Wildtier-Lexikon: Pottwal | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Pottwal

Pottwale sind die größten Zahnwale der Welt, sogar die größten Lebewesen mit Zähnen überhaupt. Lesen Sie im Steckbrief alles zu Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Wildtier-Lexikon: Pottwal © pixabay.com/vbernhard (CC0 Public Domain)
Pottwale stoßen unterschiedlichste Geräusche aus.

Steckbrief

  • Körperlänge: Weibchen: 10 - 12 m, Männchen: 15 - 20 m
  • Gewicht: Weibchen: 35 - 45 t, Männchen: 45 - 55 t
  • Lebenserwartung: 55 Jahre
  • Verbreitung: alle Ozeane
  • Lebensraum: Ozean
  • Artbestand: ca. 2 Millionen

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Wale
  • Familie: Pottwale
  • Gattung: Physeter
  • Art: Pottwal (Physeter macrocephalus)

Aussehen

Pottwale sind die größten Zahnwale der Welt, sogar die größten Lebewesen mit Zähnen überhaupt. Alle Wale, die größer sind als sie, haben Barten. Die Männchen sind länger und schwerer als die Weibchen und können über 50 Tonnen wiegen. Charakteristisch für den Pottwal ist sein großer, fast quadratischer Kopf, der ein Drittel seiner Gesamtlänge ausmacht. An der oberen Spitze des Kopfes befindet sich ein Blasloch, das s-förmig ist und auf der linken Seite liegt. Die kleinen Augen des Pottwals befinden sich direkt über den Mundwinkeln, die Ohröffnungen zwischen den Augen und den Brustflossen. Die Rückenflosse ist - genauso wie die Brustflossen - nicht sehr groß, im Gegensatz zu der mächtigen Schwanzflosse. Diese hat die Form zweier aneinander liegender Dreiecke, die an den Spitzen abgerundet und in der Mitte tief eingekerbt sind. Die Färbung der Pottwale reicht von dunkelgrau über dunkelbraun bis hin zu schwarz. Die Unterseite des Körpers ist meist etwas heller und um den Unterkiefer ist der Pottwal cremefarben bis weiß.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Paarungszeit der Pottwale ist von ihrem Lebensraum abhängig. In südlichen Ozeanen paaren sie sich zwischen August und September, im Nordatlantik von März bis Mai und im Nordpazifik zwischen Januar und Mai. In der Paarungszeit schließen sich einzelne Männchen mehrere Monate lang Gruppen von Weibchen an. Nach etwa 12 bis 16 Monaten Trächtigkeit bringt das Weibchen ein Junges zur Welt. Die Wale wiegen bei der Geburt rund 1.000 Kilogramm und sind bis zu vier Meter lang. Etwa zwei Jahre lang wird das Jungtier von der Mutter gesäugt, lebt aber auch nach der Entwöhnung noch einige Jahre in ihrer Nähe. Weibliche Pottwale werden mit acht Jahren geschlechtsreif, männliche mit zehn. Allerdings sind die Männchen erst in einem Alter von über 20 Jahren in der Lage, sich gegen Konkurrenten durchzusetzen und somit auch tatsächlich zu paaren.

Lebensweise und Verhalten

Das Sozialverhalten ist bei den Geschlechtern sehr unterschiedlich. Weibliche Pottwale sind gesellig und leben mit ihren Jungen in Verbänden von zirka 15 Tieren. Weibliche Jungtiere bleiben meist ein Leben lang in dieser Gruppe. Männliche Jungtiere dagegen verlassen die Gruppe ihrer Mutter, sobald sie geschlechtsreif werden, und bilden mit anderen jungen Männchen einen lockeren Verband. Mit zunehmendem Alter werden die Männchen immer mehr zu Einzelgängern und schließen sich nur noch in der Paarungszeit weiblichen Gruppen an. Pottwale halten sich in keinem festen Gebiet auf. Im Gegensatz zu anderen Walarten wandern sie jedoch auch keine weiten Strecken. Lediglich die Männchen, die aufgrund ihrer Größe mehr Futter brauchen als Weibchen, ziehen im Sommer teilweise in die nahrungsreicheren Polarmeere. Pottwale verbringen die meiste Zeit mit Jagen. Sie können bis zu 80 Minuten lang unter Wasser bleiben, bevor sie Luft holen müssen und bis zu zwei Kilometer tief tauchen. Von Zeit zu Zeit legen sie auch längere Pausen an der Wasseroberfläche ein.

Kommunikation

Pottwale stoßen unterschiedlichste Geräusche aus. Währen der Tauchgänge senden sie Klicklaute aus, mit denen sie Hindernisse, Beute und Artgenossen abtasten. Untereinander verständigen sich die Tiere mit sogenannten "Codas". Diese Töne sind komplexer als die Klicklaute und können von Region zu Region unterschiedlich sein. Treffen männliche Pottwale auf eine Gruppe Weibchen, stoßen sie laute "Clang"-Laute aus. Es ist möglich, dass diese sowohl zur Werbung um Weibchen als auch zur Abschreckung anderer Männchen dienen.

Ernährung

Der Pottwal ernährt sich hauptsächlich von ein bis zwei Meter großen Tintenfischen. Von diesen Tieren nimmt ein männlicher Pottwal bis zu einen Tonne täglich zu sich. Da die Meeressäuger sehr gut tauchen können, verspeisen sie auch Riesenkraken. Diese sind zum Teil länger als der Wal selbst und liefern ihm oft harte Kämpfe. Das beweisen tiefe Narben von Saugnäpfen in der Haut von gefangenen Pottwalen. Krabben, Haie, Rochen und kleinere Fische stehen ebenfalls auf dem Speiseplan der Wale.

Hätten Sie's gewusst?

Der riesige Kopf wird zum größten Teil von nur einem Organ ausgefüllt. Dieses "Spermaceti-Organ" ist mit so genanntem Walrat gefüllt und kann bis zu zwei Tonnen schwer sein. Wahrscheinlich dient es dem Wal als Tauchhilfe, da es den Auftrieb regelt und dem Wal so das kontrollierte Absinken in große Tiefen ermöglicht. Das Spermaceti-Organ könnte aber noch weitere Aufgaben erfüllen. So wird angenommen, dass es dem Kopf des Wals Stabilität verleiht und zum Erzeugen sehr lauter Töne gebraucht wird. 
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