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Wildtier-Lexikon: Vielfraß

Obwohl der Vielfraß seinen Namen zu Recht trägt, hat er ihn nicht wegen seines großen Appetits bekommen. Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Vielfraß © animal-digital.de
Obwohl der Vielfraß seinen Namen zu Recht trägt, hat er ihn nicht wegen seines großen Appetits bekommen.

Steckbrief

  • Körperlänge: Weibchen: 65 - 85 cm, Männchen: 70 - 90 cm
  • Gewicht: Weibchen: 10 - 14 kg, Männchen: 15 - 20 kg
  • Lebenserwartung: 8 - 10 Jahre
  • Verbreitung: Skandinavien, Sibirien, Alaska, USA, Kanada
  • Lebensraum: Nadelwälder, Moore, Gebirge
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere
  • Familie: Marder
  • Gattung: Gulo
  • Art: Vielfraß (Gulo gulo)

Aussehen

Obwohl er zur Familie der Marder gehört, sieht der Vielfraß auf den ersten Blick eher wie ein Bär aus. Der Körper ist kräftig und kompakt, aber dennoch schlank. Er steht auf langen Beinen, die in breiten Füßen enden. Die Füße sind auch an den Sohlen behaart, und zwischen den Zehen befindet sich eine Spannhaut. Dadurch sinkt der Vielfraß nicht in den Schnee ein. Der Kopf ist groß und mit einer langen Schnauze und kleinen Ohren versehen.

Der Vielfraß hat einen buschigen, dicken Schwanz, der zirka 25 Zentimeter lang wird. Das Fell ist lang und dicht. Es schützt den Vielfraß vor Kälte und Nässe, da es wasserabstoßend ist. Das Fell ist dunkelbraun oder schwarz. Viele Vielfraße haben eine helle Bandzeichnung; sie beginnt am Kopf, teilt sich entlang der beiden Körperseiten und vereint sich am Schwanz wieder.

Fortpflanzung und Entwicklung

Vielfraße paaren sich zwischen April und Juni. Männchen und Weibchen leben nach der Paarung noch einige Monate zusammen, - an der Aufzucht beteiligt sich der Vater jedoch nicht. Vor der Geburt sucht sich das Weibchen eine Baumhöhle, eine Felsspalte oder gräbt selbst eine Höhle in den Schnee. Zwischen Februar und März bringt sie dort in der Regel drei bis vier Junge zur Welt. Die Vielfraße wiegen bei der Geburt 100 Gramm und sind etwa 15 Zentimeter lang. Sie werden blind und mit weißem Fell geboren. Die ersten Wochen verbringen sie in ihrer geschützten Höhle.

Erst im Alter von etwa fünf Wochen beginnen sie damit, die Mutter auf die Jagd zu begleiten. Die Mutter säugt ihren Nachwuchs acht bis zehn Wochen lang. Danach füttert das Weibchen die Jungen mit vorgekautem Fleisch. Etwa sechs Monate nach der Geburt sind die Jungtiere bereits in der Lage, selbst für sich zu sorgen. Mit einem Jahr sind sie vollständig ausgewachsen. Sie bleiben jedoch meist noch ein bis zwei Jahre bei der Mutter. Diese vertreibt sie, sobald der Nachwuchs geschlechtsreif wird.

Lebensweise und Verhalten

Der Vielfraß ist ein Einzelgänger. Nur während der Paarungszeit leben Männchen und Weibchen für einige Monate zusammen. Der Vielfraß bewohnt ein festes Gebiet, das bis zu 2.000 Quadratmeter umfassen kann. Er markiert dieses Gebiet mit Kot und Urin. Gleichgeschlechtliche Artgenossen werden im Revier nicht geduldet, es kann sich jedoch mit den Revieren von Artgenossen des anderen Geschlechts überschneiden. Der Vielfraß ist nachtaktiv. Tagsüber schläft er in geschützten Bauen.

Diese Baue legt er meist flüchtig unter gefallenen Bäumen oder in Felsspalten an und polstert sie mit Blättern und Gräsern aus. Manchmal übernimmt er auch Baue anderer Tiere oder gräbt Höhlen in den Schnee. Nachts geht der Vielfraß auf Nahrungssuche und legt dabei bis zu 45 Kilometer zurück. Obwohl er sehr gut klettern kann, bevorzugt er es, auf dem Boden zu leben.

Sinnesleistungen

Der Vielfraß hat einen ausgezeichneten Geruchsinn. Mit seiner feinen Nase kann er seine Nahrung auch unter dicken Schneeschichten aufstöbern. Das Gehör ist ebenfalls sehr gut ausgeprägt. Obwohl auch der Sehsinn gut entwickelt ist, ist der Vielfraß auf diesen kaum angewiesen; vorwiegend kommen Geruchsinn und Gehör zum Einsatz.

Ernährung

Der Vielfraß ist immer hungrig und frisst alles, was er bekommen kann. Am liebsten frisst der Vielfraß Fleisch. Im Sommer fällt ihm die Jagd schwer, da er sich nur sehr langsam und geräuschvoll fortbewegen kann. Daher bilden zu dieser Zeit Insekten und Vogeleier, aber auch Beeren und Zweige den Hauptbestandteil seiner Nahrung.

Im Winter, wenn Schnee liegt, kann sich der Vielfraß lautlos und schnell fortbewegen, da er nicht in den Schnee einsinkt. Jetzt macht er Jagd auf Schneehasen, Eichhörnchen und Mäuse. Er erbeutet oft Tiere, die viel größer sind als er, wie Elche oder Luchse. Selbst vor Menschen schreckt der Vielfraß nicht zurück und raubt gerne Hütten aus.

Hätten Sie's gewusst?

Obwohl der Vielfraß seinen Namen zu Recht trägt, hat er ihn nicht wegen seines großen Appetits bekommen. Schuld ist vielmehr eine Fehlübersetzung. In Skandinavien heißt er nämlich "Fjäl-Fräs", was so viel wie "Felsenkatze" bedeutet. Mangelnde Fremdsprachenkenntnisse ließen die Felsenkatze im Deutschen also zum Vielfraß werden.
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