums.

Steckbrief

  • Körperlänge: 60 - 85 cm
  • Gewicht: Weibchen: 5 - 8, Männchen: 6,5 - 12 kg
  • Lebenserwartung: 10 - 15 Jahre
  • Verbreitung: im Osten Australiens
  • Lebensraum: offener Wald, Baumsteppe
  • Artbestand: gering gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Diprotodontia
  • Familie: Koalas
  • Gattung: Koalas
  • Art: Koala (Phascolarctos cinereus)

Aussehen

Trotz ihres etwas plumpen Körperbaus sind Koalas gute Kletterer. Sie haben sogar zwei abspreizbare Daumen an den Vorder-, und je einen an den Hinterfüßen, um Äste besser umfassen zu können. Von allen drei Unterarten haben die Victoria-Koalas das längste Fell – das brauchen sie auch, denn sie bewohnen den Südosten des Landes, in dem es im Winter am kältesten wird. Wie deren Haarkleid ist zwar auch das der beiden anderen Unterarten grau, aber kürzer und beim Queensland-Koala auch ein wenig rostfarben getönt. Bei ihm sind auch die Ohren größer als bei seinen Vettern. Die Weibchen tragen wie alle Beuteltiere noch eine Art Transporttasche für ihre Jungen mit sich herum: Den Beutel an ihrem Bauch.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Fortpflanzungszeit der Koalas fällt in den australischen Sommer zwischen September und Januar. Das Männchen versucht durch einen Duftstoff und lautes "Bellen" geschlechtsreife Artgenossinnen zu sich zu locken. Bei der Paarung kann es dann ganz schön zur Sache gehen, denn nicht selten kratzen und beißen sich die Partner beim Liebesspiel. Nach rund 35 Tagen bringt die Mutter dann ein winziges nacktes Junges zur Welt, das nicht einmal ein Gramm schwer ist. Es verbringt die nächsten sieben Monate in ihrem Beutel, wo es durch die dort liegenden Zitzen auch gut versorgt ist. Danach können sich die Kleinen noch bis sie etwa ein Jahr alt sind auf Mamas Rücken die Welt ansehen, bevor sie sich abnabeln und geschlechtsreif werden. Das geschieht bei den Weibchen mit ungefähr zwei, bei den Männchen mit drei bis vier Jahren.

Lebensweise und Verhalten

Die niedlichen Beuteltiere sind dämmerungs- und nachtaktiv. Außerhalb der Paarungszeit leben sie als Einzelgänger in ihren Revieren, die durch Urin, Kot und Kratzspuren markiert werden. Wenn es dann soweit ist und die niedlichen Vierbeiner sich zusammentun, kann es zu erbitterten Kämpfen unter den Männchen kommen. Danach bilden sich für einige Zeit so genannte "Haremsgruppen" aus einigen Weibchen um die Männchen, die sich als Anführer hervortun. Koalas sind von Natur aus eher behäbig: Sie sind sehr friedfertig, kümmern sich nicht viel um den Menschen, bewegen sich langsam und schlafen bis zu 20 Stunden am Tag.

Kommunikation

Vor allem nachts sind die Laute der Koalas gut zu hören. Einer der wichtigsten Töne für die Kletterbeutler ist der Ruf, den sie ausstoßen, wenn sie Angst haben. Er klingt wie das Schreien eines Babys. Besonders die Männchen machen sich außerdem gern durch ein Geräusch zwischen Grunzen und Bellen bemerkbar. Diese Stimmen hallen weit durch die Nacht und so ist jeder Rivale informiert, dass der Schreihals in diesem Gebiet das Sagen hat. Auch in der Paarungssuche ist das Rufen nützlich, damit sich die Partner in den Eukalyptuswäldern besser aufspüren können. Wenn ein Weibchen dann Nachwuchs hat sind außerdem oft leise quietschende, schnalzende oder auch summende Verständigungslaute zu hören.

Ernährung

Koalas sind reine Vegetarier. Sie fressen ausschließlich Blätter, und davon nur die einer ganz bestimmten Art: Das Laub des Eukalyptusbaums. Davon gibt es in Australien rund 350 Arten, doch die wählerischen Baumbewohner bevorzugen vor allem fünf davon. Und wäre es bei soviel Extrawünschen nicht schon schwierig genug, satt zu werden, verschmähen sie auch noch bestimmte Blattbüschel ihrer Lieblingssorte. Erst spät kamen Wissenschaftler dahinter, was es damit auf sich hat: Zu bestimmten Jahreszeiten bildet sich in den jungen Blättern des Manna-Eukalyptus die hochgiftige Blausäure. Im Laufe des Wachstums baut sie sich wieder ab, und erst dann greifen die cleveren Koalas zu.

Hätten Sie's gewusst?

Die geläufige Bezeichnung "Koalabär" führt uns – wie so viele andere Tiernamen auch – einmal mehr in die Irre: Obwohl in diesem Fall selbst der wissenschaftliche Name "Phascolarctos cinereus" übersetzt "grauer Beutelbär" bedeutet, gehört der australische Baumbewohner ganz und gar nicht zu den "echten" Bären. Die gehören nämlich den Plazenta-Tieren an, während die Koalas (ebenso wie die zweite sehr bekannte Tierart Australiens, die Kängurus) zu den Beuteltieren gezählt werden.


Hier ein Koala-Video:

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